Craco - die italienische Geisterstadt

Endzeitstimmung. Dieses Substantiv beschreibt die malerische Geisterstadt in der italienischen Region Basilikata wohl am besten. Wegen eines Erdrutsches mussten die Bewohner ihre Heimat 1963 verlassen. Viele Häuser wurden zerstört und ins Tal mitgerissen. Während dort unter dem Namen Craco Peschiera ein neues Dorf aufgebaut wurde, das rund 800 Menschen beheimatet, ist das alte Craco völlig verlassen. Wer diesen Ort besucht, tritt auch in die Fußstapfen von Daniel Craig und Mel Gibson. Denn hier wurden Filme wie ein "James Bond 007: Ein Quantum Trost" oder die "Die Passion Christi" gedreht. 

Eingeschlagene Fensterscheiben, alte Bettgestelle, steinerne Treppen und ein Normannenturm: Eintritt in diese Welt ist nur im Rahmen einer Führung möglich, die es vor Ort zu buchen gibt. 

Geamăna - das tote Dorf

Im blutroten Schlamm begraben steht der letzte Zeuge eines versunkenen Dorfes: Geamăna galt einst als pittoreskes Örtchen im Westen Rumäniens. In den 1970er Jahren wich das Tal am Fuß des Apuseni-Gebirges einem künstlichen See aus Abraum- und Erzanreicherungsschlamm.

Am Ufer pumpt ein dickes Rohr die Rückstände aus der Kupfermine Roşia Poieni in die 130 Hektar große Geisterstadt. Aufgrund der chemischen Abfälle ist der Ort ausgestorben.

Bodie - der wilde Westen

Die Stadt Bodie entstand im Goldrausch der Sierra Nevada. Klein angefangen, wurde sie nach und nach größer und beheimatete bald 10.000 Menschen, eine Eisenbahn, mehrere Brauereien und Kirchen, ein eigenes kleines Chinatown, Saloons und Bordelle. 

Doch die Stadt war nicht nur für sein Gold bekannt: Postkutschenraube, Überfälle und Morde machten sie zu einer der wildesten Städte des Westens. Nach einem Großbrand blieben der Stadt nur noch wenige Gebäude erhalten. Seit 1962 ist Bodie ein Statepark in dem es einen Friedhof, eine alte Tankstelle und sogar Autowracks zu bestaunen gibt. Wie in der abgebildeten Küche stehen vielerorts sogar noch die alten Utensilien herum, als wohnten doch noch ein paar Seelen in der Stadt.

Wer zwischen Lee Vining und Bridgeport vom U.S. Highway 395 auf die 20 Kilometer lange Straße abbiegt und auch dem Stück Schotter trotzt, kann die Ortschaft besuchen und in ein Stück Geschichte eintauchen.

Hashima - die Kriegsschiff-Insel

Mit einer Breite von 160 Metern und einer Länge von 480 Metern erstreckt sich Hashima imposant im Ostchinesischen Meer, 3 Kilometer südwestlich von Takashima. Wegen ihrer Form bezeichnen Japaner die Phantominsel ehrfurchtsvoll als Kriegsschiff.

Jahrzehntelang wurde hier unterseeischer Kohleabbau betrieben. Zehntausende Arbeiter lockte zwischen 1887 und 1974 der Gedanke der Industrialisierung - Hashima war zeitweise der dichtbesiedelste Ort der Welt. Ein ausschlaggebender Faktor: Mitsubishi - damals noch in der Schifffahrtsindustrie tätig - kaufte die Insel 1890 mit der Absicht, eine hochmoderne Stadt zu errichten. Meterhohe Schutzwände zum Schutz vor dem Wasser, Zehn-Quadratmeter kleine Wohnzellen in gigantischen Betonklötzen und eine Geschichte unmenschlicher Arbeits- und Lebensbedingungen zeigen allerdings das Gegenteil. 2015 wurde der Ort, an dem mehr als Tausend Menschen starben, als Industriedenkmal zum UNESCO-Welterbe erklärt.

Für das Hauptquartier des Bösewichts Raoul Silvas (Javier Bardem) im Film "James Bond 007 – Skyfall" diente der Ort als Inspiration und heute bietet die Stadt Nagasaki regelmäßig Umrundungen mit Booten an. Auch ein Besuch der Insel auf einem Besichtigungspfad ist seit April 2009 möglich.

Wem der Weg nach Japan zu weit ist, kann die Insel auch auf Google Streetview erkunden.

 

Oradour-sur-Glane - Ort eines Kriegsverbrechens

Am 10. Juni 1944 verübte die Waffen-SS ein ungeheuerliches Kriegsverbrechen in Oradour-sur-Glane. Dabei wurde der komplette Ort zerstört und fast alle Einwohner ermordet. Das Ruinendorf wurde 1946 zur historischen Mahn- und Gedenkstätte erklärt und auf Anweisung des damaligen französischen Präsidenten, Charles de Gaulle, in seinem zerstörten Zustand belassen.

Zwischen 1947 und 1953 wurde der Ort in nächster Nähe wiederaufgebaut. 1999 wurde das Centre de la mémoire eröffnet, das jedes Jahr eine große Besucherzahl begrüßt. Der verbliebene Friedhof Cimetière d’Oradour-sur-Glane gilt als einer der meistbesuchten in Frankreich.

