Niederlande Entdecken Sie die friesische Schönheit Leeuwarden

Die Friesen im Norden der Niederlande entwickeln Ideen für eine bessere Zukunft: mit Sinn für Sprachen, Heimatverbundenheit und Neugierde auf die Welt. Wir verraten Ihnen, was Sie in der Kulturhauptstadt 2018 alles erleben können
Kanal und Stadt Leeuwarden in den Niederlanden

Mit vielen Kanälen und der Nähe zum Meer ist Leeuwarden besonders in den Sommermonaten einen Besuch wert

Das Volk im Norden der Niederlande gilt als stolz und ein wenig eigensinnig. Es lebt auf flachem Land quasi mit einem Bein im Wasser, zwischen Wattenmeer und der längsten Kette miteinander verbundener Seen in Europa. Sehr grün ist es dort, wenn nicht schwarz-weiß gefleckte Kühe für Kontraste sorgen. Auch das Provinzzentrum Leeuwarden mit seinen rund 100 000 Einwohnern bleibt übersichtlich: Brücken mit Blumengirlanden überspannen Grachten, bräunlich- rote Backsteinhäuser säumen enge Gassen, Cafés auf Straßen und Plätzen dienen als Wohnzimmer. Provinziell?

Keineswegs! Leeuwarden und die Provinz Fryslân präsentieren sich als Kulturhauptstadt weltoffen (www.2018.nl). Das Schlüsselwort lautet iepen mienskip: »offene Gemeinschaft«, die dazu auffordert, Träume zu verwirklichen. Zur Integration lerne ich in einem Schnellkurs Friesisch, neben Niederländisch die zweite Amtssprache der Provinz. »Goeie moarn« heißt »guten Morgen«, »Wat is der yn Ljouwert te besjen?« lautet die Frage, was in Leeuwarden zu besichtigen sei. »2018 sehr viel«, antwortet meine geduldige Lehrerin Renske im Kulturzentrum AFÛK, das neben Sprachkursen auch friesische Bücher anbietet (Bûterhoeke 3, www.afuk.frl). Im Kulturhauptstadtjahr wird rund um den Oldehoofsterkerkhof die Mehrsprachigkeit und Gleichberechtigung aller Sprachen gefeiert. Wo der Oldehove-Turm seit fast 500 Jahren stabil in Schieflage emporragt und Fontänen die Umrisse der im 18. Jahrhundert abgerissenen Sankt-Vitus-Kirche markieren, agieren dann mehr als 100 Künstler mit Lichtinstallationen und Performances. Und mit Ausstellungen zum Thema »Sprache ist alles und ohne Sprache alles nichts«, erklärt mir der Programmdirektor Siart Smit. »Du wirst dir vorkommen wie Alice im Wörterland.« (www.lanfantaal.frl/de)

Was Sie 2018 in Leeuwarden erleben können

Man kann sich aber auch wie Alice im Brunnenland fühlen. Am 18. Mai startet das Projekt 11 Fountains: Internationale Künstler errichten in elf Städten Frieslands einen Brunnen als Treffpunkt. Für Sneek hat der deutsche Bildhauer Stephan Balkenhol eine lebensgroße Holzfigur mit goldenem Füllhorn geschaffen, aus dem Wasser sprudelt. »Es ist spannend, wenn Künstler etwas von uns wahrnehmen, was wir nicht mehr sehen, weil wir daran
gewöhnt sind«, sagt die künstlerische Leiterin Anna Tilroe. Jedenfalls hat Sneek neben seinem berühmten Wassertor, dem letzten seiner Art, nun eine weitere Attraktion (www.11fountains.nl). Natürlich locken auch Großprojekte in die Kulturhauptstadt. Das Leben der legendären Margaretha Zelle alias Mata Hari, eine der berühmtesten Töchter Leeuwardens, wird im Fries Museum umfassend beleuchtet – nicht nur als Tänzerin oder Spionin, sondern auch als Mutter und emanzipierte Frau (Wilhelminaplein 92, www.friesmuseum.nl, bis 2.4.18). Von Ende April an folgt eine Ausstellung mit Werken von M. C. Escher, dem in Leeuwarden geborenen Künstler. Rund 80 Großsegler legen im Hafen von Harlingen zum Tall Ships Race an (www.thetallshipsracesharlingen2018.com, 3.–6.8.18). Riesenmarionetten des Straßentheaters Royal de Luxe stapfen dann durch die Stadt (16.–19.8.18).

