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Die Termite sorgt für prima Klima


Auf der Suche nach energiesparenden Bauweisen inspizieren Wissenschaftler das Belüftungssystem von Termitenbauten

Ginge es nach Rupert Soar, würde das Niedrigenergiehaus der Zukunft nach dem Bauplan eines Termitenhügels errichtet. Das wäre ein Gebäude, das fast ohne Energie zum Heizen und Kühlen auskäme.

Zusammen mit einem Team aus britischen und amerikanischen Versorgungstechnikern und Insektenkundlern vermisst der Ingenieur von der Loughborough University im englischen Leicestershire zurzeit in der Namib-Wüste Bauten der Termitenart Macrotermes michaelseni. Dabei interessieren sich die Wissenschaftler vor allem für das weit verzweigte Be- und Entlüftungssystem der bis zu drei Meter hohen Hügel, das Temperatur, Luftfeuchtigkeit und Sauerstoffgehalt optimal reguliert. Es besteht aus einem breiten zentralen, schornsteinartigen Längskanal, der an seiner Oberseite mit einem porösen Deckel verschlossen ist; dieser Schacht ist über ein weit

verzweigtes Labyrinth aus schmalen Querstollen mit Röhren an der Außenseite des Bauwerks verbunden.

Die eigentlichen Wohnstätten der Insekten liegen gewissermaßen im Kellergeschoss. Neben den Arbeiterquartieren befinden sich dort die Königskammer, die Aufzuchtstation für den Nachwuchs und die Pilzgärten, in denen die Nahrung der blassweißen Insekten heranreift.

Bislang wurden die Behausungen der Termiten nur grob erforscht - etwa durch das Ausgießen mit flüssigem Beton oder Kunststoff und durch das Abtragen in zehn Zentimeter dicken Scheiben (zum Verfahren siehe GEOskop Nr. 4/2004). Entsprechend vage ist bisher die Vorstellung von der Funktionsweise des unterirdischen Lüftungssystems.

Danach steigt die durch die Aktivität der Insekten im Untergeschoss angewärmte Luft in dem zentralen Kamin auf und verteilt sich in dessen seitlichen Gängen. An den Poren der Außenwände findet der Gasaustausch mit der Umgebung statt: Überschüssiges Kohlendioxid wird abgegeben und Sauerstoff aufgenommen. Anschließend gelangt Frischluft wieder nach unten in die Wohnräume.

Mithilfe dreidimensionaler Messungen wollen die Wissenschaftler jetzt herausfinden, wie die Luft durch die Miniaturtunnel strömt. Dazu fräsen sie einen Hügel von der Spitze her um jeweils einen Millimeter ab und scannen alle Strukturen in einen Computer ein. Der Rechner setzt die einzelnen Schichten dann virtuell zu einem dreidimensionalen Objekt zusammen, in dem Forscher verschiedene Belüftungsszenarien testen und mit den an realen Termitenbauten gemessenen Daten vergleichen können. Nach den entdeckten Prinzipien sollen schließlich Niedrigenergiehäuser für Menschen entwickelt werden - zunächst am Computer.

Doch nicht nur Architekten könnten sich von der Baukunst der Insekten inspirieren lassen: Laut Rupert Soar ist der Termitenhaus-Stil auch für die Besiedlung der klimatisch extremen Regionen auf Mond oder Mars die perfekte Art, sich häuslich einzurichten.

Alle GEOSKOPE aus dem Magazin Nr. 4/05

GEO Nr. 05/97

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