Reisetipps Köln: Rhein ins Vergnügnen

Auch jenseits von Alaaf liebt die Rheinkönigin den großen Auftritt. 26 Tipps für ein Entdeckerwochenende zu jeder Jahreszeit
Köln: Rhein ins Vergnügnen

Chill-Out-Zone Rheinufer: Im Sommer ist hier immer etwas los

Am Rhein wird der "Tatort" zum Bratort: Ist der Täter geschnappt, gibt’s hier für die ARD-Kommissare Schenk und Ballauf oft Currywurst. Und fürs Publikum eine Postkartenansicht der Stadt, beginnend mit der Hohenzollern-Brücke (1): Wie drei riesige Kleiderbügel überspannt sie den Strom von der "Schäl Sick", nach Ansicht der Kölner die schlechte, industriell geprägte rechte Uferseite, zur linken mit Dom und Altstadt. Doch die kurze Zielfahndung von der 360-Grad-Aussichtsplattform des 103 Meter hohen Büroturms Kölntriangle (2) beweist: Das Wurst-Mobil steht wohl nur während der Dreharbeiten dekorativ herum. Dafür zeigt sich Kölns Panorama in Höchstform: bunte Altstadt-Spitzgiebelhäuschen am Rheinufer und die grauen Turm-Mützen von zwölf romanischen Kirchen dahinter – steinerne Urahnen der mehr als 2000-jährigen Stadtgeschichte. Sie markieren die zentralen "Veedel", die Viertel innerhalb des einstigen Stadtgrabens.

Mittendrin

Erster Eindruck am Dom (3) (Domkloster 4, www.koelner-dom.de): Gotik meets Platte. Das düstere Kirchen- Mittelgebirge thront inmitten der fußballplatzgroßen, grauen Bodenversiegelung namens Domplatte – nebst Siebzigerjahre-Museumsklotz auf Stein-Stelzen. Nur zu gern zoomt mein Auge auf antike Säulenreste und die Altrömische Hafenstrasse (4), Kölns einzige freigelegte Gasse der Stadtgründer mit grobem Basaltpflaster und Erklärtafeln.

Zurück im Weitwinkel-Modus, fällt der Blick oft auf schmuddelige Fliesenfassaden, rostige Balkone und Straßen in Betongräben, Relikte des autogerecht geplanten 20 Wiederaufbaus nach 90-prozentiger Kriegszerstörung. Ein Reizwort dazu reicht, schon lernen wir die Kölner und ihre Seele kennen: "Schön?

Näää, dat is de Zitty nit", geben sie zu. Um sogleich zu kontern, mit einem Zitat der Dialekt-Schunkler "Bläck Föss": "Aber mir sin die Weltmeister vom Rhing (Rhein) / wä uns nit kennt, hätt de Welt nit jesinn!" Etwas selbstbesoffen, gerne lavierend, meist forsch und fröhlich - kaum eine andere Stadt zeigt ihre Lebensart an so vielen Ecken im Zentrum: Die Holzfigur "Platzjabbek" streckt zur vollen Stunde im Rathausturm (5) die Zunge heraus, sein blechernes Gegenüber "Kallendresser" zeigt Bürgern und Stadtoberen den nackten Hintern (Alter Markt).

Tünnes und Schäl (6) - der bauernschlaue Zuzügler und der schlitzohrige Stadtkölner – belauern einander als Kupfer-Denkmal um die Ecke (Brigittengässchen). Wer es wagt, in den umliegenden Brauhäusern statt eines Kölschs ein Mineralwasser zu bestellen, hört vom schnoddrig-schnauzbärtigen Köbes (Kellner) nur: "Mit Seife und Handtuch?"

Drumherum

Abseits der City lohnen sich die Südstadt (7), einst rebellisch-alternatives Böll- und BAP-Quartier, heute sanierte Stuck-Altbau-Idylle, und Eigelstein, schmale Handwerkergassen, Döner-Läden, Ex-Rotlichtmeile – zwei "Veedel" mit eigenem Sound. Auch weil Philipp Oebel hier zur "Stroßesänger-Sonndachstour" lädt (www.philipp-oebel.de). Der 52-Jährige klampft und erklärt Karnvealsklassiker zum­ Mitsingen­ - und "Et ­Kölsche­ Jrundjesetz":­ "Et ­es ­wie­ et ­es",­ "wat ­wells ­de­­ maache" und "et­ hätt ­noch ­immer ­jot­ jejange" - drei­ von­­ elf­ Mantras­ vollrheinischer­ Genügsamkeit. Noch­ so­ ein­ Wesenszug ­dieser ­Stadt. ­

Und ­wo­ zeigt­ sie­ Aufbruch,­ Wagemut?­­ Projekte ­mit­ Wow-Effekt?­ Am­ wiederbelebten ­Rheinauhafen (www.rheinauhafen-koeln.de).­ Einst­ kilometerlanger­ Kai­ für ­Stückgut und­ Getreidefrachter, ­heute­ Flaniermeile­­ mit ­Edel-Läden,­ Cafés­ und ­senfgelbem­ Siebengebirge (8),­dem ­wegen ­seiner­­ vielen­ Spitzen­ so­genannten,­ prächtig ­renoviert­en­ Lager­haus Komplex­ von­ 1909.­ Drei Kranhäuser (9):­ Die ­Hafenkränen­ nachempfundenen ­Büro-­und­ Wohntürme­ sind ­kühner­ und­ kühler­ Blickfang.­

