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Tierkommunikation Was es bedeutet, wenn Ihr Hund Sie anstarrt

Hund starrt Menschen an
Wenn ein Hund seinen Bezugsmenschen anstarrt, kann dies viele Gründe haben. Eines ist aber sicher: Das Tier fordert Aufmerksamkeit
© Alexandr - Adobe Stock
Jeder, der einen Hund zuhause hat, kennt die intensiven und langen Blicke, mit denen einen der Vierbeiner hin und wieder fixiert. Dieses Verhalten kann unterschiedliche Ursachen haben, doch eines ist sicher: das Tier möchte sich mitteilen

Wer einen Hund bei sich zuhause wohnen hat oder regelmäßig mit einem Vierbeiner zusammen ist, wird es sicherlich in der ein oder anderen Situation auch schon bemerkt haben: Hunde lieben es, ihre Bezugspersonen regelrecht anzustarren.

Sei es bei einem gemütlichen Nachmittag im Wohnzimmer, während der Arbeit im Büro, auf einem Spaziergang im Wald oder beim Zusammentreffen mit anderen Hundehaltern und ihren Vierbeinern – Hunde suchen immer wieder intensiven Blickkontakt mit Herrchen und Frauchen.

Gründe für das Anstarren kann es viele geben, doch immer möchte der Hund damit eines bezwecken: Aufmerksamkeit. Das Tier versucht sich mitzuteilen. Die häufigsten Situationen, in den Hunde ihre Bezugspersonen anstarren und wie der Blick zu verstehen ist, erklären wir im Folgenden.

Starren zeigt eine Erwartungshaltung

Wohl kaum etwas lässt Herrchen und Frauchen so schwach werden wie der berühmte Hundeblick. Ein Blick in die treuen großen Augen der Fellnase genügt und schon ist die Versuchung groß, sämtliche Erziehungstipps in den Wind zu schlagen und dem Tier all seine Wünsche zu erfüllen (die sich meistens um das Thema Futter drehen).

Hunde sind sich der Wirkung ihres Blicks durchaus bewusst – und setzen ihn mit Vorliebe dann ein, um etwas von Herrchen und Frauchen zu erbetteln. Das kann das Essen sein, das gerade vor uns auf dem Teller liegt oder aber die Hoffnung, dass beim Kochen etwas von den Zutaten für den erwartungsvollen Vierbeiner abfällt.

Wer in solchen Situationen dem eindringlichen, manchmal gar vorwurfsvollem Blick des eigenen Vierbeiners nicht widerstehen kann, sei gewarnt: Wer auf den Blick eingeht, wird dem Tier dieses Bettel-Verhalten unbewusst antrainieren. Der Hund verknüpft mit seinem Betteln eine Belohnung. Ergo wird er dieses Verhalten immer wieder an den Tag legen.

Instensives Blicken zur Verständigung

Über Jahrtausende haben Hunde gelernt, mit dem Menschen zu kommunizieren. Sie vermögen unsere Worte, Stimmlage, Gesten und unsere Gesichtsausdrücke zu interpretieren. Im Jahr 2015 konnten Forschende der tiermedizinischen Universität Wien sogar nachweisen, dass Hunde verstehen, welche Emotionen sich im Gesicht eines Menschen abspielen. Eine Fähigkeit, die nach heutigem Forschungsstand in der Tierwelt einzigartig ist.

Ist ein Vierbeiner nicht sicher, was Herrchen oder Frauchen von ihm möchte oder versucht er, das Gesagte seiner Bezugsperson zu verstehen, so schaut er dieser aufmerksam in die Augen. Häufig legen Hunde dabei auch ihren Kopf schief und konzentrieren sich angestrengt, um den Wortklang zu entschlüsseln.

In einer solchen Situation kann man sich der vollen Aufmerksamkeit des Tieres bewusst sein und diese bestens für das Training nutzen.

Suche nach Orientierung und Sicherheit

In ungewohnten Situationen, beim Aufeinandertreffen mit unbekannten Artgenossen oder an neuen Orten suchen Hunde häufig den Blick von Herrchen und Frauchen. Die Tiere drücken damit ihre Unsicherheit aus und erhoffen sich von einem Blickwechsel die nötige Orientierung. In solchen Momenten sollte man intensiv auf den nonverbalen Kommunikationsversuch eingehen und mit klaren Kommandos oder aufmunternden Gesten dem Tier die nötige Sicherheit vermitteln.

Eine weitere Situation, in der Hunde häufig Blickkontakt und damit Schutz bei ihrer Bezugsperson suchen, ist beim Verrichten des Geschäfts. Tatsächlich behalten die Vierbeiner häufig ihren Menschen beim Koten – ein Moment, in dem sie sehr schutzlos sind – aufmerksam im Auge.

Auch wenn dieses Verhalten den ein oder die andere irritieren mag, so ist es ganz natürlich. Hunde erwarten, dass Herrchen und Frauchen die Umgebung im Blick behalten, damit sie in Ruhe ihr Geschäft verrichten können und dabei nichts passiert.

Blicke als Zeichen der Zuneigung

Wenn alle Bedürfnisse eines Hundes erfüllt sind, er genügend geistige Stimulation bekommt und in entspannter Haltung Herrchen oder Frauchen anstarrt, dann blickt der Vierbeiner aus dem wohl schönsten Grund: Liebe. Mit intensiven Blicken möchte ein Hund seine Zuneigung ausdrücken und sagen: "Du bist alles für mich."

Verantwortlich dafür ist offenbar dasselbe Hormon, das auch für die Mutter- Kind-Bindung bei uns Menschen ausschlaggebend ist: Oxytocin, das auch als "Kuschelhormon" bekannt ist. Der intensive Augenkontakt zwischen Mensch und Hund stärkt also die Beziehung zueinander.

Japanische Wissenschaftler von der Azabu University in Sagamihar konnten diesen Effekt auch im Rahmen einer Studie belegen. Ihre Untersuchungen zeigten, dass intensiver Augenkontakt zwischen Mensch und Hund den Oxytocin-Spiegel auf beiden Seiten ansteigen ließ.

Die Forschenden beobachteten dazu Kontakte zwischen Hunden und ihren Besitzern und entnahmen sowohl vor als auch nach den Streicheleinheiten Urinproben von Hund und Halter. Ergebnis: Sowohl beim Menschen als auch beim Haustier war nach einer halben Stunde Interaktion (gegenseitiges Ansehen, Sprechen, Tätscheln) viel mehr Oxytocin im Körper als vorher.

Damit hat die Wissenschaft etwas belegt, was viele Hundehalter und Hundehalterinnen vermutlich eh schon längst wussten: ein langer und intensiver Blickaustausch mit dem eigenen Vierbeiner macht glücklich und entspannt.

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