The Frenchy Dieser 83-Jährige ist 20-mal dem Tod entwischt - dann begann er richtig zu leben

Jacques Houot ist 83 Jahre alt und Extremsportler. Sein Lebensmotto: kein Problem! Ein Gespräch mit einem Lebemann, der schon viele Male dem Tod von der Schippe gesprungen ist
Dieser 83-Jährige ist 20-mal dem Tod entwischt - dann begann er richtig zu leben

Joie de vivre, die Lebensfreude, steht Jacques Houot ins Gesicht geschrieben - selbst mit blutiger Nase

Der Franzose Jacques Houot ist begeisterter Skifahrer, Mountainbiker und ein echter Naturbursche. Im Rahmen der European Outdoor Film Tour ist er zurzeit auf der großen Leinwand zu sehen. Dort erzählt er von seiner Liebe zur Natur und seiner turbulenten Lebensgeschichte. Tragische Erlebnisse ließen den 83-jährigen seinen Lebensstil hinterfragen und brachten ihn in die Bergwelt von Colorado, wo er sich jeden Tag aufs neue herausfodert. Wir haben ihn gefragt, wie es ihm gelungen ist, seine Komfortzone zu verlassen und woher er seinen Optimismus nimmt.

GEO: Welcher Moment hat Ihr Leben von Grund auf verändert?

Jacques Houot: Mit 53 hatte ich einen Herzinfarkt. Zu dem Zeitpunkt war ich Segellehrer in Florida, habe mich nicht viel bewegt und eine Packung Zigaretten am Tag geraucht. Als ich eines Tages meinem Bus hinterhergerannt bin, habe ich einen starken Schmerz in der Brust bemerkt. Kurz danach wurde ich mit dem Krankenwagen in das nächste Krankenhaus gebracht. 

Einen Monat später konnte ich bereits wieder arbeiten. Schnell war ich zurück in meinem Alltag und bemerkte wieder einen Druck in meiner Brust. Ich sagte es meinem Chef. Er deutete auf die Zigarette in der Hand und sagte: "Als Allererstes hörst du mit dem Scheiß auf!" Und von dem Tag an habe ich nie mehr eine Zigarette angefasst. Ich habe mein Leben geändert, bin nach Colorado gezogen und habe wieder mit dem Mountainbiken und Skifahren angefangen. Von hier an ging es bergauf – wortwörtlich.

Ich sage immer: "Mein Herzinfarkt hat mir das Leben gerettet." Wenn es nicht für den Herzinfarkt gewesen wäre, hätte ich vielleicht nie aufgehört zu rauchen und dann hätte ich nie das Leben führen können, was ich heute habe. Letztlich muss man auch seine Rückschläge als etwas Positives anerkennen.

Sie sagen, Sie seien dem Tod bereits 20-mal nur knapp entkommen. Unter anderem sind Sie mit dem Auto von einer Brücke gestürzt und hatten eine Krebserkrankung. Wie schaffen Sie es optimistisch zu bleiben?

Es ist einfach, sich vom Leben runterziehen zu lassen – das passiert mir auch manchmal. Aber ich versuche, jeden Tag optimistisch zu denken. Allein diese Einstellung ändert das Leben von Grund auf. Wie ich zu meinem Optimismus kam? Ganz einfach: Mich plagten seit Jahren Rückenschmerzen und ich wurde nicht müde, mich täglich lauthals darüber zu beschweren. Vor einiger Zeit war ich dann auf einer Skiwanderung und sah eine Gruppe von gehbehinderten Skiläufern, die den Spaß ihres Lebens hatten und in dem Moment habe ich mir gesagt: "Jacques. Du hast nicht das Recht, dich zu beschweren. Wenn diese Menschen mit nur einem Bein es schaffen Ski zu fahren, dann schaffst du das auch." Seither lautet mein Motto: "Kein Problem!" Mein Rücken hat irgendwann aufgehört wehzutun, wahrscheinlich auch weil ich es mir fest vorgenommen hatte. Meinen Optimismus habe ich seit diesem Tag nie wieder verloren.

Seit einigen Jahren leben Sie im US-Bundesstaat Colorado. Warum sind Sie von der Großstadt Miami in die Berge gezogen?

Um frische Luft einzuatmen. Das ist der Grund, warum ich hergekommen bin und natürlich um dem Flachland zu entkommen. Da gibt es nichts zu tun, wohingegen man in den Bergen nicht genug bekommt vom Wandern, Klettern oder Mountainbiken. Außerdem sind die Menschen in der Stadt immer so gehetzt und gestresst. Das Leben läuft viel zu schnell an ihnen vorbei. Ich versuche mir bei allem, was ich tue Zeit zu nehmen. Denn sie ist die beste Medizin für alles.

Was sind Ihre Tipps für Menschen, die zögern ihre Komfortzone zu verlassen?

Das ist gar nicht so schwer. Man muss nur einen Anfang finden und versuchen, dem Körper dabei etwas Gutes zu tun. Der Rest kommt von selbst. Das kann beispielsweise mit einem Spaziergang am Abend anfangen. Wenn man Gefallen daran findet, macht man zwei Tage hintereinander einen Abendspaziergang, dann drei Tage und schließlich wird es zum beruhigenden Ritual. Außerdem ist es wichtig, sich nicht zu sehr unter Druck setzten zu lassen. Gewohnheiten entwickeln sich nicht über Nacht. Es ist ein langsamer und stetiger Prozess. Nehmt euch ein Beispiel an mir. Bei mir hat es auch erst spät geklappt und nun bin ich ein glücklicher Mann.

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