Warum weit weg?

Wie sieht ein außergewöhnlicher Urlaub aus? „Möglichst weit weg“, lautet eine häufige Antwort darauf: Doch oft genug drängelt sich bereits auf dem Rückflug wieder der Stresspegel vor die vermeintliche Erholung. Warum also in die Ferne schweifen, wenn es noch so vieles vor der eigenen Haustür zu entdecken gibt?

Yoga & Wandern

Die Sächsische Schweiz hält viele Wanderwege bereit, die sich auf eigene Faust entdecken lassen. Es gibt aber auch geführte Wanderungen. Um letztere machen wir eigentlich gerne einen großen Bogen. Ich bestimme lieber selbst das Tempo, mache ungeplante Abstecher und halte, wann immer mir danach ist. Doch dann erfuhren wir von einem ungewöhnlichen Angebot, eine geführte Wanderung mit angeleiteten Yoga-Übungen zu verbinden. Ich bin interessiert, meine Freundin ist begeistert. 

Aktivurlaub vor der Haustür

Von Bad Schandau aus fahren wir eine kleine Strecke auf die andere Elbseite. Die Hatha-Yoga-Lehrerin Hella Riess führt unsere überschaubare Gruppe schließlich von dem Wanderparkplatz am Gohrischstein zunächst einen kleinen Abschnitt an der Alten Hauptstraße entlang, ehe wir in den Weinleitenweg einbiegen.

Vorbei am Papstdorf

Große Steine am linken Wegesrand sind erste Vorboten des Papststeins – unser Ziel der Wanderung. Rechts zeigt sich die idyllische Kirche des angrenzenden Papstdorfs der Gemeinde Gohrisch im morgendlichen Nebel. Obwohl die ersten Häuser in Sichtweite kommen, strahlt das Gebiet links der Elbe eine wohltuende Ruhe aus.

Wildgehege Kleinhennersdorf

Die Linse der Kamera beschlägt immer wieder und der Boden ist nass vom Morgentau. Das Wildgehege Kleinhennersdorf passieren wir unter neugierigen Blicken. Denn an unseren Wanderrucksäcken steckt nicht nur die obligatorische Wasserflasche, die ganze Gruppe hat auch bunt-leuchtende Isomatten im Gepäck.

Die Feueratmung

An einem markanten Baum legen wir unsere erste aktive Pause ein. Einfaches Yoga mit Blick auf die Schrammsteine am nebligen Horizont lockert die Muskulatur und Kapalabhati, eine wohlwollend als „Feueratmung“ umschriebene Übung, sorgt für einen klaren Kopf, befreit die Nebenhöhlen und regt die Durchblutung an.

Im Schlepptau bergauf

Kurz darauf geht es auf dem Königsteiner Stieg steil bergauf. Hoch über uns thronen die Baumwipfel und unter unseren Füßen wartet ein Paradies für Pilzsammler. Im Schlepptau erklimmen wir den Kleinhennersdorfer Stein, während unsere vierbeinigen Weggefährten auf einem der vielfältigen Felsvorsprünge neben dem sogenannten Höllenweg bereits ungeduldig warten.

1200 Wanderwege

Zugegeben: Bis vor wenigen Jahren, wusste ich nicht einmal, dass der Osten Deutschlands eine solche Naturschönheit bereithält. Die Sächsische Schweiz gilt mittlerweile als ein beliebtes Reiseziel für Wanderbegeisterte aus der ganzen Welt. Auf den rund 1200 Kilometern markierten Wanderwegen warten mystische Wälder, kühle Schluchten und unzählige Panoramaaussichten auf einen Aktivurlaub.

Das Reich der Steine

Auf einem großen Felsplateau angekommen, wird klar, warum das Gebiet auch als Reich der Steine umschrieben wird. Wir breiten unsere Matten ein zweites Mal aus und genießen die Aussicht, ehe wir nach einem kurzen aber lohnenswerten Abstecher in die Kleinhennersdorfer Höhlen auf den Malerweg abbiegen. 

Auf den malerischen Papststein

Den Malerweg meistern erfahrene Wanderer in acht Tagesetappen. Die sechste Etappe führt dabei von Schmilka bis zum Kurort Gohrisch und auf steilen Stufen über den Papststein. Vorbei an den typischen Felsformationen, geht es auf knapp 450 Meter bergauf.

Yoga & Klettern

Weit über 1000 freistehende Kletterfelsen warten in der Sächsischen Schweiz darauf, von besonders Abenteuerlustigen erklommen zu werden – einige entdecken wir auf dem Weg nach oben. Und auch diese Herausforderung lässt sich – sofern das Wetter mitspielt – mit den Aufwärm- und Dehnungsübungen des Yogas in einer geführten Tour verbinden. 

Der Gipfel

Der Ausblick belohnt schließlich für den Aufstieg. Zu unserer Überraschung hat es sogar eine Bergwirtschaft auf den Gipfel geschafft. Ein Unikum: Das Essen wird über einen fast schon historischen Fahrstuhl zum Gipfel befördert. Auf dem Rückweg ins urige Bad Schandau merken wir, dass wir einen aktiven Tag hinter uns gebracht und den Alltagsstress völlig vergessen haben. Abends fallen wir dann tiefenentspannt ins Bett. Das ist Urlaub!

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