Urlaubstipps Mathe für Reisende

Zahlen, bitte! Lange haben Forscher, Mathematiker und Wissenschaftler sich mit der Formelfindung beschäftigt. Jetzt verraten sie wie sich Flugkosten, Wanderzeiten und Sandburgen berechnen lassen
Mathe für Reisende

Wer solche Sandburgen bauen möchte, sollte sich an der Formel des Geografen Matthew Benett halten

Sie wollen die perfekte Sandburg bauen? Dann wäre es weise, die Zutatenmenge nicht intuitiv zu mixen, sondern sich an die Formel des englischen Geografen Matthew Bennett zu halten: WM = 0,125 × SM. WM steht für Wassermenge, SM für Sandmenge. Man mische also einen Teil Wasser mit acht Teilen trockenem Sand, und fertig ist der ideale Baustoff. Nichts rutscht, nichts bröselt, die Burg steht wie eine Eins. Denn Wasser bildet Brücken. "Diese Kapillarbrücken zwischen den Sandkörnern halten die Oberflächenspannung stabil", erklärt Stephan Herminghaus, Physiker am Max-Planck-Institut.

Nun gelingen in den meisten Fällen Sandburgen auch Pi mal Daumen. Doch wann die Flut sie wegspült, verrät nur die Gezeitenrechnung. Und wann Flugtickets am günstigsten sind, hat der japanische Ökonom Makoto Watanabe herausgefunden: acht Wochen vorher. Zudem empfiehlt er, nachmittags zu buchen, früher am Tag sei es meist teurer. Zum Beweis präsentiert er Formeln wie ΠA = gUG + min(k - g, (1- g) (1- r)). Man darf ihm glauben, ohne sich den Kopf zu zerbrechen: Diverse Flugportal- Studien bestätigen Watanabes Resultate. Ob Kosten, Klima, Strandbeschaffenheit – beim Reisen erweist sich die Mathematik oft als nützlich – gelegentlich sogar als amüsant.

Wissen mit Unterhaltungswert produzierte etwa der Physiker David Coats, als er den Strand von Brighton vermaß und mithilfe von SL × SB × ST: KV (Strandlänge ≈ Strandbreite ≈ Strandtiefe : durchschnittliches Kieselvolumen) erkundete, wie viele Steine dort liegen, nämlich rund 614 Millionen. Ganz ernsthaft ermittelt dagegen ein Algorithmus vollautomatisch die Marschzeiten auf Schweizer Wanderwegen, die früher von Freiwilligen mit Stoppuhr abgestiefelt werden mussten. Die "Royal Geographic Society" in London flößt Respekt mit dieser Formel ein: UT = 0,99727 (a - I C cos-1 (-tanj tand) – (GMST at 0h UT)). Sie errechnet, wann wo die Sonne aufgeht. Das tut sie zuerst an der Datumsgrenze. Den Chatham-Inseln im Südpazifik bescherte das einen kurzen Ruhm, als vor 14 Jahren der Millennium- Tourismus boomte. Offen bleibt allerdings die Frage, wo Deutschlands geografische Mitte liegt – in Krebeck, Flinsberg, Silberhausen, Niederdorla oder Landstreit? Da kommen konkurrierende Rechenmodelle zu unterschiedlichen Ergebnissen.

Ausflüge zur Mathematik

Mathematikum

Mitmach-Museum in Gießen, Liebigstr. 8, Tel. 0641-969 79 70, www.mathematikum.de

Mo Math

"Museum of Mathematics" in New York, East 26th St 11, Tel. 001-212-542 05 66, www.momath.org

Maths in the City

Thementouren in Oxford und London, www.mathsinthecity.com

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