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Verhalten Friede, Freude, Fremdenliebe

Bonobos teilen freiwillig ihr Futter - sogar lieber mit fremden als mit bekannten Artgenossen
Verhalten: Orange abzugeben gegen nähere Bekanntschaft
Orange abzugeben gegen nähere Bekanntschaft
© Martin Harvey/Corbis

Unsere friedfertigen nächsten Verwandten sind dafür bekannt, bei Konflikten auf Kuschelkurs zu gehen oder sie über beiläufige Sexualkontakte zu lösen. Nun machten die Anthropologen Jinghzi Tan und Brian Hare von der Duke University in Durham weitere verblüffende Entdeckungen über die äffischen Pazifisten. Sie sahen, dass sich die in der Demokratischen Republik Kongo lebenden Menschenaffen sogar Gruppenfremden gegenüber nicht nur friedfertig, sondern auch altruistisch verhalten.

Im Primatenschutzzentrum Lola ya Bonobo nahe Kinshasa führten die Forscher Studien mit ingesamt 15 verwaisten Bonobos durch, die sich teils völlig fremd waren und teils aus der eigenen Gruppe kannten. Sie begannen damit, den Primaten ihr Obst-Frühstück in einem Gehege anzubieten, an das zu beiden Seiten je ein weiterer Käfig mit jeweils einem fremden und einem bekannten Tier grenzte. Die Bonobos hatten die Möglichkeit, den Leckerbissen allein zu verspeisen oder aber einen oder auch beide anderen benachbarten Artgenossen zum Essen einzuladen. Was sie taten, ist erstaunlich: Neun von 14 beobachteten Tieren öffneten zunächst dem Fremden die Käfigtür, um das Futter mit ihm zu teilen. Die "Befreiten" wiederum ließen häufig anschließend auch den dritten Affen aus seinem Gehege und ans Futter. Nur zwei Tiere aßen ihr Futter ganz allein.

Durch ihr generöses Verhalten gegenüber Fremden sind Bonobos in der Lage, ihr soziales Netzwerk zu erweitern. Damit unterscheiden sie sich erheblich von den viel fremdenfeindlicheren Schimpansen.

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