Entspannungsurlaub Ayurveda: Wellness oder Wagnis?

Ayurveda-Reisen verheißen Erholung und Gesundheit. Dabei muss man entscheiden, ob man nur ein paar Massagen oder eine richtige Kur machen will. Vorsicht bei mitgebrachten Medikamenten ist geboten
Ayurveda: Wellness oder Wagnis?

Die klassische Nasya-Behandlung soll vor allem dem Hals-Nasen-Ohren-Bereich bereinigen

Als sich vergangenen Sommer mehrere Urlauber mit schweren Vergiftungserscheinungen in einer Hamburger Klinik melden, sind die Mediziner beunruhigt: Im Blut der Patienten finden sie Quecksilber, Arsen, Blei – hervorgerufen durch schwermetallhaltige Ayurveda-Präparate, die sie aus Sri Lanka mitgebracht haben. Was als Wellness-Urlaub begonnen hat, endet auf der Intensivstation.

Doch welche Gefahr geht wirklich von Ayurveda-Produkten und -Behandlungen aus? "Ayurveda ist an erster Stelle ein Lebensstil, der darauf ausgerichtet ist, Krankheit zu vermeiden", sagt Iris Hüttner, Ayurveda-Beauftragte des Deutschen Wellnessverbands. Übersetzt bedeutet der Begriff "Wissen vom Leben", die damit verbundenen Heilweisen sind Jahrtausende alt und von der Weltgesundheitsorganisation als sanfte Medizin anerkannt. Im Westen wird diese jedoch vor allem als Wohlfühlbehandlung ausgeübt: Kaum ein Wellness-Hotel in Europa kommt ohne Ayurveda-Angebote aus. Auch große Veranstalter wie TUI oder Thomas Cook haben Stirngüsse, Schwitztherapien und Massagen an fantastischen Stränden im Programm. "Viele Leute fahren nach Sri Lanka, weil es dort schön ist. Sie buchen ein paar Massagen und Ölanwendungen und lassen sich verwöhnen. Das ist weder gefährlich noch verwerflich", sagt Dr. Ernst Schrott, Vizepräsident der Deutschen Gesellschaft für Ayurveda. "Mit einer echten Ayurveda-Kur hat das jedoch wenig zu tun."

Traditionell dauert diese mehrere Wochen. Dabei wird unter anderem ein Speiseplan erstellt, der den Körper entlasten und reinigen soll – so muss der Teilnehmer auf Alkohol und Kaffee, Fisch und Fleisch verzichten. Vom Sonnenbaden und vom Schwimmen im Meer wird in dieser Zeit abgeraten, denn die Ölmassagen öffnen die Poren der Haut für die Aufnahme der Kräutersubstanzen – Meerwasser aber schließt sie. "Wer lieber am Strand liegt oder anstrengende Rundreisen plant, wirkt den Behandlungen also entgegen", sagt Hüttner. Doch vertrauenswürdige Anbieter zu finden ist nicht leicht, denn einheitliche Prüfsiegel gibt es nicht, weder in Indien und Sri Lanka noch in Europa. "Achten Sie darauf, wie die Ärzte und Therapeuten mit Ihren Fragen umgehen und ob sie alles erklären können", rät Dr. Schrott. Hauptziel der Ayurveda-Kur ist die Entgiftung: Alle Öle, Arzneien und Mahlzeiten sollten daher aus ökologischem Anbau stammen. Zu Vergiftungen durch Schwermetalle wie im vergangenen Jahr komme es jedoch kaum: "Was vor Ort verabreicht wird, ist selten problematisch." Gefährlich seien dagegen meist die Produkte, die Reisende aus Sri Lanka oder Indien mitbringen: Kügelchen, deren Inhaltsstoffe niemand kennt, weil sie in einer Pappschachtel ohne jegliche Beschriftung verkauft werden. Seit den Vorfällen im vergangenen Jahr hat das Auswärtige Amt deshalb Ayurveda in seine Reisewarnungen aufgenommen und rät dazu, keinesfalls unzertifizierte ayurvedische Medikamente einzunehmen.

Weiterführende Informationen

www.ayurveda.de oder www.ayurveda-verband.eu, Iris Hüttner vom Deutschen Wellnessverband betreibt das unabhängige Portal www.ayurvedaservice.info.

 

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