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Invasive Arten: Südamerikanische Ameise erobert die Welt


Die nur drei Millimeter große Argentinische Ameise hat ein weltumspannendes Imperium errichtet - mit Hilfe des Menschen

Die nur stecknadelkopfgroße Argentinische Ameise (Linepithema humile) trägt ihren Namen schon lange nicht mehr zu Recht. Sie stammt zwar aus dem nördlichen Argentinen. Doch die Ausmaße ihrer Staatengebilde - das zeigen neuere Forschungen - brechen alle Rekorde. Ein japanisch-spanisches Forscherteam vermutet, dass sich eine Megakolonie dieser Spezies über alle Kontinente erstreckt. Ausgenommen ist nur die Antarktis.

Schon seit einigen Jahren ist bekannt, dass nach Europa eingeschleppte Individuen der Art entlang der Mittelmeerküste die größte bekannte Ameisenstraße der Welt errichtet haben. Eine Kette von Staaten, zwischen denen reger Austausch herrscht, zieht sich auf einer Länge von rund 6000 Kilometern von der italienischen Riviera bis zum Nordwesten Spaniens. In den USA erstreckt sich eine solche Superkolonie über 900 Kilometer entlang der Küste Kaliforniens. Eine dritte Superkolonie entdeckten Forscher an der Westküste Japans.

In der Regel haben Ameisen fest umrissene Territorien und bekämpfen Angehörige anderer Staaten - auch wenn sie derselben Art angehören - bis zum Tod. Die Individuen der Superkolonien jedoch verhalten sich untereinander nicht feindlich. Auch wenn sie Nester bewohnen, die Hunderte von Kilometern voneinander entfernt liegen.

Klein, aber gefährlich: Die Argentinische Ameise bringt ganze Ökosysteme in Bedrängnis
Klein, aber gefährlich: Die Argentinische Ameise bringt ganze Ökosysteme in Bedrängnis
© Odilon Dimier/ZenShui/Corbis

Eine große Familie

Freund oder Feind? - Ameisen erkennen sich am Geruch
Freund oder Feind? - Ameisen erkennen sich am Geruch
© George D. Lepp/CORBIS

Nun haben der Insektenforscher Eiriki Sunamura und seine Kollegen die internationalen Beziehungen der Tiere untersucht, wie sich also Tiere aus der amerikanischen, der europäischen und der japanischen Superkolonie untereinander verhalten. Verdutzt stellten die Experten fest, dass die Arbeiterinnen sich wie Angehörige ein- und desselben Staates benahmen. Beim Tête-à-tête in der Petrischale betasteten sie sich friedlich mit ihren Fühlern und verhielten sich wie alte Freunde. Daraus folgern die Wissenschaftler, dass es sich bei den Angehörigen der drei Superstaaten um eine einzige Megakolonie handeln könnte.

Die Größe dieses Staatengebildes, so schreiben die Forscher im Fachjournal "Insectes Sociaux", lasse sich nur mit der menschlichen Bevölkerung vergleichen.

Gemeinsam sind sie stark

Eine mögliche Erklärung für die rasante Ausbreitung der winzigen Krabbler ist ihre ausgeprägte Kooperation. Als Feind wird nur wahrgenommen, wer anders riecht. Doch die Kohlenwasserstoffe auf der Kutikula, der Chitinhaut der Insekten, sind bei den Angehörigen des Megakolonie sehr ähnlich - eine Folge der geringen genetischen Varianz innerhalb seiner Mitglieder. Schließlich sind die Superkolonien in relativ kurzer Zeit entstanden; ihre Mitglieder sind allesamt Nachkommen von wenigen Individuen. So nehmen sich die Tiere gegenseitig als Familienmitglieder wahr.

Der wichtigste Helfer bei dem weltweiten Ameisen-Feldzug ist der Mensch. Und er ist es auch, der die Megakolonie wachsen lässt - indem er die Insekten mit Schiffsfracht innerhalb der Staatengemeinschaft weitertransportiert.

Für Biologen ist der Siegeszug der Argentinischen Ameise ein ökologisches Desaster. Das Insekt zählt zu den "100 schlimmsten eingeschleppten Tierarten". Die Tiere verdrängen einheimische Ameisenarten und schädigen so das ganze Ökosystem.


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