Tagesschau-Sprecherin Reisen, Abenteuer und Kinder - Was Linda Zervakis an der Hotelbar zu erzählen hatte

Als "Tagesschau"-Sprecherin hat sie von Berufs wegen einen eher nüchternen Blick auf die Welt. Aber beim Gin Tonic mit Gürkchen geht’s auch mal um ganz andere News: ein Gespräch über die Kunst des Last-Minute-Packens, Costa Ricas ruppigen Meeresboden und fast vergurkte Reisen
Linda Zervakis an der Hotelbar

An der Theke der Broilerman Bar in Hamburg plauderte Linda Zervakis über ihre Reise-Abenteuer

GEO SAISON: Sie sind Journalistin, "Tagesschau-Sprecherin", Moderatorin und Buchautorin. Sie müssen viel unterwegs sein. 

Linda Zervakis: Es geht, das sieht nur so aus. Am meisten bin ich eigentlich unterwegs, um meine Kinder zum Fußball oder Schwimmen zu bringen.

Als Autorin gehen Sie aber schon auf Lesereisen.

Das stimmt. So komme ich durch die ganze Republik. Ich mag das, weil man mit kleinen Kindern ganz schön unbeweglich wird. Die haben ja meist keinen Bock auf lange Reisen, Zugfahrten sind langweilig, sobald man das Bistro auseinandergenommen hat. Deshalb vermeiden Eltern das bis zu einem gewissen Alter. Das ist zumindest mein Plan. Umso mehr genieße ich es, auf einer Lesereise gefüttert zu werden mit Eindrücken deutscher Städte und Regionen.

Ist der Koffer stets gepackt?

Ich bin eine Last-Minute-Packerin, selbst wenn es in die von langer Hand geplanten Sommerferien geht. Es gibt ja Menschen, die packen drei Wochen und sind gestresst davon. Ich fange einen Tag vor der Abreise an. Und fühle mich großartig, wenn ich das tagsüber hinkriege, bin aber meist bis abends oder gar nachts beschäftigt. Nicht schön, wenn der Flieger um sechs Uhr geht.

Übermüdung gehört zu jeder Reise dazu.

Ja, sonst würde ich gar nicht entspannt in den Urlaub fahren können. Vor zwei Jahren, da war ich ausnahmsweise mal eine echte Vorzeigemutter, angesteckt von all den Frauen in der Kita, die basteln können und bei denen auch sonst immer alles tipptopp läuft! Ich war also wahnsinnig gut organisiert, und wir kamen tatsächlich zeitig zum Flughafen. Und da frage ich meinen Mann: »Wo ist denn der schwarze Koffer?« Und er fragt zurück: »Welcher Koffer?« – »Der große, in dem alles drin ist.« Den hatte ich nicht mitgenommen.

Was haben Sie gemacht?

Die Frau am Schalter knurrte: »Wir schließen um 12 Uhr!« Es war 11.24 Uhr. Da habe ich einen Taxifahrer bestochen, damit er mit 80 Sachen durch die Stadt rast und mit laufen- dem Motor wartet, während ich den Koffer schnappe. Um 11.58 Uhr habe ich den dann aufgeben können.

Gerade nochmal gut gegangen. 

Ja, aber irgendwas ist beim Reisen ja immer. Wenn alles gut läuft, beschleicht mich das Gefühl, wir könnten vergessen haben, den Müllbeutel rauszubringen.

Allein wegzufahren ist dagegen die pure Erholung.

Nein, da komme ich erstens auch nicht zum Packen, und zweitens habe ich meist eine Veranstaltung, die ich moderieren muss. Ich denke jedes Mal, ich wüsste, was ich anziehe, und dann drehe ich am Abend vorher doch noch durch. Bei der Lesereise bin ich mit der Handtasche unterwegs, ich muss ja nur mein Buch dabeihaben. Und Geld. Und eine Wasserflasche.

Planen Sie schon Reisen für die Zeit, wenn die Kinder groß sind?

Ich bin keine Planerin. Und ein paar schöne Reisen haben wir schon vor den Kindern gemacht.

Wohin?

Nach Costa Rica zum Beispiel. Mein Mann surft, und da hatte ich zwei Möglichkeiten: zu Hause bleiben oder es selbst versuchen.

Sie reisten, um zu surfen?