Das­ Deutsche Sport- und Olympiamuseum (10), Parcours­ vor ­allem­ nationaler­ Medaillen-Helden­ von­ 1896­ bis­ heute,­ animiert­ auch­ zu­ Selbstversuchen ­als­ Gewichth­eber­ der­ Radrennfahrer ­(Im Zollhafen 1, www.sportmuseum.de).­

An­­ der­ Südspitze­ des­ Rheinauhafens­ dann ­eine­ Überraschung:­­ die­ Wurstbraterei (11) ­aus­ dem­ "Tatort". ­Hier an­ seinem­ Stammplatz,­ serviert­ Wirt­ Ralf­ Jäger ­gern ­den­ "Zuchthaus­teller" (Frik­adelle ­mit­ Kartoffelsalat),­ klönt über­ die ­kulinarischen Vor­lieben­ der­ Krimistars­ und über ­spannende­ Drehs,­ für die­ er­ seinen­ 60­ Jahre­ alten ­Imbissb­uden-Oldie ­stets­ auf­ die­ andere­ Rheinseite kutschiert.

Einkaufen­

Raus aus der City,­ rein ­ins­ Belgische­ Viertel!­ Statt ­08/15-Ladenketten ­lieber­ Straßenketten ­mit­ gut­ 50­originellen­ Läden­ im ­quirligen­ Szene-Quarree ­durchs­treifen.­ Bei­ Franta (12) ­ist ­alles ­original­retro:­ Jukeboxen,­ Vespas­ und­ das­ von ­einer­ Hauswand ­stammende­ vergoldete­ 4711-Logo­ (Nr. 18, www.franta.de).­

Hack (13) fertigt­ exquisite­ Lederjacken,­-taschen ­und ­-gürtel­ (Nr. 22, www.lederware.de).­ Frau Kayser (14) ­hat­ selbstklebende ­Nofall-Schnurrbärte, ­Karotten-­Anspitzer ­und ­andere­ schräge­ Mitbringsel­ (Nr. 40, www.boutique-fraukayser.de).­ Brüsseler­ Straße:­ Mode­ junger­ Designer­in­ Bonbon-­und ­Blumen-Design ­oder­ klassisch-schwarz­ im­ Magasin 2­ (15) ­(Nr. 48, www.magasindeux.tumblr.com).­

Exotische­ Ketten,­ oft­­ Einzelstücke,­ kreiert­ Contasbrasil (16,) (Nr. 58, www.contasbrasil.de).­ Antwerpener­ Straße:­ Schellack-Schätze,­ Vinyl-LPs­ und ­eine­ Schallplatten-Waschmaschine­ bietet­ Nunk Music (17) ­ (Nr. 16, www.nunkmusic.de).­ Aktuelle ­Pop-Art­ von­ Banksy­ bis ­Walker ­zeigt­ die­ 30Works Galerie (18) ­(Nr. 42, www.30works.de).

Essen & Trinken

Klein und fein:­ das ­französisch­ angehauchte­ Amabile (19) ­–­ vom­ Gruß­ aus ­der­ Küche (Champagner-­ Trüffel-Eis)­ über ­Lamm ­an­ Rhabarber-Schalotten-Chutney­ bis­ zum ­1-a-Service­ (Görresstr. 2, Tel. 0221-21 91 01, www.restaurant-amabile.de).­

Besten­ Dom-Blick, ­gute­ Querbeet-Karte ­plus­ ­B­each-Club ­bieten ­die­ Rheinterrassen (20) auf ­der ­"Schäl­ Sick" (Rheinparkweg 1, Tel. 0221-65004321, www.rhein-terrassen.de).­­

Törtchen Törtchen (21) nennt ­diese "Ein­ Traum" (Himbeeren­­ in ­Limettenmousse­ auf­Cheesecake)­ oder­ "Delhi" ­(Mango­­ mit ­Kokos-Currycreme) ­und­­ serviert ­im ­Innenhof.­ Ein­ Genuss!­ (Apostelnstr. 19, www.toertchentoertchen.de).­

Köln hat ­die ­höchste­ Kneipendichte ­deutscher­ Großstädte­ und ­eine ­der ­besten ­Bars:­ Das­ Spirits (22) mixt­ nur­ frische ­Säfte ­in­ seine­ Cocktails ­(Engelbertstr. 63, www.spiritsbar.de).­ "Milljöh"-Typen­ hocken ­am ­Tresen­­ von­ Klein Köln (23) ­bei­ Willy,­ der­ den­ Kickertisch ­wegschiebt,­ wenn ­Heiner ­Lauterbach ­tanzt

(Friesenstr. 53, www.klein-koeln.com).­

Schlafen

Das­ Hotel Chelsea (24) ­­im­ Belgischen­ Viertel­­ hat Zimmer mit zwei Ebenen und eigener Mini-Dachterrasse. Üppiges Frühstück im Bistro. Jülischer Str.1, DZ ab 85 €, www.hotel-chelsea.de

Von der nahen Domglocke geweckt, blickt man im Hotel Cristall in stylisches Design mit Kurzhaar-Flokati und Anthrazit-Bad. Ursulaplatz 9-11, DZ/ F ab 85 €.

Quasi ein "Fluss-Bett" bietet das art'otel (26) - in Erkern, die am Rhein übers Wassser ragen. Die "Kunst im Bau" schuf die Südkoreanerin SEO: großformatige, quietschbunte Reispapier-Bilder. Holzmarkt 4, DZ/F ab 159 €, www.artotels.com

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