Käseladen in Leeuwarden

Im Delikatessladen Zuivelhoeve stapeln sich die Käselaibe bis zur Decke

Die besten Restaurants und Cafés in Leeuwarden

In der hübschen Kerkstraat, schon zwei Mal zur »schönsten Geschäftsstrasse der Niederlande« gewählt, kann ich in Anton Klapwijks Delikatessladen Zuivelhoeve endlich meinen Friesenspruch anbringen: »Bûter, brea en griene tsiis, wa’t dat net sizze kin is gjin oprjochte Fries« – »Butter, Brot und grüner Käse, wer das nicht sagen kann, ist kein echter Friese«. Als Anerkennung bekomme ich einen Happen grünen, mit Kräutern durchsetzten Käse, dessen Laibe sich in dem verwinkelten Geschäft bis zur Decke stapeln (Kleine Kerkstraat 23, www.zuivelhoeve-leeuwarden.nl). Weil für ihn die Suche nach den besten Produkten niemals endet, hat Willem Schaafsma sein Restaurant Eindloos genannt: Aus lokalen Zutaten zaubert er Gerichte wie Friesisches Kalb mit Artischocken, Tomaten und Zucchini an einem Basilikum-Jus, serviert an einfachen Holztischen (Korfmakerstraat 17, www.restauranteindeloos.nl). In einem historischen Gebäude von Leeuwarden bietet Jeroen Meppelink im Restaurant Sems 20 kleinere Gerichte an, jedes zu einem Preis von 12,50 Euro, die man ganz nach Appetit kombinieren kann. So wie ich das zarte Schollenfilet auf Pasta und Algen mit den von den Knochen gelösten saftigen Short Ribs (Gouverneursplein 36, www.semsleeuwarden.nl).

Ausgewählte Unterkünfte in Leeuwarden

Zur »iepen mienskip«, der offenen Gemeinschaft, entwickelt sich auch das ehemalige Gefängnis – als Kultur- und Kreativzentrum Blokhuispoort (Blokhuisplein 40, www.blokhuispoort.frl). In den Zellentrakten werkeln kreative Firmen, Friseur Eddie kürzt in seiner Knipcel, der Schnittzelle, die Haare (www.eddiesknipcel.nl). Das Alibi Hostel bietet eine preiswerte und bequeme Unterkunft in renovierten und dezent möblierten Gefängniszellen an. Die Doppelzimmer aus zwei verbundenen Zellen trumpfen mit Boxspringbetten und privatem Bad auf – die Gitter blieben vor den Fenstern (Blokhuisplein 40, www.alibihostel.nl, Zweibettzelle ohne Bad ab 40 €, DZ mit Bad ab 60 €). Luxuriöser lässt sich im ehemaligen Postamt träumen: Aus der wie eine Kathedrale wirkenden Schalterhalle wurde das Grand Café des Postplaza Hotels mit eigener Kaffeerösterei, gemütlichen Sitzecken, einem langen Lesetisch. Und Amtsstuben verwandelten sich in komfortable Zimmer, in denen man statt Schäfchen die Zacken vergrößerter Briefmarken an den Wänden zählen kann (Tweebaksmarkt 27, www.postplaza.nl, DZ ab 80 €). PS: Natürlich kommt man auch gut mit Englisch und Deutsch durch die Kulturhauptstadt, zum Beispiel unter www.mooileeuwarden.nl/de.

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