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Archäologie Biologie: Wie Rudolph cool bleibt


Wenn Rentiere rennen, müsste sich ihr Körper eigentlich überhitzen. Das tut er aber nicht

Ein Marathonläufer würde kaum auf die Idee kommen, sich einen Wollpullover überzuziehen. Andererseits ist ein dichtes Fell das Beste bei arktischer Kälte. Ein echtes Dilemma für dickfellige Rentiere in der Tundra, die schon mal vor einem schnellen Raubtier davonsprinten müssen.

Doch offenbar haben die Tiere ein geeignetes Mittel gegen Überhitzung gefunden - eine besondere Atmung, wie Arnoldus Blix’ Team von der norwegischen Universität Tromsø herausfand. Die Forscher ließen neun weibliche Rentiere in einer Klimakammer auf dem Laufband traben. In mehrwöchigem Training gewöhnten sie die Tiere daran, 20 Minuten mit neun Kilometer pro Stunde zu trotten, und maßen Atemfrequenz, Hirntemperatur und Blutfluss durch Gefäße im Kopf.

Während der Tests wurde die Raumtemperatur kontinuierlich von zehn auf 30 Grad erhöht. Dabei änderte sich die Atmung der Tiere in drei Phasen: Die Atemfrequenz steigerte sich rasch von sieben auf 250 pro Minute, und sie zogen kalte Luft durch die Nase ein. Dabei verdunstet Wasser von den Schleimhäuten, wodurch das Blut im Nasenraum abkühlt. Bei längerem Laufen kühlten die Tiere zusätzlich mit heraushängender Zunge, ähnlich dem Hecheln von Hunden. Überstieg die Temperatur des Hirngewebes die kritische Marke von 39 Grad Celsius, schalteten die Rentiere einen "Wärmetauscher" zu: Dabei kühlt in einem be sonderen Gefäßnetz, in dem Venen und Arterien nebeneinanderliegen, kaltes Venenblut warmes arterielles ab, das zum Gehirn fließt.

GEO Nr. 12/11 - Der gekaufte Bauch

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