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Die Inlandsbanan So schön ist es, Schweden mit dem Zug zu entdecken

Die Inlandsbanan in Mora
Wer die Inlandsbanan nimmt, sollte sich darauf einstellen, extrem entschleunigt zu reisen, sie ist das Gegenteil eines von Großstadt zu Großstadt rauschenden ICEs
© Michael715 / shutterstock
Die Inlandsbanan zuckelt seit rund hundert Jahren durch Schweden. 1300 Kilometer führt sie von Kristinehamn bis nach Gällivare, durch traumhafte skandinavische Landschaften, vorbei an Elchen und kleinen Orten, in denen es viel zu entdecken gibt

Wer aus von Deutschland aus zum Startpunkt der Inlandsbanan gelangen möchte, kann mit dem Zug über Göteborg nach Kristinehamn, dem südlichsten Punkt der Bahnstrecke reisen. Von Stockholm aus fahren viele Urlauber direkt in das etwas nördlicher gelegene Borlänge und steigen dort zu.

Die Bahnbetreiber bieten verschiedene Tickets für den Trip durch Schweden an. Für umgerechnet knapp 1000 Euro bekommen Besucher das Ticket für die neuntägige Bahnreise von Kristinehamn nach Gällivare und zurück. Unterwegs ist für Übernachtungen in „Mittelklassehotels“ gesorgt, das Frühstück und der Eintritt in verschiedene Museen auf der Strecke ist inklusive.

Wer freier reisen möchte, kann auch einzelne Teilabschnitte der Strecke oder ein Inlandsbanan-Ticket für 14 Tage kaufen - das kostet rund 200 Euro. Auch Interrail-Tickets sind im Zug gültig, besonders im Sommer sollten Besucher allerdings einen Sitzplatz reservieren. (Stand 01/2021)

Wer die Inlandsbanan nimmt, sollte sich darauf einstellen, extrem entschleunigt zu reisen, sie ist das Gegenteil eines von Großstadt zu Großstadt rauschenden ICEs. Die Bahn hält an vielen kleinen Orten entlang der Strecke, alle umgeben von den Weiten der skandinavischen Natur.

Vor dem Start: ein Bummel durch die Geschichte Kristinehamns

Noch bevor Touristen in die Bahn steigen, sollten sie sich Zeit nehmen und Kristinehamn entdecken. Wer Schwedens Geschichte erkunden will, kann über die Trädgårdsgatan schlendern. Eine der wichtigsten Straßen Kristinehamns wurde im 17. Jahrhundert erbaut, geführte Touren durch die Stadt klären über ihre Rolle und die wirtschaftliche Wichtigkeit der Hafenstadt auf: Hier kamen lange große Rohmetalllieferungen aus den Niederlanden an.

Unweit der Stadt, auf der Landzunge Strandudden, ragt eine 15 Meter hohe Säule in die Höhe. Zwei Augen starren im rechten Winkel zueinander in die Luft, scheinen die Umgebung zu überwachen. Die Skulptur ist ein Werk Pablo Picassos und wurde 1965 aufgestellt - sie ist eine der meistbesuchten Orte Kristinehamns.

Wer seine Zeit in Kristinenhamn lieber in der Natur verbringen möchte, sollte an den See Vänern fahren. Das größte Binnengewässer Schwedens ist die Heimat von über 22.000 Inseln und Schären; genug zu entdecken gibt es also. Ausflugsschiffe fahren von Insel zu Insel, an den öffentlichen Grillplätzen können Urlauber ihren Tag ausklingen lassen.

Mora, Schweden
Das gemütliche Städtchen Mora liegt am nördlichsten Ende des Sees Siljan
© Tommy Alven / shutterstock

Mora: Zorn in der Stadt, Abenteuer in der Natur

Einer der nächsten größeren Stopps auf der Strecke ist Mora. 12.000 Einwohner besiedeln das gemütliche Städtchen, das für einen außergewöhnlichen Künstler bekannt ist: den Maler, Grafiker und Bildhauer Anders Leonard Zorn. Kunstbegeisterte finden im Zorn-Museum die weltgrößte Sammlung seiner Werke: Wasserfarben, Ölgemälde, Skulpturen, Zeichnungen und vieles mehr. Etwas außerhalb der Stadt können Besucher das Haus besichtigen, in dem Anders und Emma Zorn lange gelebt haben.

Rund um Mora bietet die Landschaft, wofür Schweden steht: Kleine Flüsse schlängeln sich durch dicht bewaldetes Gebiet und münden in große Seen wie den Siljan oder den Orsa. Wer kann, sollte Wanderschuhe, etwas Abenteuerlust und vor allem Zeit mitbringen. Eine Kanutour über die malerischen Seen lohnt sich immer. Aber auch an Land hat die Region rund um Mora einiges zu bieten, 29 kleine und große Naturreservate geben Einblicke in die Schönheit Skandinaviens. Wer ein wenig Glück hat, sieht vielleicht sogar Elche.

