Ferienhäuser Zu Hause auf Zeit

Ferienhäuser müssen nicht immer gleich aussehen. Wir haben die besten Adressen von Spezialanbietern in Europa zusammengestellt - von der Öko-Villa bis zum erschwinglichen Schlösschen
Zu Hause auf Zeit

Die Villa Gran Atlantico steht an einem Steilhang auf der Insel La Palma

Designhäuser - Die Stilsicheren

www.urlaubsarchitektur.de - Das kommt dabei heraus, wenn ein Architekt seinen Urlaub mal wieder in einem geschmacklosen Bungalow verbringen musste: Eine Kollektion formvollendeter Ferienhäuser.

Meist hilft nur das tapfere "Na ja, die meiste Zeit sind wir sowieso draußen"-Argument, wenn die Ferienwohnung an das Jugendzimmer aus den Siebzigern erinnert. Nur: Schönreden kann man sich die Einrichtung auch dann nicht – zumal bei Regenwetter. Das erkannte Jan Hamer, ein Architekt aus Hannover, der den schlechten Geschmack und die Lieblosigkeit in Form von Plastikfenstern mit aufgeklebten Sprossen leid war. Und so begann er Adressen von Ferienhäusern zu sammeln, die ihm wirklich gefielen. Freunde, die ebenfalls einen Sinn für schöne Räume und Häuser hatten, fragten ihn immer häufiger nach Tipps, und er stellte kurzerhand seine Liste ins Netz. Als ein Kollege, der in Dänemark schick gebaut hatte, ihm von vergeblichen Vermietungsversuchen für seine puristischen Räume berichtete, startete Jan Hamer seine ästhetische Mission: architekturinteressierte Gäste und formvollendete Häuser zusammenzubringen. Inzwischen hat er sechs Mitarbeiter, finden sich auf seiner Website etwa 200 Feriendomizile in rund 30 Ländern, von Slowenien bis Österreich, von Deutschland bis Portugal. Hamer wählt die Häuser immer noch selbst aus und macht dabei kaum Kompromisse. 80 Prozent der Besitzer, die ihre Häuser gern auf Hamers Seite präsentiert sähen, bekommen sofort eine Absage, nur zehn Prozent der vorgeschlagenen Häuser empfiehlt er. Darunter nicht nur Luxusobjekte wie das "Château de Marteret" in der Gascogne mit Rehen im Park und Möbelkreationen von Künstlern wie Antoni Gaudí (pro Pers. ab 108 €/Nacht, mind. drei Nächte, eine Woche exklusiv 3500 €), sondern auch erschwingliche Modelle, wie etwa das "Meerhaus" in Lubmin an der Ostsee – einfach und schön (im Winter ab 87 €/Nacht, mind. 4 Nächte, im Sommer ab 140 €/Nacht, mind. 7 Nächte).

Mehr Design-Tipps

www.living-architecture.co.uk Fünf Kreative rund um den Philosophen und Querdenker Alain de Botton wollten die Wahrnehmung zeitgenössischer Architektur verändern. Daher haben sie hauptsächlich in England bislang fünf besondere Ferienhäuser gebaut, die das typische Cottage alt aussehen lassen: darunter "Balancing Barn" in Suffolk, einen länglichen Hausquader, der über eine grüne Hügelkuppe hinausragt, was aussieht, als wäre ein Zug über eine Klippe gerollt, so dass seine Lok kippelig über dem Abgrund schwebt. 4 Tage für 8 Pers. ab ca. 970 €; lange Vorausbuchungszeiten!

www.radius-design.com Manchmal, findet Michael Rösing, ist es gar nicht so einfach, Kunden von seinem Design zu überzeugen. Deshalb hat der Unternehmer in Gumüslük auf der Bodrum-Halbinsel in der Westtürkei schlichtweg zwei große, weiße Häuser hauptsächlich mit seinen Möbeln und Lampen eingerichtet – so können Gäste in aller Ruhe ausprobieren, wie es sich so in avanciertem Design wohnt. Und ob es nicht nur schön, sondern auch praktisch ist. 1 Woche für 7 Pers. im Januar ab ca. 350 €, im August bis zu 1700 €.

www.boutique-homes.com Die Hoteldesigner Heinz Legler und Veronique Lievre aus Los Angeles haben rund 300 Objekte in Amerika, Mexiko und Eruopa gesucht und gefunden, die ihrem Geschmack entsprechen. Vom Cottage in der Slowakei ab ca. 450 €/Woche bis zur andalusischen Villa ab 5500 €/Woche.

