Trinkwasser "Dreifache Win-Win-Situation"

Whole World Water eint 120 Luxushotels im Kampf für sauberes Trinkwasser. Wir sprachen mit der amerikanischen Co-Initiatorin Karena Albers über Nutzen und Eigennutz der Kampagne
"Dreifache Win-Win-Situation"

Eine Flasche, die Menschen, Umsatz und Umwelt helfen soll. Mehr Infos: www.wholeworldwater.co

GEO: Ihre Whole-World-Water-Kampagne will erreichen, dass Hotels und Gaststätten nur noch gefiltertes lokales Wasser verkaufen statt Produkte der Mineralwasserindustrie. Was ist an denen falsch?

Kaikka Bender: Zum Beispiel ist die CO2-Bilanz durch die Transportwege höher, und es wird Plastikmüll produziert.

Zu den 120 Hotels, die bereits mitmachen, gehören Häuser der Soneva Group, von Ritz Carlton oder der Virgin Hotelkette. Warum engagiert sich das Luxussegment bei Ihnen?

Alle großen Hotelketten sind mittlerweile für soziale und ökologische Themen sensibilisiert und versuchen, sich möglichst korrekt zu verhalten und Umweltschäden zu minimieren. Gäste bleiben weg, wenn Menschen ausgebeutet oder Land und Meer geschädigt werden. Und viele unserer Mitglieder wollen den Gemeinden und Regionen, in denen sie lukrative Geschäfte machen, etwas zurückgeben, etwa durch Filteranlagen, die Arbeitsplätze schaffen.

Manche Kritiker behaupten, Ihre Kampagne diene hauptsächlich kommerziellen Interessen. Schließlich behalten die Hotels 90 Prozent der Einnahmen aus dem Wasserverkauf in ihren Kassen.

Stimmt. Aber das ist die einzige Möglichkeit, die Privatindustrie für Nachhaltigkeitslösungen zu begeistern. Unternehmen muüssen profitorientiert denken. Und statt ihnen Verpflichtungen und Verordnungen aufzuerlegen, statten wir sie jetzt mit einem qualitativ hochwertigen Geschäftsmodell aus, das eine dreifache Win-Win-Situation ermöglicht: für die Menschen, die Erde und den Umsatz.

Die restlichen zehn Prozent der Einnahmen aus dem regionalen Wasserverkauf gehen an Ihre Whole-World-Water-Stiftung. Wohin fließt das Geld?

Zu einhundert Prozent an Projekte, die das ausschließliche Ziel haben, sauberes Trinkwasser zu erzeugen. Das Recht darauf ist ein Menschenrecht, dennoch hat laut Angaben der Vereinten Nationen fast eine Milliarde Menschen keinen Zugang dazu, das heißt, jeder siebte Erdbewohner riskiert Gesundheit und Leben, wenn er seinen Durst löscht.

"Dreifache Win-Win-Situation"

Dokumentarfilmerin Karen Albers hat bereits 120 Luxushotels im Kampf für sauberes Trinkwasser vereint

Sie sind Dokumentarfilmerin, und die zweite Gründerin Jenifer Willig ist Expertin für die Organisation von Fundraising, etwa für Kampagnen gegen Aids in Afrika. Können zwei sozial engagierte New Yorkerinnen die Wasserprojekte beurteilen, die sich um Gelder bewerben?

Nein, bei der Vergabe arbeiten wir mit der erfahrenen britischen Umweltorganisation "Climate Care" zusammen, und die Kriterien für die Vergabe der Gelder sind von Wasserexperten, Ingenieuren, Wissenschaftlern ausgearbeitet worden. Klar ist, dass die Projekte nachhaltig sein müssen, die Gemeinden einbinden und das Potenzial haben sollten, langfristig geschäftstüchtig zu sein.

Ist bereits Geld geflossen?

Nein, unsere Kampagne wurde erst im März lanciert, mit ersten Einnahmen rechnen wir nicht vor dem dritten Quartal, und im August beginnen wir, Antraäge zu sondieren.

Eine Milliarde Dollar wollen Sie jährlich einnehmen. Ist das realistisch?

Ja. Es hört sich ehrgeizig an, aber wenn wir nur die Top-Ten-Hotelgruppen bekommen, was machbar ist, und diese verkaufen nur eine Flasche Wasser pro Gast und Tag, dann hätten wir die Summe bereits erreicht.

Haben Sie schon umgerechnet, wie vielen Menschen Sie damit helfen könnten?

So eine Statistik ist müßig, auch, weil die Angaben der Experten recht ungenau sind, sie schwanken zwischen 20 und 250 Dollar, die man angeblich braucht, um einer Person sauberes Trinkwasser zur Verfügung zu stellen. Wir werden jedenfalls in Projekte investieren, die von der Größe her moderat sind. Bei denen können wir besser beurteilen, wie effektiv sie arbeiten. Sehr wichtig ist uns auch, dass die Betriebe vor Ort so strukturiert sind, dass sie die Wasserproduktion nach möglichst kurzer Zeit ohne weitere finanzielle Hilfen von uns hinbekommen

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