Consonno - die verkommene Vergnügungsstadt

Weil ein Unternehmer von Touristenmassen in einer pompösen Vergnügungsstadt geträumt haben soll, kaufte er 1962 den Ort Consonno in der italienischen Provinz Lecco. Alle Bewohner musste die Stadt verlassen. Und so ließ er, mit Ausnahme der Kirche und dem anliegenden Grundstück, alle Gebäude abreißen. 

Heute erinnern nur noch die Kolonnaden und einige Ruinen an den Ort, der durch eine Reihe von Erdrutschen um 1967 nicht mehr über eine Straße erreichbar war.

Plymouth - die Lava-Stadt

Im Hintergrund raucht die Naturgewalt, die zwischen 1995 und 1997 einer Region ihre Heimat nahm: Der Vulkan Soufrière Hills brach in diesem Zeitraum mehrfach aus und sorgte 1997 dafür, dass die gesetzmäßige Hauptstadt des Britischen Überseegebietes Montserrat, Plymouth, gänzlich aufgegeben werden musste. Pyroklastische Ströme, Lahare und vulkanisches Gestein sorgten dafür, dass viele Gebäude verbrannten oder bis heute unter eineinhalb Meter hohen Aschemassen begraben sind.

Ein Besuch dieses Ortes ist nicht gestattet. Der Hafen von Plymouth darf nur von autorisierten Personen für den Sandexport angesteuert werden. 

Prypjat - Tschernobyls Erbe

Eine Schwimmhalle, ein Rummelplatz, ein Riesenrad und ein Autoscooter: Was wie das Inventar eines Vergnügungsparks klingt, verspricht ein Antlitz des Horrors. Prypjat ist die ukrainische Geisterstadt, die 1986 infolge des Reaktorunglücks des Kernkraftwerks Tschernobyl evakuiert werden musste. Zu diesem Zeitpunkt beheimatete die Stadt fast 50.000 Menschen. 36 Stunden lagen damals zwischen dem Unfall und der Evakuierung, weshalb viele Bewohner der hohen Strahlenbelastung ausgesetzt wurden und unter extremen Spätfolgen leiden mussten. 

Die Hauptstraßen Prypjats, inmitten der unbewohnbaren 30-Kilometer-Zone um das Kraftwerk, können heute im Rahmen geführter Touren durch das Kernkraftwerk besichtigt werden, da sie dekontaminiert wurden. Der Rest der Stadt bleibt den meisten weiterhin verschlossen.

 

 

Bussana Vecchia – das Künstlerdorf

Nur rund 9 Kilometer von San Remo entfernt thront Bussana Vecchia in einer Bergydille an der Küste zum Ligurischen Meer. 1887 wurde die Region von einem Erdbeben erschüttert, wobei das alte Bussana weitgehend zerstört wurde. Nach und nach gaben auch die letzten Ortstreuen ihre Heimat auf.

Seit der Hochphase der Hippies wird der vermeintlichen Geisterstadt neues Leben eingehaucht. Nachdem bereits Wanderarbeiter aus Süditalien die verfallenen Häuser nach Ende des Zweiten Weltkriegs als Unterkunft nutzten, besiedeln seit den 1960er Jahren internationale Künstler die Stadt. Diese werden bis zum heutigen Tage geduldet und sorgten für die Restaurierung einiger Häuser, des Wasserversorgungs- und Abwassersystems und riefen Ateliers, Geschäfte, Restaurants und Bars ins Leben.

Rhyolite - die Goldstadt

Nordwestlich von Las Vegas auf dem Weg ins Death Valley liegt Rhyolite. Die Geisterstadt entstand 1904 nach einem Goldfund im sogenannten „Bullfrog Mining District“. Mit über 10.000 Einwohner galt sie als drittgrößte Stadt Nevadas. Doch ihr Abstieg war so schnell wie ihr Aufstieg. Denn das Goldvorkommen war bereits wenige Jahre später komplett aufgebraucht. Eisenbahnlinien, Minen, eine Oper, eine Symphonie, Krankenhäuser, Hotels und unzählige Saloons wurden dem Verfall überlassen.

Heute stehen hier nur noch wenige Gebäude, die sich ganzjährig über die Nevada State Route 374 erreichen lassen.

Alt-Grau - die Unterwasser-Stadt

Im Reschensee begraben rund 120 Mio. m³ Wasser die Überreste des Ortes Graun. Nur der Kirchturm durfte damals aus Denkmalschutzgründen nicht gesprengt werden, als rund 1.200 Bewohner 1950 enteignet und vertrieben wurden. In den 20er- und 30er-Jahren traf Südtirol auf die Industrialisierung. Die italienische Regierung wollte deshalb auf der Hochebene des Dorfes Norditalien über ein Wasserkraftwerk mit Strom versorgen. Dafür musste einen Stausee her. Während viele Bewohner nicht verstanden, wie ihnen geschah, halfen auch die Proteste nicht mehr: Die Stadt wurde gesprengt und Alt-Graun versank wenig später.

Heute führt eine Wander-, Nordic-Walking- und Laufstrecke um das Angelrevier Reschensee, der als beliebtes Reiseziel und Fotomotiv gilt.

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