All Inclusive Reisen "Es geht prinzipiell um Masse"

Mikka Bender, Autor und Moderator eines TV-Reisemagazins, hat All-inclusive-Ferien unter die Lupe genommen. Er sprach mit uns über Täuschungsmanöver, Lichtblicke und günstige Alternativen
"Es geht prinzipiell um Masse"

Nicht jedes All-inclusive-Angebot geht gut aus, weiß Mikka Bender

Sie haben in den vergangenen Jahren rund 1000 All-inclusive-Häuser weltweit in Augenschein genommen. In wie vielen Fällen bedeutet das ein Rundumsorglos-Paket?

Mikka Bender: Das versprechen alle, aber sicher sind nur Flug und Transfer. Hotel und Vollverpflegung bereiten dagegen bei den meisten Angeboten Stress. Zum Beispiel war ich auf Gran Canaria im Drei-Sterne-Aparthotel "Veril Playa", wo eine Mutter mit ihrem Sohn 600 Euro für eine Woche gezahlt hat und marode Elektrokabel, kaputte Möbel, Schimmel im Bad, fleckige Bettdecken und miesen Service vorfand.

Ist das nicht die Ausnahme?

Nein. Von Drei-Sterne-Angeboten würde ich immer abraten, oder Sie lassen Ihren Anspruch an Komfort, Hygiene und Essensqualität zu Hause.

Selbst wenn die Reise im Katalog toll aussieht?

Bilder zeigen kaum reale Zimmer, und die Texte sind selten ehrlich.

Vier- und Fünf-Sterne-Häuser sind demnach die bessere Wahl?

Leider nicht immer, Kakerlaken im Kopfkissen, Ekelessen, Baulärm kommen in jeder Kategorie, jedem Land und mit fast jedem Veranstalter vor. Es geht prinzipiell um Masse statt Klasse bei dieser Urlaubsform. Selbstbedienung statt Service ist die Regel, und Plastikgeschirr und Getränke zum Selberzapfen sind, vor allem in Ägypten, keine Ausnahmen.

Ist das die Folge der knapp kalkulierten Preise?

Ja. Hoteliers, die bei All-inclusive-Veranstaltern unter Vertrag sind, haben am Tag sieben bis zehn Euro zur Verfügung für die Bewirtung eines Gastes und werden auch für die Unterbringung miserabel bezahlt. Das Personal bekommt Hungerlöhne, ein persönlicher Service ist da kaum zu erwarten.

"Es geht prinzipiell um Masse"

Mikka Bender machte selbst schon einmal kehrt, als man ihm gar das Klopapier verweigerte

Was tun, um den Urlaub zu retten?

Oft hilft Trinkgeld. Wer sich Service sichern will, sollte spendabel sein.

Geld hilft aber nicht gegen Schmutz?

Nein. Es bleibt nur übrig, sich zu weigern, das Zimmer nicht zu beziehen und Reiseleiter-Ausflüchte wie "Alles ausgebucht" nicht hinzunehmen. Auch wenn das Beharren zwei Tage der Urlaubswoche kostet und Sie die Nacht in der Lobby campen.

Welche Aussichten haben Klagen?

Die können schief gehen, Gerechigkeit und Recht sind nicht immer identisch. Eine Familie fand sich zum Beispiel in Hurghada in einer Siffbude wieder, laut Prospekt einem Fünf-Sterne-Haus. Die Familie hatte alle Mängel perfekt dokumentiert, als Zeugin sogar die Reiseleiterin und verlor den Prozess trotzdem. Zwei Urlaubswochen kosteten damit 2714 Euro plus 3000 Euro Gerichtskosten.

Wie kann man Angebote im Vorfeld prüfen?

Wer all-inclusive bucht, sollte vorher immer mit Google Earth die Hotellage orten und dann Bewertungsportale wie "Holiday-Check" oder "Tripadvisor" lesen. Auch wenn Veranstalter bemüht sind, Bewertungen zu unterwandern – wenn Sie 100 aktuelle Kritiken lesen, erkennen Sie die Tendenz: "Lauft davon, so schnell ihr könnt" oder "Bruchbude" sind deutliche Warnungen.

Es gibt aber doch auch positive Erfahrungen?

Ja, All-inclusive-Ferien sind aber nur in Regionen ohne Infrastruktur sinnvoll, wie in der Dominikanischen Republik oder Hurghada, wo es außerhalb der Hotels nichts gibt zum Einkaufen oder Essengehen. Überall sonst ist es meist günstiger und besser, nur das Hotel zu buchen und Lokale auszuprobieren. Man lernt so Land und Leute besser kennen und unterstützt die einheimische Wirtschaft statt gesichtsloser Konzerne.

Haben Sie selbst einmal ein All-inclusive-Hotel fluchtartig verlassen?

In der Türkei, schlimmes Haus! Nach der ersten üblen Nacht fragte ich an der Rezeption, ob ich wenigstens Klopapier bekommen könne. Man sagte mir: "Kommen Sie morgen wieder." Das war’s dann.

Das Buch zum Interview

Anhand konkreter Beispiele beschreibt Mikka Bender Täuschungsmanöver und gibt Tipps, wie Reisende Enttäuschungen vorbeugen können.
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