Einmalig in der Evolution Wie Schnabeltiere uns helfen können, kranke Menschen zu heilen

An Freiheit muss man sich gewöhnen: Dieses Jungtier wurde gerade in den McMahons Creek im australischen Bundesstaat Victoria entlassen. Auswilderungsprojekte wie dieses sollen dem Schnabeltier beim Überleben helfen
An Freiheit muss man sich gewöhnen: Dieses Jungtier wurde gerade in den McMahons Creek im australischen Bundesstaat Victoria entlassen. Auswilderungsprojekte wie dieses sollen dem Schnabeltier beim Überleben helfen
© Doug Gimesy/Nature PL
Schnabeltiere sind von vorn bis hinten ein Unikat: Sie legen Eier wie Enten und sind pelzig wie Biber. Die Sonderlinge der Evolution verraten uns viel über die Entstehung von Säugetieren und können kranken Menschen helfen – wenn sie nicht vorher verschwinden

Mitte Juli 2020, fünf Monate, nachdem die verheerenden Feuer im Osten Australiens endlich erloschen waren, stand der Biologe Gilad Bino am Ufer des Dingo Creek und fand die Welt seltsam leise. Er trug Wathosen, er hatte Netze dabei, Stoffbeutel, ein Mini-Narkosegerät. Er hoffte, in der Nacht ein paar Schnabeltiere im Bach zu finden und untersuchen zu können – sofern sie die Brände überstanden hatten.

Acht Monate zuvor war hier, im ausgedörrten New South Wales, eines der ersten Infernos des "Schwarzen Sommer" losgetobt. Lodernde Flammen verwandelten damals Weiden zu Aschefeldern, zerstörten Dutzende Wohnhäuser, selbst der Regenwald brannte lichterloh. Mittlerweile überwucherten grüne Triebe die verkohlte Landschaft. "Doch die Natur ist nicht mehr dieselbe", konstatierte Bino. "Oben fehlen die Baumriesen mit den Vögeln. Und unten die Rufe der Frösche." Kein gutes Omen für seine Schnabeltiersuche.

Der Platypus, so der englische Name des Wasserbewohners, ist eine australische Ikone, ein Wunder der Tierwelt, das in der Wissenschaft für Dauerwirbel sorgt, seit der Gouverneur der damaligen Sträflingskolonie New South Wales, John Hunter, im Jahr 1797 ein abgezogenes Fell nach England schickte, wo es am British Museum in London untersucht wurde. Für ihre weißen Entdecker war die Art schlichtweg ein Rätsel. Frühe Taxonomen zwang sie, ihr Weltbild zu erweitern. Genetikern öffnete sie später den Blick in Millionen Jahre alte Stammbäume.

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