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Schweiz Malerische Ufertour: Mit dem Rad unterwegs am Genfer See

Hohe Mauern, steile Lagen und jede Menge Schlösser. Unser Autor radelte rund 120 Kilometer am Schweizer Ufer des Sees entlang – von Genf nach Montreux – und genoss unterwegs Wein und Käsekrapfen
Radeln am Genfer See

Am Nordufer des Genfer Sees führt der gepflegte Radweg durch Weinberge und Villengegenden

In diesem Artikel
Radfahren am Genfer See
Die besten Orte für eine Rast
Unterkünfte am Genfer See
Die Schlösserroute mit dem Fahrrad

Die weiße Spitze des Montblanc leuchtet hinter dem Bergkamm der Savoyer Alpen, mildes Frühlicht verschleiert den Himmel – ein Bild von einer morgend­lichen Traumlandschaft mit See. Nur dass der See leider nicht zu sehen ist. Der gepflegte Radweg am Nordufer des Genfer Sees führt an hohen, efeube­wachsenen Mauern und Toren entlang, auf denen steht: »Propriété Privée«. Wir sind in der Schweiz, und besonders in dieser Gegend hat man zum Privat­eigentum ein ungebrochenes Verhältnis, das sich auch auf die Aussicht erstreckt. Zehn Kilometer weiter führt der Weg steil hügelan zum Schloss Prangins und geht in die Beine. Die Panorama­terrasse des alten Adelssitzes bietet da­-für freien Blick über den Lac Léman hinüber nach Savoyen. Das Schloss ist seit dem 12. Jahr­hundert durch die Hände des europäischen Adels gegangen, ehe es bei einem Großpleitier der internatio­­- na­len Finanzszene landete. Seit 1998 ist es Schweizerisches Nationalmuseum, in dem das Volk nun allerlei übrig ge­bliebenen Prunk bewundern kann: Mobiliar, Gobelins, Porzellan.

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Radfahren am Genfer See

Sich an die Hinterlassenschaften ver­blichener Noblesse zu halten, ist eine gute Methode, Ausblicke auf den Genfer See zu ergattern. Ich radele deshalb die Schlösser auf dem Schweizer Ufer ab, von Genf nach Montreux, rund 120 Kilometer. Lange hatten die Grafen von Savoyen die Gegend geprägt, ehe nach der Reformation die Berner an die Macht gelangten und das Waadtland schließlich als Kanton in die Eidgenossenschaft brachten. Schloss Nyon wurde vom Adels- zum Verwaltungssitz, noch immer nutzt die Stadtverwaltung das »Carnotzet«, ein Hinterzimmerchen im Keller, für vertraute Gespräche bei einem Glas Chasselas.

Genfer See

Von Mönchen im 14. Jahrhundert angelegt, stehen die Weinterrassen am Genfer See heute unter dem Schutz der UNESCO

Die besten Orte für eine Rast

Chasselas - So heißt die helle Rebsorte, die in der Weinregion La Côte auf zwei Drittel der Lagen an den Hängen über dem See wächst. Hinter Prangins empfiehlt die nützliche App »Schweiz Mobil«, den ebenen Radweg zu verlassen und hin­- auf in die auslaufenden Hänge des Jura zu schwenken. Die Route du Vignoble reiht eine Kette idyllischer Weindörfer auf: Luins, Vinzel, Bursins. Auf Hinweistafeln am Wegesrand locken ver­führerische Wörter wie »Caves« und »Dégustation«. Ich halte mich erst einmal an das köstliche Wasser, das aus einladenden Dorfbrunnen rinnt. Das nächste Etappenziel ist Schloss Morges im gleichnamigen Städtchen. Vier gewalti­-ge Felstürme markieren ein wehrhaftes Mauerquadrat unten am See und machen klar, dass es hier nicht um Repräsentation und Luxus geht. Ludwig von Savoyen wollte den Bischöfen von Lau­sanne Ende des 13. Jahrhunderts sagen: Bis hierher und nicht weiter. Die Ber­ner nutzten die Burg später als Zeughaus, das Schloss dient mittlerweile auch als Militärmuseum. Zwischen Kanonen tref­fe ich etwas überrascht auf Darth Vader und Terminator. Daniel Jaquet, »verantwortlicher Kulturvermittler« in Diensten des »Service de la sécurité civile et militaire«, erklärt das so: »Wir zeigen, wie Fantasy und Science-Fiction bei mittel­alterlichen Waffenschmieden abgekupfert haben.« (Ausstellung bis 15.9.2019).