Genau. Bei Wind wird mein Mann zum Windsurfer. Am Anfang begleitest du so einen Menschen an die Ostsee und denkst: Das ist total fancy. Aber dann bist du die Doofe, die am Strand sitzt und nass wird, weil es anfängt zu regnen. Oder der Wind dreht, und du bist von Kopf bis Fuß sandgestrahlt.

Und so wurden Sie Surferin?

Ja, Windsurfen ist nichts für mich. Aber Wellenreiten ging tatsächlich mal ganz gut. Allerdings kommen da manchmal echt unberechenbare Wellen, weshalb ich auch sehr viel Mee-
resgrund an Costa Ricas Küste entdeckt habe. Auf Sri Lanka ebenfalls. Ich habe mich dann entschieden, es zu machen wie meine Freundin Eli. Die sagt: Griechen haben keine Hobbys. Wir sitzen einfach irgendwo und trinken Kaffee. Mehr brauche ich tatsächlich nicht. Aber gern in wahnsinnig schönen Landschaften. So wie in Vietnam oder Thailand. Da möchte ich nochmal hin. Weil ich auch die Küchen dort sehr mag. Und die Menschen wirken sehr im Einklang mit sich.

Wie würden Sie Ihre Rolle in "Alles auf Anfang" beschreiben? Für die Sendung im NDR-Fernsehenn treffen sie zwei Promintente an einem für diese wichtigen Ort.

Gastgeberin! Das können wir Griechen am besten. Ich lasse mir von ihnen ihre Stadt zeigen, dann gehen wir essen und trinken, damit ich nicht kochen muss. Und schon denken die Leute, ich wäre eine gute Gastgeberin. Das ist der Trick an der Sendung.

Welchen Pass haben Sie eigentlich?

Den deutschen und den griechischen, wie meine Eltern, die als Gastarbeiter nach Deutschland kamen.

Tresen-Talk

Geschüttelt oder gerührt?

Gerührt, denn geschüttelt will gelernt sein.

Olive oder Frucht?

Am Cocktail gern fruchtig, außerhalb der Bar lieber Olive.

Bourbon oder Scotch?

Bekomme ich beides nicht runter.

Longdrink oder Shot?

Wohingegen diese beiden Antwortmöglichkeiten mir sehr gefallen.

Ihr Lieblingsdrink?

Gin Tonic. Klare Sache, gern auch mit Gurke. Ein Träumchen!

Ihre Eltern hatten in Hamburg-Harburg einen Kiosk. Weil Sie selbst bis Ende 20 jeden Sonntag dort geholfen haben, trägt ihr neues Buch den Titel "Königin der bunten Tüte". Zeit für große Reisen werden sie in jungen Jahren kaum gehabt haben.

Dafür waren wir jeden Sommer in der Heimat meiner Eltern, der Region Trikala, haben jahrzehntelang Dörfer abgeklappert, von wo aus das Meer nicht zu sehen ist. Deshalb gibt es auch noch viel unentdecktes Griechenland für mich. Manchmal werde ich nervös, weil so viele Deutsche ohne griechische Wurzeln viel mehr von dem Land gesehen haben als ich. Die fragen mich: Warst du da schon mal oder da oder da? Und ich sage: Nein. Hast du einen guten Tipp für mich?

Ausgerechnet Griechenland ist für Sie ein Sehnsuchtsziel?

Absolut. Ich will noch viel mehr sehen von dem Land. Ich habe das zu Hause noch nicht wirklich besprochen, aber ich denke, dass die Familie mitmacht. Hoffe ich mal. Und wenn die Kiddies ein bisschen älter sind, dann fahren wir da schön mit dem Auto hin, so wie ich früher mit meinen Eltern.

In "Königin der bunten Tüte" beschreiben Sie die Fahrt auf dem mehr als 1000 Kilometer langen Autoput von Österreich durch das damalige Jugoslawien nach Griechenland. War das nicht schrecklich?

Ich habe nicht nur schlechte Erinnerungen. Und ich möchte, dass meine Kinder mitkriegen, wie sich die Dinge ändern – die Vegetation, die Architektur. Über Grenzen zu fahren schafft neue Perspektiven. Das macht doch den Reiz des Reisens aus, die Veränderung. Ich möchte, dass meine Kinder die Entfernungen begreifen, ein Gefühl für diese enorme Strecke bekommen – gerade in Zeiten, in denen man für 49 Euro nach Malle fliegen kann und denken könnte, das sei ganz normal.

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