Biologie Der gepolte Fuchs

Bei der Jagd orientiert sich der schlaue Räuber offenbar am Magnetfeld der Erde

Hynek Burda, Zoologe an der Universität Duisburg-Essen, wunderte sich: Rotfüchse, so hatte er beobachtet, sind beim Sprung auf ein Beutetier viel erfolgreicher, wenn sie sich an der nordsüdlichen Kompassachse ausrichten. Stand der Räuber südlich seines Opfers, glückten ihm mehr als 80 Prozent der Beutesprünge. Aus nördlicher Position waren es immerhin noch 60 Prozent, während die Erfolgsquote in anderen Ausrichtungen unter 15 Prozent lag - so das überraschende Fazit des deutsch-tschechischen Wissenschaftlerteams. Der Effekt war insbesondere im Schnee oder in dichter Vegetation zu erkennen, wo der Fuchs seine Beute zwar hören, aber nicht sehen kann. Wie lässt sich das erklären?

Die Forscher deuten ihre Resultate als Hinweis auf einen Magnetsinn des Fuchses. Und dass magnetisch empfängliche Tiere ihren "inneren Kompass" nicht nur zur Orientierung nutzen (wie Zugvögel), sondern auch, um Entfernungen zu messen. Vermutlich "berechnet" der Fuchs die Distanz anhand des Neigungswinkels der Magnetfeldlinien - was deshalb nur auf der Kompassachse funktionieren kann. Seine Beute ortet er daher wohl mit einer Kombination aus Hörsinn (für die Richtung) und Magnetsinn (für die Entfernung). Wie bei einem Zielerkennungsgerät gibt der innere Kompass dem Fuchs bei optimalem Abstand zur akustisch georteten Maus den Impuls zum Beutesprung.

Neben Zugvögeln sind auch Wale für das Magnetfeld empfänglich. Die Forscher um Burda haben jedoch kürzlich auf Satellitenbildern entdeckt, dass sich selbst Kühe oft in einer Nordsüdrichtung ausrichten. Nur nicht unter Hochspannungsleitungen. Ein Indiz für den Einfluss des Erdmagnetfeldes - denn das ist unter den Stromkabeln gestört. Außerdem sind Schlafplätze von Hirschen häufig an der Kompassachse ausgerichtet. Warum - das ist bisher ungeklärt.

GEO Nr. 03/11 - Körpersprache
GEO Nr. 03/11
Körpersprache