Innovative Projekte in Südtirol Menschen, die in Südtirol Neues wagen

Tradition ist das eine in Südtirol, das andere: Die Menschen hier beflügelt ein unstillbarer Geist, Grenzen zu überwinden
Neuer Wein von Marienberg

Hilde Van den Dries musste zupacken – und freut sich jetzt auf die ersten Weine

Hilde Van den dries: Neuer Wein vom Marienberg – dank mutiger Pionierarbeit

Ihr Blick und Händedruck sind so fest und klar, dass man sicher sein kann: Hilde Van den dries wird das schaffen! Auch wenn ihr Projekt verwegen erscheint: Sie will oben im Vinschgau, wo König Apfel regiert, Wein ernten – und zwar am Hang von Kloster Marienberg, der höchstlegenen Benediktinerabtei Europas auf 1350 Metern. Möglich wird dies durch den Klimawandel, der der Weinrebe immer neue Höhen erschließt.

Hilde, Tochter belgischer Eltern, die 1965 als Gäste nach Südtirol kamen und als Winzer blieben, entschied sich 2011, in den Weinbau einzusteigen. Die studierte Germanistin tut seither mit Leidenschaft, „was mein Herz mir sagt“.

Es ist mutige Pionierarbeit. Am Südhang der Abtei stehen heute gut 6000 Reben, auf 2,3 Hektar neu angelegter Terrassen, bestockt mit pilzresistenten Weißweinsorten (etwa Solaris, Souvignier gris) und einem Roten (Cabernet Cortis). Die Terrassen anzulegen, war harte Handarbeit: „Wir haben die ersten acht Reihen für die Reben zum Teil mit dem Pickel aus dem Fels gehauen“, erzählt Hilde Van den dries.

Am Osthang wurden diverse Wildbeerenarten gepflanzt. Um das Unkraut in diesem Bio-Paradies kurz zu halten, hat Hilde Van den dries Ouessantschafe aus der Bretagne bestellt. Auf die klösterlichen Tropfen, die hier mit so viel Herzblut gewonnen und im Weinhof Calvenschlössl gekeltert werden, darf man gespannt sein. Im Jahr 2017 werden die ersten Weine auf den Markt kommen. Das freut auch den Bendiktinerabt Markus Spanier: Er hofft, dass künftig sein Messwein direkt vom Hang unter dem Kloster kommt.

Mehr dazu: www.calvenschloessl.eu

Lokal verwurzelt, international vernetzt: der Schmuckdesigner Konrad Laimer

Lokal verwurzelt, international vernetzt: der Schmuckdesigner Konrad Laimer

Konrad Laimer: Leidenschaft für Bernstein

Das Atelier des Schmuckkünstlers Konrad Laimer in Naturns zu betreten, führt mitten ins Herz Südtirols. Poetisch verdichtet und filigran gestaltet, finden sich hier Motive und Materialien aus seiner Lebenswelt.

Apfelgehäuse und Baumscheiben – in Wachs gegossen, dann vergoldet – dienen Laimer als Grundlage für Broschen und Halsschmuck. Laimer verarbeitet Prettauer Kupfer und Bergkristall, integriert die Ranken und die Rinde des Rebstocks in seine Schmuckstücke. Aus Gamshorn gestaltet er Armreifen und Halsketten, aus Kugeln geschliffenen Laaser Marmors seine Schneeball-Edition: Ringe, Reifen, Broschen, Colliers.

Und bei ihm werden selbst Vinschgauer Obstkisten und die bekannten „Speckbrettl“ zu Kunstobjekten. „Es inspiriert mich immer wieder, Kunst und Handwerk zusammenzuführen“, erklärt er.

Genauso intensiv schaut Konrad Laimer auch über die Grenzen Südtirols hinaus: Sein Projekt „Claudia Augusta“ vernetzt seit Jahren Schmuckdesigner aus Südtirol, Venedig und Kaliningrad – auf der Spur des Bernsteins, der ihn seit je fasziniert.

Mehr dazu: www.konradlaimer.it

Die besten Tropfen lagern in Flaschen im ehemaligen Bergwerk

Die besten Tropfen lagern in Flaschen im ehemaligen Bergwerk

Julia und Karoline Walch: Im Silberstollen reift der Wein zum Edeltropfen

Auf diese Idee muss man kommen: Weinflaschen in einem stillgelegten Bergwerk zu lagern! Das tun Julia und Karoline Walch, die Töchter – und seit 2013 Juniorchefinnen – des Traminer Weinguts Elena Walch.

