Interview mit flyt.club Sharing Economy über den Wolken

Peter Nürnberger und Kim Becker haben eine neue Mitflugplattform für Europa entworfen. Auf flyt.club bieten die beiden Studenten freie Plätze in privaten Kleinflugzeugen an - und das spart nicht nur Kerosin
Sharing Economy über den Wolken

Der Weg ist das Ziel - so das Ideal vieler Privatpiloten, die ihre Erlebnisse gern mit Mitfliegern teilen

Ins eigene Geburtsjahr zurückversetzt fühlten sich Peter Nürnberger und Kim Becker, beide 26 Jahre jung, als sie sich mit den Mitflugportalen im Netz beschäftigten. Die beiden Design-Studenten entschieden kurzerhand: Das können wir besser – und vor allem schöner.

Flyt.club war zuerst nur ihr Bachelor-Projekt, doch seit dem 1. Juli 2015 ist das Portal nun live und vereint Privatpiloten von Kleinflugzeugen mit reisewilligen Mitfliegern. Die ersten Flüge sind bereits wieder am Boden - mit glücklichen Piloten und Mitfliegern. Peter Nürnberger erklärt, was sie anders machen als andere Portale.

GEO.de: Wie seid Ihr auf die Idee gekommen flyt.club zu gründen?

Peter Nürnberger: Auf die Idee gekommen ist eigentlich Kim. Er hat damals nach einem Thema für seine Bachelorarbeit gesucht und zufällig einen Artikel über die Mitflugbörse eddh.de gelesen. Als er sich die Webseite dann angeschaut hat, hat er schnell bemerkt, dass vor allem das Layout nicht mehr dem heutigen Standard entspricht. Zudem richtet sich die Seite eher an Privatpiloten als an potenzielle Mitflieger. Kim hat mich dann gefragt, ob ich Interesse daran hätte, die Erarbeitung einer Mitflugzentrale für den Endverbraucher als gemeinsames Bachelor-Projekt umzusetzen. So ist flyt.club entstanden.

GEO.de: Was unterscheidet Euch von anderen Anbietern?

Peter Nürnberger: Wir wollten eine Flugvermittlungsplattform entwerfen, die Freizeitpiloten anspricht, aber auch für Laien verständlich ist. Die anderen Anbieter fokussieren sich oftmals nur auf die Piloten selbst. Unsere Zielgruppe sind die potenziellen Mitflieger. flyt.club soll für jeden Internetuser intuitiv verständlich sein. Da wir Design studiert haben, liegt bei uns ein Schwerpunkt auf dem Erscheinungsbild der Seite und der User Experience. Wir haben zum Beispiel Karten integriert, auf denen die Flugroute angezeigt wird. Bei so einem Flug ist der Weg oftmals das Ziel und wir wollten, dass die User gleich erkennen können, dass sie beispielsweise über den Harz oder entlang der Elbe fliegen. Zudem sind wir einfach mal mitgeflogen, um zu schauen, ob und welche Dinge es gibt, die man anders machen kann. Da ist uns zum Beispiel die Zahlungsmethodik aufgefallen. Bei den anderen Portalen ist es so, dass der Mitflieger vorab einen Betrag X an den Piloten überweist, den er im Zweifel gar nicht kennt. Er muss dann darauf vertrauen, dass der Flug entsprechend stattfindet - eine etwas unbehagliche Situation. Wir hingegen speichern das Geld zwischen und erst, nachdem der Flug stattgefunden hat, wird der Endbetrag an den Piloten überwiesen.

Sharing Economy über den Wolken

Kim Becker und Peter Nürnberger sind nach ihrem Design-Studium in Trier gemeinsam nach Leipzig gezogen, um an ihrem Projekt flyt.club zu arbeiten

GEO.de: Ihr sind nun seit etwas über einem Monat offiziell am Markt. Kannst Du kurz einschätzen, wie viele Flüge bereits stattgefunden haben und wie das Produkt angenommen wird?

