Schweden Lappland für Outdoor-Aktivisten

Mit Huskys durch verschneite Wälder schlittern, mit dem Schneemobil auf Touren kommen, im Eis angeln oder mit dem Eisbrecher in See stechen: Lappland ist eine winterliche Spielwiese für Outdoor-Fans
Lappland für Outdoor-Aktivisten

In den endlosen Weiten Lapplands lässt sich die Winterlandschaft auf viele Arten entdecken

Hundeschlittenfahrt

Die Jungs verhalten sich wie echte Machos: Sie bellen in die Nacht, posen im Schnee, knurren sich an. Nur Lo, die Chefin, behält einen kühlen Kopf. Ohne zu zappeln lässt sich die Leithündin das Zuggeschirr überstülpen und wartet geduldig, bis Birgitta Sandin auch die anderen elf Huskys angeleint hat. Dann dürfen die Gäste Platz nehmen. Die Hundeführerin wird uns bei Arvidsjaur im Schlitten durch die winterliche Landschaft Lapplands nahe dem Polarkreis fahren. Sie bleibt auf zwei verlängerten Kufen hinter uns stehen, gibt den Hunden ein Zeichen, und plötzlich herrscht Stille. Die Tiere haben nur noch ein Ziel: vorwärts. Im Schein von Birgittas Kopflampe sehe ich die unberührte Schneedecke vor mir. Den warmen Atem der Tiere, der wie kleine Nebelschwaden in der Dunkelheit verschwindet. Kiefern, die wie Schatten emporragen. Schweigend genieße ich den Anblick der Glitzersterne, die schon um vier Uhr nachmittags am Himmel stehen, und fühle mich wie im Reich der Eiskönigin. Das Abenteuer hat, wie auch die folgenden, skandinavische Preise, ist also recht teuer. Dafür sind es aber einmalige Erlebnisse. Nymånen Huskysafari, www.nymanen.com, 2-Std.-Tour ca. 135 Euro.

Eisangeln

Am nächsten Vormittag erwartet mich der Naturführer Krister Ruth auf einem zugefrorenen See südöstlich von Arvidsjaur. Der hochgewachsene Mann mit dem mitreißenden Lachen ist überzeugt, dass ich mein Mittagessen selbst fangen kann. Er hat ein Loch in die rund ein Meter dicke Eisdecke gebohrt, mir einen Schemel hingestellt und eine Angel gereicht. Ich angle und warte. Warte und angle. Und schaue mir die Natur bei Tageslicht an, das die Nordschweden im Winter nur für wenige Stunden beglückt. Dafür ist sein Erscheinen umso spektakulärer. Rosa Strahlen betasten die Wipfel der Kiefern und Birken. Eiszapfen funkeln, und die Schneedecke glitzert so hell und silbrig, dass ich die Augen zusammenkneifen muss. Könnte ich das Gleiche doch mit dem Magen tun! Denn die Fische ignorieren mich. Zum Glück hat Krister vorgesorgt und brät Frikadellen und Kartoffeln über dem offenen Feuer. Das schmeckt fast genauso gut wie selbstgefangener Fisch. Abborrträsk Natursafari, www.natursafari.se, 5-Std.-Tour inkl. Verpflegung etwa 161 Euro.

Schneemobil-Tour

Nachdem ich mich schon beim Angeln als talentlose Anfängerin entpuppt habe, will ich mich nun professioneller geben. Aber Thorbjörn Holmlund, den ich in Boliden treffe, mustert mich skeptisch. "Schon mal Schneemobil gefahren?", fragt er. Ich schüttle den Kopf. "Motorrad?" Ich muss erneut verneinen und blicke auf das schnittige Gefährt, rund 2,80 Meter lang, mit Kufen und Ketten, die auch über unbefestigte Pisten sausen können. "Macht nichts", sagt Thorbjörn und reibt sich etwas Raureif aus dem Bart. "Ist kinderleicht." Die wenigen Handgriffe sind schnell gelernt: Links am Lenker sitzt die Bremse, rechts ein Gashebel. Grüner Knopf: Licht. Gelber Knopf: Rückwärtsgang. "Noch Fragen?", will Thorbjörn wissen, dann braust er davon. Ich gebe vorsichtig Gas. Erst holpert mein Gefährt noch ein wenig, aber rasch läuft es flüssiger.Selbst wenn ich runterfallen sollte, versuche ich mich zu beruhigen – die Schneedecke sieht weich aus, Angoraleibchen plus Thermoanzug, das unvorteil- hafte Gegenstück zu Shapewear, würden Stürze abfedern und schützen zudem gegen die minus 18 Grad plus Fahrtwind. Ich komme mir wie Sebastian Vettel vor, bis ein Blick auf den Tacho die Wahrheit anzeigt: 35 Stundenkilometer. Ich bin eine Schneeschnecke. Svansele Vildmarkscenter, www.svansele.se.

