Buchauszug Elf nervige Urlaubsbekanntschaften, die jeder kennt

Wer bereits Gruppenreisen gemacht hat, kennt diese elf Urlaubstypen auf jeden Fall und wird sich hoffentlich inzwischen mit einem Schmunzeln an sie erinnern. Ein Text aus dem Buch "Urlaubstraum(a)"

Sonne, Strand und Meer. Das klingt ein bisschen wie der Himmel auf Erden. Nur noch besser. Weil wir uns das so was von verdient haben. Ausspannen, ohne Chef, weit weg vom tristen Alltag. Träum weiter! Denn schwupps, sind sie da. Ein Handschlag, dazu ungefragt die Vornamen, und schon hat man sie an der Backe. Die flüchtigen Bekanntschaften, mit denen man zwangsläufig den heiß ersehnten Urlaub verbringt. Dabei kennt man diese Leute doch gar nicht. Und ganz ehrlich: Möchte man sie überhaupt kennenlernen? Wir haben elf Urlaubsbekanntschaften aus der tiefsten Hölle zusammengestellt, damit Sie ihnen besser aus dem Weg gehen können.

Ein Textauszug aus dem Buch "Urlaubstrum(a)" von Heike Abidi und Anja Koeseling.

Elf nervige Urlaubsbekanntschaften, die jeder kennt

"Urlaubstraum(a)", Texte auf Deutsch, 336 Seiten, 9,95 €, erschienen bei Eden Books, www.edel.com

Das Chamäleon

Das ist der Multikultikosmopolit in Reinkultur. Keine Sitte, die er nicht kennt. Keine Geschichte, die er nicht gehört hat. Keine Sprache, die er nicht fließend zu sprechen glaubt. Sein oberlehrerhaftes Gehabe löst bei seinen Mitreisenden stets fassungsloses Fremdschämen aus und stürzt Einheimische in tiefste Verständnislosigkeit. Der Zenit der Chamäleon-Fertigkeiten liegt jedoch im marktgerechten Feilschen. Hier beweist sich als wahrer Kenner, wer einen Preis durch geschicktes Herunterhandeln verdoppeln oder verdreifachen kann.

Die Klette

»Und, was machen wir heute?« Ja, das ist einer der Lieblingssätze der Klette. Im Kern ist die Klette eine wahnsinnig freundliche und umgängliche Person. Hauptsache, sie darf mit. Weil die Klette so sehr Urlaub von sich selbst macht, dass sie sich einfach irgendwo anders »dranhängt«. Da helfen auch keine deutlichen Worte, um sie loszuwerden. Dagegen ist selbst die hartnäckigste Erkältung ein Kinderspiel.

Elf nervige Urlaubsbekanntschaften, die jeder kennt

Immer hinterher und bei allem dabei: Das Chamäleon

Der Leistungssportler

Es lebe der Sport. Egal welcher, egal wo. Kamelwettreiten am Strand, Jet-Ski-Fahren im Hotelpool, Power-Joggen in der Rush Hour. Der Leistungssportler ist für alles zu haben. Und man muss leider zugeben, dass er auch eine gewisse Begabung besitzt. Ist es da nicht freundlich, dass er stets versucht, einen mitzuschleifen? Gedankenpause – nein! Weil der Leistungssportler nämlich keinen Partner für seine Aktivitäten sucht, sondern einen opferähnlichen Berufsverlierer, der sich tapfer der Herausforderung stellt und dann brav das hämische Siegerlachen wegsteckt.

Der Sonnenbrandgeplagte

Dass der Sonnenbrandgeplagte selbst schuld ist an seinem Feuerwehrteint, macht es nicht wirklich besser. Mit einer Hautfarbe, die man bestenfalls als Mischung zwischen Hummerrot und Leuchtrosa beschreiben kann, ist der Sonnenbrandgeplagte bereits rein optisch auffällig. Viel schlimmer wiegen jedoch die akustischen Folgen für die Zeitzeugen seiner Gebrechen. Da hilft es auch wenig, diesen Urlaubsbekanntschaften Sonnenschutzcreme Faktor fünfzig anzubieten. Weil ein echter Sonnenbrandgeplagter natürlich reichlich ungeschickt ist in der Anwendung derselben.

Elf nervige Urlaubsbekanntschaften, die jeder kennt

Auweia! Immer verdirbt der lästige Sonnenbrand den Urlaub!

Der Hygieneprofi

Der Hygieneprofi ist einer der unangenehmsten Urlaubskollegen. Nicht zu Unrecht als Sagrotanjunkie verschrien, weiß dieser Fachmann über alle Sauberkeitsmängel des Hotels bestens Bescheid. Und dass er sämtliche Bewertungen der einschlägigen Urlaubs-Checkportale aus dem Gedächtnis zitieren kann, versteht sich ja von selbst. Glücklicherweise ist es ihm eine Herzensangelegenheit, alle in seinem Umfeld darüber aufzuklären und vor den möglichen Krankheiten wie gesundheitlichen Folgen zu warnen. Einmal in seinem Element ist der Hygieneprofi kaum zu stoppen. Dass er es dann ausgerechnet ist, der im Urlaub krank wird, wundert da sicher niemanden. Aber keine Sorge, ein echter Hygieneprofi hat eine Familienpackung Kohletabletten dabei.