Zu Hause auf Zeit

Einst ein Experiment, nun Ferientraum: El Escudo auf Teneriffa

Ökobauten - Die Pioniere

casas.iter.es - Eigentlich waren die ökologischen Häuser nur zum Besichtigen geplant, jetzt darf man über Nacht bleiben: Im Süden Teneriffas können Urlauber in der Zukunft Probewohnen.

Es sollte alles ganz anders kommen. Energie ist auf den Kanareninseln kostbar. Dafür gibt es Sonne und Wind in rauen Mengen. Also schrieb das Istituto Tecnológico y de Energías Renovables auf Teneriffa einen Architektenwettbewerb für bioklimatische Häuser aus. 400 Entwürfe flatterten dem Institut auf den Tisch. Die 25 besten Häuser nahmen schließlich 2010 an der Atlantikküste Form an und stehen nun im ockerfarbenen Sand zwischen Kakteen und Sukkulenten. Jedes von ihnen trägt Sonnenkollektoren, muss Hitze, Sand und Salz trotzen. Die Lösungen sind so genial wie vielfältig: Die Architekten entwarfen einen gläsernen Riegel, eine Erdhöhle mit Grasdach, eine sternförmige Villa und das "El Rio", durch das ein kühlender Wasserlauf fließt. Für das Siegerhaus "La Geria" hat sich der Architekt César Ruiz-Larrea Cangas von einem Bauernhaus auf Lanzarote inspirieren lassen und Wände aus vulkanischem Gestein gebaut. Ursprünglich sollten Besucher die Bauten nur besichtigen dürfen, aber vor kurzem entschieden sich die Wissenschaftler, ihr Projekt auch an Urlauber zu vermieten. Ganz frei von Eigennutz ist die Vermietung nicht. Sie bringt nicht nur Geld, sondern auch Daten: Alle Objekte sind mit Sensoren ausgestattet, die Werte wie Temperatur oder Feuchtigkeit messen. Die Zahlen laufen im zentralen Computer zusammen und zeigen, wie sich die Visionen in der Praxis behaupten. Ab 105 €/Nacht, mind. drei Nächte.

Mehr grüne Häuser

www.ecotopia.se Torf-, Strohballen- oder Natursteinhütten in dem Ökoprojekt Tomelilla in der südschwedischen Schonen-Region. Hütte ab ca. 70 €/Nacht.

www.usedomer-ferienhaus-vermietung.de 29 pastellfarbene Bioholzhäuser für 2–5 Personen in einer Ferienanlage in Bansin. Ab 40 €/Nacht.

www.oekoferiendorf.com Zehn ökologisch gebaute Blockhäuser auf einem Hang oberhalb Schlierbachs im Traunviertel in Oberösterreich. Für 4 Personen, ab 69 €/Nacht.

Zu Hause auf Zeit

Minischloss für den Märchenurlaub: In das Clytha Castle in Wales kann man sich einmieten

Burgen & Co - Die Denkmalschützer

www.landmarktrust.org.uk - Sir John und seine Frau Lady Smith haben es nicht ertragen, Katen, Türme und Mühlen in England verschrotten zu sehen. Ihre Liebe zu alten Gemäuern rettete fast 200 steinerne Oldtimer.

