Schweigen

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Konfliktscheue als Beziehungskiller Warum wir mehr Mut zum Streiten brauchen

Aussitzen, zögern, flüchten: Viele Menschen halten lieber den Mund, als ihre Ansicht zu vertreten. Vor allem in Beziehungen und am Arbeitsplatz kann die Unlust oder das Unvermögen, Konflikte zu führen, schwere Folgen haben. Denn wer Streit scheut, lässt Probleme häufig größer werden, als sie sind. Was hilft aus der Starre?

    Von Barbara Lich

Ohne Worte. Nicht gebrüllt, nicht nüchtern formuliert, nicht hervorgepresst unter Tränen. Nicht geschrieben in einem Brief, einer E-Mail oder als zweizeilige Information in die Sprechblase einer Whatsapp-Nachricht gezwängt. Manche Menschen verschwinden aus Beziehungen ohne jede Begründung. Eben waren sie noch da. Jetzt sind sie fort. Kein Streit, keine Szene, kein zerdeppertes Geschirr. „Ghosting“ heißt diese Methode konfliktscheuer Schlussmacher, weil es scheint, als hätten sie sich geistergleich in Luft aufgelöst.

Doch ganz egal, ob eine Beziehung digitale oder analoge Wurzeln hatte, ob sie nur ein, zwei Dates überdauerte oder ob Jahre des Zusammenseins ein tragfähiges Fundament zu bilden schienen: Endet sie wort-

  • Erschienen in GEO Kompakt 05/2020