Im Südwesten Boliviens liegt auf beinahe 3700 Metern Höhe der größte Salzsee der Welt: der "Salar de Uyuni". Mit gleißender Helligkeit am Tage und bitterkalten Nächten ähnelt er zwar einem zugefrorenen Wintersee, doch was da unter den Reifen knirscht sind keine Eiskristalle, sondern grobe Salzkristalle. Eine unbeschreibliche Erfahrung.

Der Salar de Uyuni erstreckt sich auf einer Fläche von 12.000 km², die Salzkruste ist bis zu 30 Meter dick. Nie zuvor habe ich eine solche Einsamkeit, eine solche Weite und Stille gespürt.

Die offizielle Hauptstadt Boliviens ist Sucre, doch die größte und wichtigste Stadt des Landes ist zweifelsohne La Paz. In einen Krater hineingebaut liegt sie 4.100 Meter über dem Meeresspiegel - und ist der höchst gelegene Regierungssitz der Erde.

Alpacas an den Hängen des Ausangate. Der Nevado Ausangate ist der höchste Gipfel (6.336 m) im Süden Perus. Seine 70 Kilometer lange Umrundung über drei Pässe von jeweils 5000 Meter Höhe, vorbei an Gletschern und Bergseen lässt den Unmut über das für den Tourismus ausgeschlachtete Machu Picchu schnell vergessen.

Peru barg viele Überraschungen: Glaubten wir noch in Bolivien es könne nicht schlimmer kommen, werden wir nun in den peruanischen Anden eines besseren belehrt. 3.000 Höhenmeter stehen täglich auf dem Programm, nicht selten über Schotterpisten. In Curahuassi übernachten wir im Schuppen der städtischen Feuerwehr. Doch kaum sind wir angekommen, verschwinden die Feuerwehrleute. Und tauchen eine Stunde später wieder auf - mit zwei Matrazen.

Die letzten tausend Kilometer geht es vom Amazonasdelta hinauf nach Cayenne in Französisch Guyana. Oft ist es tagsüber so heiß, dass wir nur am Morgen von sechs bis zehn Uhr radeln können. Die nächsten acht Stunden dösen wir in unseren Hängematten, die wir flink am Straßenrand befestigen.

Die Carretera Austral - eine 2.000 Kilometer lange Schotterpiste - ist einer der schönsten Abschnitte der Reise. Kostspielig wurde sie unter General Pinochet durch die Anden geschlagen, um die abgelegenen Provinzen Patagoniens mit dem Norden des Landes zu verbinden. Im kaum besuchten Nationalpark Quelat steigen wir durch dichten, valdivianischen Regenwald zum Gletschersee des Rio Cascada. Den Gänsehautzeltplatz krönen wir am Abend mit unserem "Essen für außergewöhnliche Momente": Milchreis mit Zimt und Zucker.

Viel hatten wir schon von San Carlos de Bariloche gehört - die Stadt sei das Juwel Argentiniens. Uns Europäer erinnert sie am ehesten an die Schweiz: Alpen, Bergseen, Skipisten. Als wir die Stadt erreichen, werden wir von einem gewaltigen Sonnenuntergang über dem Nahuel Huapi See empfangen. Wir schauen uns an; und die Entscheidung kommt prompt: Hier wollen wir bleiben!

Nahuel Huapi ist wohl der schönste Nationalpark Argentiniens. Im Sommer erfreuen sich Touristen und Einwohner Bariloches gleichermaßen am Bergwandern, und nicht selten trollen sich Heerscharen bergauf, bergab. Doch im Winter findet man hier die eigentliche Essenz des Berggehens: Ruhe, Einsamkeit, der vom Einfluss des Menschen ungestörte Kontakt mit der Natur. Am dritten Tag unserer Wanderung kippt des Wetter. Am Morgen des vierten können wir keine 20 Meter weit mehr schauen. An eine Gipfelwanderung ist vorerst nicht zu denken.

Über Nacht ist mehr als ein Meter Neuschnee gefallen und hat uns komplett zugedeckt. Wir stellen uns auf einen harten Abstieg ein: weglos, nass und bitterkalt. Aus sieben Tagen werden vierzehn. Eine Woche lang ernähren wir uns von Beeren. Durch den Schnee beschwert, hängen die Zweige der Bäume tief herunter. Wir müssen vorwärts, um mit dem Proviant auszukommen. Nach Stunden stehen wir nahezu an der selben Stelle. Wir haben keine andere Wahl: Wir durchwaten, immer am Ufer entlang, das eiskalte Wasser der Lagune.

Seit Santa Maria begleitet uns Caroline aus Frankreich. Wir hatten sie vor einem halben Jahr in El Bolsón kennengelernt, als wir in der Jugendherberge El Pueblito arbeiteten. In Mendoza trafen wir sie wieder und zwei Monate später nochmals auf der Peninsula Valdez, wo sie sich endgültig entschied, mit uns zu fahren. Ein halbes Jahr lang sind wir so zu dritt unterwegs. Wir fahren durch den kargen, trockenen, beinahe menschenleeren Norden Argentiniens, durch Bolivien bis nach Peru.

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