Sámi-Zentrum

Tags darauf meldet sich mein schlechtes Gewissen. Habe ich bei der gestrigen Rallye etwa mit Lärm und Gestank Waldtiere verschreckt? "Ach was", meint Lotta Svensson, eine fröhliche Frau mit kurzem Haar. "Wenn du nicht direkt auf eine Herde Rentiere zusteuerst, stört das die Tiere nicht. Wir benutzen beim Rentiertrieb selbst Schneemobile." Lotta betreibt das Sámi-Zentrum in BÅTSUOJ, rund eine Autostunde westlich von Arvidsjaur. Die Samen oder Lappen, erklärt Lotta und tätschelt die Nase eines gescheckten Rens, betreiben ja traditionell Rentierzucht. Dann stapft sie durch den Schnee und zeigt mir ein paar runde Häuschen, deren Dächer fast bis zum Boden reichen. Es sind Koten, Sámihäuser. Mit einem Ruck öffnet Lotta eine Tür und bittet mich hinein. In der Mitte des fensterlosen Raums fackelt ein Feuer, ringsum liegen Rentierfelle. Wasserdampf steigt aus einem verrußten Kessel, der auf einem Rost im Feuer steht. Im Sommer können Gäste auch über Nacht bleiben. Jetzt ist es dafür zu kalt. Mich wärmt heißer Kaffee, den Lotta am Feuer aufbrüht. Båtsuoj Samecenter, www.batsuoj.se, 1,5-Std.-Führung ca. 35 Euro.

Eisbrecher-Safari

Auf mich wartet Kenneth Hermansson, Kapitän des Eisbrechers "Arctic Explorer". Kenneth, ein drahtiger Mann mit roten Wangen, fährt seit mehr als 40 Jahren zur See. Er sorgt dafür, dass Handelsschiffe freie Fahrt durch das bis zu 60 Zentimeter dicke Eis haben. Wir verlassen den Hafen von Piteå, rund 125 Kilometer östlich von Arvidsjaur, und stoßen durch das Eis des Bottnischen Meerbusens, jenes nördlichen Ausläufers der Ostsee zwischen Schweden und Finnland. "In milden Jahren", sagt Kenneth und meint damit Tagestemperaturen von minus zehn Grad, "bleibt unsere Fahrrinne manchmal einen ganzen Tag offen." In harten Wintern dagegen, wenn das Thermometer auf minus 40 Grad fällt, dauert es weniger als eine halbe Stunde, bis sich die Eisdecke wieder schließt. Ich gehe an Deck und genieße die Aussicht. Knirschend schiebt sich das Boot durch das Eis. Es ist sonnig, mir ist in meiner Schneekluft geradezu warm. Minus zehn Grad. Ein milder Wintertag in Lappland. Pite Havsbad, Tel. 0046-91 13 27 20, www.pite-havsbad.se, samstags offene 2-Std.-Touren; ca. 55 Euro.

Informationen zu Reisen in Lappland

Anreise

Flycar fliegt direkt von Stuttgart, Hannover, München, Frankfurt/Hahn nach Arvidsjaur. www.fly-car.de

Schlafen

Das Hotel Laponia in Arvidsjaur bietet bequeme Betten, ein gutes Restaurant und das, was die meisten Touristen nicht besitzen: die perfekte Ausrüstung für die Kälte – Schneeanzüge und -stiefel, Handschuhe und Schneemobilhelm kosten für einen Tag ca. 22 Euro. Tel. 0046-960-5 55 00, www.hotell-laponia.se

Vor einigen Jahren wurde das Stads Hotell in Skellefteå renoviert und erweitert. Unter der Woche sind die Zimmer wesentlich teurer als am Wochenende. Tel. 0046-910-71 10 60, www.skellefteastadshotell.se

Veranstalter

Outdoor-Abenteuer organisiert Rucksack Reisen in Idre. Das Wintercamp in Mittelschweden, leichter erreichbar und deutlich erschwinglicher als Lappland, ist ideal für "Nordische Kombinationen": Ski- und Schneeschuhwanderungen (je zwei pro Woche im Programm), buchbare Extras wie Huskytouren, Schneemobil, Eisangeln usw. Mitte Dez. bis Anfang April jeden Freitag per Bus ab Hamburg. Zu bestimmten Terminen Schnee-schuhwochen (ab 859 €), Hüttenwandern (ab 829 €), Huskywochen (ab 1699 €), Outdoor-Kurse (829 €). www.rucksack-reisen.de

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