Elch in Schweden

Wenige Kilometer von Mora entfernt liegt Orsa, umgeben von Seen, mit Blick auf blaue Berge im Hintergrund. Der Orsa Rovjurspark schützt Raubtiere, die in den Wäldern Skandinaviens zuhause sind oder waren: Braunbären, Sibirische Tiger, Schneeleoparden, Luchse, Wölfe oder Uhus. Dass Besucher alle Tiere zu Gesicht bekommen, ist sehr unwahrscheinlich. Sicher ist jedoch, dass sie bei einer geführten Tour durch den Nationalpark vieles über die wilde Seite Schwedens lernen können.

Östersund: Wo Schwedens Geschichte zum Leben erweckt wird

In Östersund ist ungefähr die Hälfte der Strecke von Kristinehamn bis Gällivare zurückgelegt. Wer möchte, schafft es von hier in einem Tag bis an die Endstation – wer Zeit mitgebracht hat, sollte aber auch in Östersund verweilen.

Am Stadtrand können Besucher in ein ganz besonderes Museum eintauchen: Das Jamtli gleicht eher einem Themenpark. Unter freiem Himmel können Besucher durch eine Farm aus dem Jahr 1785 schlendern, von dort in ein Gerichtsgebäude von 1824 oder einen Kaffee auf dem Östersunder Marktplatz von 1895 trinken. Für detaillierteres Wissen können sich Besucher einer geführten Tour anschließen, die im Sommer täglich startet - ein angeschlossenes Museum lässt eintauchen in die Zeit der Wikinger.

Lapplands Schönheit in einem Nationalpark

Die Landschaft nördlich von Östersund wird mit jedem Kilometer verlassener. Am Fenster der Inlandsbanan gehen Moorlandschaften in dichte Kiefernwälder über, endlose Seen rattern vorbei während der nordische Wind über die Ebene pfeift. Wer die Augen aufhält, erspäht vielleicht ein paar Rentiere auf der Suche nach frischem Futter.

Nach ein paar Stunden erreicht die Inlandsbanan Sorsele – das Tor zum größten Naturreservat Europas, Vindelfjälle. Dort finden Naturbegeisterte alles, was sie von Lappland erwarten: Hohe Bergmassive, dichte Birkenwälder, weite Seen. Zahlreiche Wanderwege führen durch den Park, manche sind an einem Tag machbar, andere beinhalten eine Übernachtung. Die meisten starten und enden im Bergdorf Ammarnäs.

Jokkmokk: Der Polarkreis ist überschritten

Hält der Zug in Jokkmokk, haben die Passagiere es bis zum nördlichen Polarkreis geschafft. Dort haben sie die Chance, die Mitternachtssonne ebenso zu sehen wie die berühmten Polarlichter. Der Ort hat eine lange Tradition, seine Siedlung wird zurückdatiert bis ins 17. Jahrhundert – zu dieser Zeit fand auch das erste Mal der Vintermarknad statt, der große Wintermarkt. Händler bieten jedes Jahr Rentierfleisch, Fisch aus den umliegenden Seen, Milch von Bergkühen und Kunsthandwerk aus der Region feil.

Heimisch in Lappland ist das indigene Volk der Samen. Das Museum Ájtte gibt Einblicke in die Traditionen und Überlebenskünste der Menschen, zeigt ihr Leben als Siedler, die Art und Weise, mit der die Samen vor Hunderten von Jahren Kleider und Silberschmuck produziert haben.

Gällivare: Endstation und Startpunkt für große Träume

In Gällivare hat die Inlandsbanan ihren nördlichsten Punkt erreicht, rund einhundert Kilometer oberhalb des Polarkreises. Die Region um das kleine Städtchen ist vor allem eines: endlos weit. Wer mit einem der Busse an den Fuß des Dundret fährt und den Aufstieg auf den mehr als 800 Meter hohen Berg schafft, wird mit einem Ausblick in eben jene Weiten belohnt. Wer in den Sommermonaten hierher kommt im Schein der Mitternachtssonne ins Träumen - wie es wohl wäre, als Nils Holgersson auf dem Rücken von Wildgänsen über Lappland zu gleiten?

Selbstredend lohnt es sich nicht nur an den aufgelisteten Orten, aus der Inlandsbahn zu steigen und die Umgebung zu erkunden. Der Charme der 1300 Kilometer langen Strecke längs durch Schweden liegt auch darin, dass der Zug so oft hält, Besuchern die Möglichkeit gibt, an Orten, die vom Abteil aus fantastisch aussehen, auszusteigen, sie selbst zu erkunden.


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