Der Sonnenliegenblockierer

Wer schleicht denn da schon um fünf Uhr mit einem Stapel Handtücher um den Pool? Mittlerweile haben sich auch die Hotelangestellten schon an diesen Typ gewöhnt, der ihre ausgedehnte Zigarettenpause vor dem Frühstück stört. Weil hinter den meisten Sonnenliegenblockierern eine dominante Frau steht, die ihn aus dem Bett haut und antreibt, verteidigt der Blockierer gern mal die vierfache Anzahl an Sonnenliegen gegen verschlafene Eindringlinge. Wenn’s sein muss mit Pöbeleien und vollem Körpereinsatz. Denn er weiß, was ihm blüht, wenn er auch nur eine Liege verliert …

Elf nervige Urlaubsbekanntschaften, die jeder kennt

Wo mein Handtuch liegt, da herrsche ich! Und wehe man kommt dem Sonnenliegenblockierer dabei in die Quere.

Die Therapiesüchtige

Manche Menschen begeben sich auf die Couch ihres Psychoanalytikers, andere fahren lieber in Urlaub. Um dort fremden Menschen endlich einmal ihr ganzes Herz auszuschütten. Und ihnen stundenlang von Freunden und Verwandten zu erzählen, die ja doch keine Sau vor Ort kennt. Einmal in Fahrt lässt sich die Therapiesüchtige kaum mehr bremsen und unterbricht nur gelegentlich ihre Lebensbeichten, um sich mit einem »Oder nicht?« rückzuversichern, ob der unfreiwillige Beichtvater nicht vielleicht eingenickt ist.

Der Gierhals

Für die Moderne gibt es den Begriff Schlaraffenland so nicht mehr. Heute sagt man dazu »all-inclusive.« Und da wird dann auf Teufel-komm-raus alles in sich hineingestopft, was man sich nur auf dem Buffet erkämpfen kann. Dass die Hummerscheibchen eigentlich keinen echten Hummer enthalten, ist unerheblich. Der Gierhals würde sowieso den halbvollen Teller übrig lassen. Hauptsache, kein anderer kriegt es.

Der Spaßvogel

»Kennst du den schon?« Arglose Urlauber mögen dies für eine freundliche Frage halten. Doch Vorsicht – dies ist der natürliche Warnruf des Spaßvogels. Und wer sich dann nicht duckt, wird mit einer nicht enden wollenden Reihe verstaubter Witze eingedeckt von Rudi Carrell bis hin zu erfolglosen Radio-Comedians. Der Spaßvogel stört sich dabei nicht am gequälten Lächeln seiner Zuhörer, schließlich ist er ein Mann von Welt und lacht dann halt selbst umso lauter. Zur absoluten Topform läuft der Spaßvogel auf, wenn die Animateure zum Karaoke oder Limbo aufrufen. Da sorgt er dann gern für peinliche Kollateralschäden unter seinen unfreiwilligen Freunden.

Elf nervige Urlaubsbekanntschaften, die jeder kennt

Da kann der Strand noch so schön sein, der Büchernarr liest im Urlaub so viel er kann

Der Büchernarr

Ein eher stiller und unaufdringlicher Typ. Er schleppt immer und überall seine Bücher mit sich herum und steckt seine Nase hinein. Oder in seinen Reader. Nach dem Motto »lesen und leben lassen« macht er sein eigenes Ding. Daher versinkt er in irgendwelchen Schmachtwerken von Glitzervampiren, C-Promi-Biografien und trendigen Ratgebern, die man doch niemals umsetzen kann. Nervig wird der Büchernarr, wenn er all die schönen und interessanten Dinge unbedingt loswerden muss, die er gerade konsumiert hat. Es soll auch Exemplare geben, die ihre Lektüre gönnerhaft an Urlaubsbekanntschaften verleihen, im festen Vertrauen darauf, dass diese sie bis zum Urlaubsende gelesen haben und mit ihm darüber sprechen können.

Die Antiautoritären

Der Paul-Kevin? Der will doch nur spielen, das hat der bestimmt nicht so gemeint. Die Erziehungsinterpretation mancher Eltern leidet gerade im Urlaub unter völligem Realitätsverlust. Schließlich wollen die Antiautoritären auch mal ihre wohlverdiente Ruhe haben, die sie zu Hause nur zähneknirschend vortäuschen. Aber müssen sie dann ihre verzogenen Sprösslinge auf arglose Urlaubsnachbarn hetzen? Doch wehe dem, der sich gegen die Paul-Kevins dieser Welt zur Wehr setzt. Der muss lernen, dass die Antiautoritären sehr wohl Grenzen kennen, aber eben nur bei den anderen.

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