Peter Nürnberger: Wir sind sehr zufrieden, das Produkt wird gut angenommen. Wir haben einige registrierte Piloten und knapp über 50 angebotene Flüge, die in diesem Jahr noch stattfinden werden. Mit viel mehr haben wir eigentlich auch nicht gerechnet. So eine Plattform muss erst mal anlaufen und sich etablieren. Bisher haben wir von allen Seiten nur positives Feedback bekommen. Das macht natürlich Lust, weiter an so einem Projekt zu arbeiten.

GEO.de: Was ist das Geschäftsmodell dahinter?

Peter Nürnberger: Wir nehmen ganz schlicht Provision. Für alles andere ist es dann doch ein Nischenthema. Auf den Flugpreis schlagen wir eine Provision von zehn Prozent - zu zahlen vom Mitflieger. Aber natürlich nur, wenn der Flug auch wie geplant stattgefunden hat.

GEO.de: Und der Pilot?

Peter Nürnberger: Der verdient nicht. Aber das hat folgenden Grund: Es handelt sich um Privatpiloten und um nichtkommerzielle Flüge. Indem sie Mitflieger mitnehmen, können sich die Piloten allerdings ihr Hobby ein wenig refinanzieren. Wenn die Piloten einen Flug einstellen, geben sie den Preis an, den sie gern pro Mitflieger haben möchten, allerdings achten wir darauf, dass der Preis für die Strecke angemessen ist und der Pilot auch seinen Teil bezahlt. Nach dem Flug listet der Pilot die eigentlichen Kosten auf, also Chartergebühr, Kerosin und so weiter. Erst dann geben wir das Geld der Mitflieger frei.

GEO.de: Die schönste Route, die flyt.club bisher im Angebot hatte?

Peter Nürnberger: Das ist für mich völlig klar, die Schottland-Reise. Da bin ich tatsächlich neidisch auf jeden, der dort mitfliegen wird. Der Pilot bietet ein ganzes Wochenende Schottland an, inklusive Whiskey-Verkostung. Der einzelne Sitz ist bei so einem Flug natürlich etwas teurer, aber dafür ist es dann auch eine richtige Reise.

GEO.de: Was kostet ein Flug bei Euch im Schnitt?

Peter Nürnberger: Das ist ganz unterschiedlich. Der genannte Flug nach Schottland geht mit 680 Euro pro Sitz natürlich ins Geld, ist dafür aber eben auch ein ganz besonderer Trip. Es gibt aber auch Rundflüge über die Alpen oder das Sauerland, die dann nur 40 Euro pro Mitflieger kosten.

GEO.de: Was macht für Dich das Fliegen mit Privatmaschinen aus?

Peter Nürnberger: Das Besondere ist, dass man die Welt, die man zu kennen glaubt, noch mal aus einem ganz anderen Blickwinkel präsentiert bekommt. Zudem hat es für mich schon einen Reiz, zum Beispiel einfach mal zum Frühstück nach Salzburg fliegen zu können. Klar, das macht man nicht alle Tage, aber über flyt.club sind solche Tagesausflüge machbar und auch bezahlbar.

flyt.club

Ob Rundflug, Last-Minute oder One-Way über die Alpen, Mallorca, Usedom oder Schottland, all diese Destinationen werden über flyt.club angeboten

Mehr zum Thema "Fliegen"

Auf die Sitze, fertig, los!
FLIEGEN
Auf die Sitze, fertig, los!
Boarding mag keiner besonders gern. Wissenschaftler hätten Rat, wie es schneller ginge, aber funktioniert das auch?
Mehr Platz auf Langstreckenflüge - dank der Premium Economy Class
FLIEGEN
Mehr Platz auf Langstreckenflüge - dank der Premium Economy Class
Mehr Platz bei Langstrecken-Flügen wünschen sich viele Gäste. Die neue Premium Economy Class verspricht mehr Beinfreiheit, doch Champus kostet extra
Die Tricks der Flugportale
Fliegen
Die Tricks der Flugportale
Für 29 Euro nach London fliegen? Klingt toll. Doch oft sind die günstigen Angebote von Flugbuchungsportalen gar keine
GEO Reise-Newsletter
Aktuelle GEO-Magazine
<< zurück >> vor
nach oben