Physik Schleck mich hoch, Kitty

Wenn Katzen trinken, ist eine gehörige Portion Zungenphysik im Spiel. Und ein millisekundengenaues Timing

Über Jahre war es ein Rätsel, wie Katzen ihre Flüssigkeitsaufnahme bewerkstelligen. Sie können ihre Milch nicht, wie Menschen, mit Lippen umschließen und im Mund einen Unterdruck erzeugen. Aber sie schlabbern auch nicht wie ein Hund: Der formt mit der Zunge eine Art Löffel und schaufelt sich das Wasser portionsweise ins Maul. Wie machen es die Katzen dann? Dazu haben Forscher den Haustigern jetzt genau aufs Maul geschaut.

In Zeitlupe konnten sie sehen, wie die bauchwärts abgeknickte Zungenspitze der Katze ins Schälchen saust. Sie taucht aber nicht ins Wasser ein, sondern berührt die Flüssigkeit nur oberflächlich. An der Zungenfläche bleibt etwas Nass haften und reißt, mittels Adhäsionskraft, eine größere Portion mit sich in die Luft.

In dem Moment, wenn der oberste Teil der Wassersäule wieder zu fallen beginnt und der nachfolgende Teil sich noch in Aufwärtsbewegung befindet, schnappt das Katzenmaul zu. Als die Forscher daraufhin mit einer kleinen Scheibe die Zungenbewegung und den Wasserhub simulierten, stellten sie fest, wie perfekt Katzen den Zeitpunkt erwischen, um möglichst viel Flüssigkeit aufzunehmen. Sie schließen das Maul fast immer im günstigsten Zeitfenster: 10 bis 70 Millisekunden, bevor die Schwerkraft alles Wasser wieder nach unten zieht. Der gesamte Vorgang wiederholt sich etwa viermal pro Sekunde.

Früher hatten Wissenschaftler angenommen, dass das Wasser an Widerborsten der Zunge hängen bliebe. Doch die Spitze ist frei von diesen Härchen.

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