Reisen Reisefotografie: Um die Welt springen

Im Interview erzählt der Student Raphael Fellmer über seine Lust am Springen, die Tücken der ausgefeilten Technik und die Freuden unterwegs

GEO.de: Sie springen auf Ihren Urlaubsfotos in die Luft, ihre Fotoserie reicht von China bis Lateinamerika. Warum machen Sie das?

Raphael Fellmer: Ich war schon immer ein sehr abenteuerlustiger Mensch und ein wilder Springer. Angefangen hat das Ganze mit einem Freund auf einer Reise nach Shanghai vor drei Jahren. Wir sind dort über Fahrräder gesprungen. Einfach nur aus lauter Freude am Leben. Touristische Fotos finde ich zudem langweilig, ich bin da lieber die fliegende Konstante.

Sie springen ganz schön hoch. Mal ehrlich: Ist das alles echt?

Na klar, aber tatsächlich fragen mich das viele Leute, als Beweis haben wir deshalb ein Video gedreht. Für den Sprung habe ich eine bestimmte Technik entwickelt. Es funktioniert nur, wenn ich von rechts Anlauf nehme, je mehr Anlauf, desto höher komme ich natürlich. Dann ziehe ich beide Beine nach oben und versuche sie im höchsten Moment horizontal zum Boden zu halten und die Hände zu den Fußspitzen zu ziehen, wie ein Pfeil. So komme ich etwa 1,20 bis 1,30 Meter hoch.

Reisefotografie: Um die Welt springen

Sind Sie denn besonders sportlich?

Ich war schon immer sportlich, auch wenn ich keine besondere Sportart mache. Ich persönlich finde die Sprünge nicht sonderlich schwierig. Wir haben sie schon mit mehreren Leuten versucht, die kommen zwar auf Anhieb nicht so hoch wie ich, aber wenn man lange übt, könnte das jeder schaffen.

Wie machen Sie die Fotos: mit Selbstauslöser?

Nein, das funktioniert nicht. Das habe ich nur einmal probiert. Die Fotos macht entweder ein Freund oder jemand aus meiner Familie, je nachdem mit wem ich gerade unterwegs bin. Bei der Aufnahme kann man dann ein wenig tricksen. Die Kamera sollte nicht auf gleicher Höhe sein, sondern etwas tiefer. Wenn man die Perspektive wechselt, macht das natürlich mehr Eindruck.

Planen Sie vorab, wo sie gerne springen möchten?

Manchmal habe ich einen bestimmten Ort im Kopf, das heißt aber nicht immer, dass es dort klappt. Auf dem Empire State Building hatte ich zum Beispiel zu wenig Platz. Sonst entscheide ich meistens spontan.

Wie reagieren die Menschen, wenn Sie Ihre Aufnahme machen?

Die meisten Leute finden es superspannend, viele schauen zu, einige fragen nach. Ich erkläre dann, warum ich das mache. Manchmal versuchen sie auch zu hüpfen, das gibt dann einen Riesenspaß, weil es meistens nicht klappt - oder eigentlich nie. Es scheint quasi ein Gesetz zu sein, das auf der ganzen Welt gilt: Gemeinsames Hüpfen bringt immer Freude.

Verfolgen Sie mit Ihrer Hüpferei ein bestimmtes Ziel?

Ich möchte den Menschen zeigen, dass wir in einer wunderbaren Welt leben. Durch das Reisen können wir sehr viel Gutes tun. Wir lernen andere Kulturen kennen und verstehen vielleicht unsere eigene dadurch besser. Viele inspiriert mein Video und sie gehen dann raus in die Welt. Mein Lebensmotto ist: Das Leben ist nicht das, was man jeden Tag tut. Insofern kann man auch mal etwas Verrücktes machen.

Raphael Fellmer (25) studiert European Studies in Den Haag. Seine Website mit Video:

www.flyingaroundtheworld.com

Interview: Bianca Gerlach

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