England hat zu viele historische Häuser, Wassertürme, Pförtnerhäuschen, Tempel und Schlösschen, die der Verfall bedroht, fanden der Banker Sir John und seine Frau Lady Smith und gründeten 1965 ihre Charity-Organisation "Landmark Trust". Ihr Ziel: kleine Baudenkmäler zu retten, um die sich sonst niemand kümmert. Ihr Vorbild war der "National Trust", der seit 1895 – nachdem bankrotte Adelige massenweise ihre verfallenden Prachtbauten dem Staat vermacht hatten – Stadt- und Landhäuser übernahm und instandsetzte. Bei den Smiths bleiben die Häuser allerdings im Besitz der ursprünglichen Eigentümer. Die dürfen sie mit Mitteln aus der Spendenkasse des Trusts respektvoll renovieren. Jede Lampe, jeder Kleiderhaken, jedes Bett wird sorgfältig ausgewählt, damit wirklich alles zusammenpasst. Voraussetzung: Die Bauten werden danach der Öffentlichkeit zugänglich gemacht, also als Ferienhaus vermietet. Heute wacht Geschäftsführerin Anna Keay in Berkshire über mehr als 200 Objekte, hauptsächlich in Großbritannien. Auch ein paar Häuser in den USA, Frankreich und Italien sind inzwischen dabei. So bekommen Gäste die Chance, in extravaganten Gemäuern zu residieren: einem Wasserturm in Norfolk, einer Schmiede in Cornwall, im berühmten Pineapple Pavillon in Schottland oder im Gothic Temple im Park von Stowe. Ein Album auf der Website dokumentiert Geschichte und Restaurierung. In einem steinernen Geschichtsbuch zu übernachten kostet überraschend wenig: z. B. 4 Nächte im Farmhouse in Cornwall (4 Pers.) ab ca. 220 €, im Gothic Temple (4 Pers.) ab ca. 605 €.

Mehr geschichtsträchtige Tipps

www.irishlandmark.com Nach dem Vorbild der Engländer 1992 in Irland gegründet; auch Häuser im Norden sind im Angebot. Die Leuchtturmstation "Loop Head" (6 Pers.) in Westirland bekommt man z. B. ab 120 €.

www.nationaltrustcottages.co.uk Der Vorreiter der Charity-Organisationen zur Erhaltung historischer Gebäude. Zum Trust gehören heute rund 1,5 Prozent Großbritanniens, nicht nur Landgüter und Häuser, die an Feriengäste vermietet werden, sondern auch Parks, Schlösser, Kirchen, Bäume und 1194 Kilometer Küstenlinie. 3 Nächte im eleganten "Tintinhull House" in Somerset (8 Pers.) kosten ab ca. 840 €, im Skipper-Häuschen in Cornwall (2 Pers.) ab ca. 235 €.

www.magnificasa.ch Der Verein kauft alte Scheunen, Ställe, Bauernhäuser auf, restauriert sie nach Denkmalschutzkriterien und vermietet sie an Urlauber. 19 Objekte quer durch die Schweiz stehen zur Auswahl, von der Hütte bis zum Fischerhaus. Vier weitere Adressen sind in Arbeit. 1 Woche in der Stellscheune kostet ab ca. 505 €, im Schloss (7 Pers.) ab ca. 1435 €.

www.luebeck-urlaub.de Karin Lammert mochte nicht mitansehen, wie Altstadtbauten bröckelten: Die Lübeckerin und ihr Mann haben drei bis zu 400 Jahre alte Häuser wieder wohnlich gemacht. Ab 390 €/Woche.

www.henningsvar-rorbuer.no Als die Fischerei einbrach, ließ das Ehepaar Eilertsen leere Fischerhütten auf den Lofoten zur Feriensiedlung herrichten. 26 Holzhäuser, die vor Henningsvær auf den Felsen im Meer stehen, werden nun nebst Sauna mit Blick auf die raue See vermietet. Hütte für 2 Pers. ab ca. 155 €/Nacht.

www.rohrhus-ruegen.de Eine lange Geschichte haben die vier zum Teil reetgedeckten Feriennhäuser der Familie Behling auf Mönchgut im Süden von Rügen. Nur die Einrichtung ist neu und eher schlicht. Ferienwohnung (2 Pers.) ab 49 €/Nacht.

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