Urlaubsfotos Knips und Cash?

Bild-Agenturen und Internetportale brauchen ständig Bildmaterial. Kann man mit seinen Urlaubsfotos vielleicht sogar Geld verdienen?

Die Königin kommt nach Hamburg, wie Paparazzi rangeln die Fotografen um die besten Plätze, um der "Queen Mary 2" nah zu sein. Rafael Machalica lauert ihr am Rand des Afrika-Kais auf. Sein bescheidenes Ziel: "Ein richtig gutes Bild zu machen." Das gelingt, die Aufnahme zeigt das Schiff im Farbenregen eines Feuerwerks. Der damals 32-Jährige postet das Bild auf seiner Website. Es wird gelobt – und entdeckt. Später ziert es den Titel der GEO SPECIAL Hamburg-Ausgabe. Zum ersten Mal stammt das wichtigste Bild eines GEO-Magazins von einem Amateur. Dennoch gelingt Laien eher selten eine bemerkenswerte Veröffentlichung, wie etwa im Magazin "Der Spiegel", das einen Artikel über das Fotografi everfahren "High Dynamic Range" mit Amateurbildern illustrierte. Oder in GEO SAISON: Die Fotos der Island Titelgeschichte (Heft 8/2007) stammten von Lesern. Das sind Ausnahmefälle. Denn davon, dass ihr Bild den Titel etwa eines GEO-Magazins ziert, träumen sogar einige Profis.

Wir leben in einer Welt der Bilder. Websites, Zeitungen und Zeitschriften zeigen unzählige Fotos und bedienen sich dabei immer mehr auch der Arbeit von Amateuren. Das Fotoarchiv Corbis kooperiert mit Flickr, der weltgrößten Filesharing-Community. Und manche Boulevardzeitung beschäftigt so genannte "Leserreporter". Wird eines ihrer Fotos in der Zeitung gedruckt, können sie mit einem Honorar von bis zu 500 Euro rechnen. Doch die meisten Bilder werden nur auf den Websites gezeigt. In solchen Fällen, so heißt es etwa bei bild.de, sind die Veröffentlichungen "honorarfrei". 2012 gingen weltweit rund 140 Millionen Digitalkameras über den Ladentisch. Die Anzahl der damit produzierten Aufnahmen sprengt jede Vorstellung. Allein Flickr hat etwa 40 Millionen Mitglieder und rund vier Milliarden Bilder. Und das Angebot wächst ständig. Auf der Flickr-Website meldet ein Zähler, wie viele Fotos neu dazukommen: An einem beliebigen Wochentag sind es um die 5000 Uploads – in der Minute.

Knips und Cash?

Dieser Schnappschuss war für Rafael Machalica Gold wert

Auf die Frage, wie er die Chancen von Amateur-Fotografen einschätzt, ihre Fotos zu verkaufen, antwortet Klaus Plaumann vom Bundesverband der Pressebild-Agenturen und Bildarchive: "Wer gefragte Motive einfängt und Spaß an der Nachbearbeitung hat, kann mit einem geringen Honorar rechnen." Auf die Höhe will er sich nicht festlegen lassen, in der Regel sind es "ein paar Cent. Meist arbeitet der Amateur für Ruhm und Ehre." Es gibt kaum ein Ereignis, das nicht aus unzähligen Perspektiven festgehalten wurde: die Notlandung im Hudson, der Vulkan-Ausbruch auf Island, die nackten Promis am Strand von Mauritius. Nur mit solch spektakulären Aufnahmen lässt sich Geld verdienen. Für Schmuck- und Illustrationsbilder gibt es kaum ein Honorar. Zwar braucht die globale Medienwelt ständig Material, doch die Communities quellen nur so über von Bildern, und die meisten Hobby-Fotografen freuen sich über eine Veröffentlichung, auf ein Honorar haben sie es oft nicht abgesehen.

Lutz Fischmann von Freelens, dem Verband der Fotojournalisten, erklärt den Unterschied "zwischen einem guten Foto und einem guten Fotografen: Viele Amateure vernachlässigen ihre Sorgfaltspflicht und machen falsche Angaben." Oder sie denken nicht daran, die Rechte der Fotografi erten am eigenen Bild zu beachten. Solche Informationen sind unabdingbar, ohne sie kann selbst ein gutes Foto nicht publiziert werden. Und nicht immer kriegt man eine Königin vor die Linse.

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