„Unser Opa hat oft gesagt, dass man Wein auf der Seiser Alm besonders gut lagern kann“, erzählt Julia Walch vergnügt, „und so haben wir einen Ort gesucht, der genauso hoch liegt: auf rund 2000 Metern.“

Ansonsten sind die sonnenverwöhnte Hochalm und der Stollen im Ridnauntal wie Tag und Nacht: Tief im aufgelassenen ehemaligen Silberbergwerk herrschen konstant sieben Grad Celsius und 95 Prozent Luft- feuchtigkeit, niedriger Luftdruck und magische Dunkelheit. „Ideal für Weißwein“, sagt Karoline, die in Australien Kellertechnik studiert hat. „Er bleibt jung und wird dabei noch filigraner, komplexer, delikater.

“Dazu kommt, dass man die Flaschen jedes Jahr erst ab Mai – nach der Schneeschmelze! – wieder aus dem Berg holen kann. Eine Reifung in diesem Jungbrunnen gönnen die findigenWinzerinnen daher nur ihren feinsten Tropfen: der Cuvée „Beyond the Clouds“ und dem Gewürztraminer„Kastelaz“.

Nur jährlich „500 Flaschen fürWeinenthusiasten“ wollen sie zunächst auf den Markt bringen – „versilbert“ mit dem Prädikat „Argentum bonum“. 

Mehr dazu: www.elenawalch.com

Edles Fahrwerk: Oberhollenzer kurvt auf einem LEAOS-Rad durch Bozen

Edles Fahrwerk: Oberhollenzer kurvt auf einem LEAOS-Rad durch Bozen

Armin Oberhollenzer: Fahrräder aus der Designschmiede der Formel 3

Marketing hat er studiert, zum Macher ist Armin Oberhollenzer geworden. „Etwas Schönes und zum Anfassen“ sollte es sein. Etwas Wertiges, mit Potenzial: ein E-Bike. Aber echt eigen: aus Kohlenstoff.

Also suchte sich der Querdenker aus dem Pustertal, der heute mit seiner Familie in Bozen lebt, einen Designer und zwei Ingenieure in Venedig, die normalerweise Formel-3-Autos bauen. Dort wird seither zuerst der Rahmen „sozusagen im Ofen gebacken“.

Dann wird in Bozen der Flitzer mit einem 250- oder 500-Watt-Motorendmontiert. Alles Einzelanfertigung, alles Handarbeit – was den Preis in Kleinwagendimensionen heben kann. „Mein Markt ist ganz Europa“, sagt Oberhollenzer: 300 bis 400 Stück pro Jahr will er künftig „an coole urbane Kunden“ verkaufen.

Sogar beim „Red Dot Design Award“ heimste das Gefährt 2015 einen der begehrten Preise ein – für die „Symbiose zwischen Technik, Funktionaliät und Design“.

Merh dazu: www.leaos.com

Der Zuckerbäcker und die Floristin: Andreas Acherer und Barbara Strondl

Der Zuckerbäcker und die Floristin: Andreas Acherer und Barbara Strondl

Andreas Acherer: Pralinen, wie auf Rosen gebettet

Was macht ein junger Bursche in einem Südtiroler Städtchen, der Konditor werden will? Er geht hinaus in die Welt. Wien, Köln, Salzburg; Andreas Acherer saugt all die süße Kunst auf, lernt eine österreichische Floristin kennen und lieben.

Und wagt sich zurück in die Heimat, mit einer unkonventionellen Idee: „Patisserie.Blumen“ nennt das Paar sein Geschäft, architektonisch kühn inszeniert, mit 18 Meter langer Theke im Parterre eines mittelalterlichen Hauses in der Stadtgasse von Bruneck.

Verwöhnte Connaisseurs haben Acherers Macarons und Pralinen – mitunter kunstvoll mit Blütenblättern verziert – längst auf ihrer Liste. Geliefert wird in einem Radius zwischen Mailand und Wien, der Erfolg reicht noch darüber hinaus – eine der besten Konditoreien Italiens, Mitglied bei „Relais Desserts“, dem Club der weltbesten Patissiers.

Das Rezept dafür klingt einfach: nur beste Zutaten, Früchte stets frisch, beste Schokolade aus Südamerika. Und alles Handarbeit.

Merh dazu: www.acherer.com

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