Beim Mittagsimbiss im Hafenbistro in Morges erfahre ich, dass Malakoff, die regionale Spe­zialität, auf Schweizer Legionäre zurückgeht, die während einer Belagerung im Krimkrieg nichts anderes zu braten hatten als Käsestücke. Heute kommen sie in Weißwein mariniert als Käsekrapfen auf den Tisch. Im Weindorf Cully im Anbaugebiet Lavaux hat der Winzer Jacques Potterat Zeit für eine Degustation und öffnet einen Chasselas aus der winzigen Lage Villette mit schöner mineralischer Note. An den Kellerwänden hängen Plakate des örtlichen Jazzfestivals. Die Trauben werden bei Musik gekeltert, erzählt Potterat: »Bei langsamer Pressung Blues, wenn es schneller gehen kann Boogie-Woogie.« (vins-potterat.ch). Beschwingt mache ich mich auf in die steilen Weinterrassen . Mönche haben die schwierig zu bewirtschaftenden Rebgärten im 14. Jahrhundert angelegt, die UNESCO hat sie zum Weltkulturerbe ernannt. Wie hatte Monsieur Potterat gesagt? »Wir haben drei Sonnen hier: die am Himmel, ihren Widerschein vom See und dann noch die Reflexion von vielen Kilometern Terrassenmauern.« Gut für den Wein, verdammt heiß für den Radler. Obwohl ich mich kaum sattsehen kann am grüngoldenen Leuchten der Reb­stöcke und dem silber blinkenden See vor dem tiefblauen Fond der Alpenkette, zieht es mich wieder hinab ans Wasser.

Von Vevey bis Montreux ist das Ufer glücklicherweise überall zugänglich, was regen Badebetrieb zulässt. Finales Ziel: Schloss Chillon , ein imposantes Ensemble von Türmen, Wehrgängen, Höfen und Sälen auf einem Fels in Ufernähe. Im Kellerverlies hat François Bonivard geschmachtet, der sich Anfang des 16. Jahrhunderts als Genfer Protestant wider die Savoyer Herrschaft gestellt hatte. Verewigt hat ihn Lord Byron, der den Sommer 1816 am See verbracht hat. Das Sonnett »Der Gefangene von Chillon« wurde 412 Zeilen lang, der Sommer war sehr verregnet. Und Fahrradfahren konnte Byron auch nicht.

Schloß Chillon, Genfer See

Das Schloss Chillon bildet das finale Ziel unseres radelnden Autors

Unterkünfte am Genfer See

Das Hotel de Geneve ist eine urige kleine Unterkunft mit französischem Flair in der Genfer Innenstadt (DZ/F ab 123 €). Guten Schweizer Standard bietet das Mövenpick im Uferviertel Ouchy von Lausanne. Mit der Metro geht es bequem bergan in die Altstadt (DZ/F ab 158 €). Einen großartigen Blick auf die Stadt und den See hat man aus dem Eurotel Montreux (DZ/F ab 172 €). Unterhalb von Schloss Prangins liegt, mit eigenem Zugang zum See, das hochklassig-moderne Hotel La Barcarolle (DZ ab 278 €).

Die Schlösserroute mit dem Fahrrad

Die Schlösserroute folgt dem Radweg Nr. 46 »Tour du Léman«. Eurotrek organisiert Touren, verleiht Räder, transportiert Gepäck.

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Die Stadt der UN, der Uhren und der Banken ist teurer. Deshalb hat sich unser Autor nach Attraktionen umgesehen, die nicht viel kosten
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