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Kommunikation Buckelwale "belauschen" Orcas - und ziehen daraus Konsequenzen

Buckelwal
Orcas greifen eher junge, unerfahrene Buckelwale an
© Craig Lambert Photography / shutterstock
Orcas und Buckelwale sind nicht nur Nahrungskonkurrenten. Manche der "Killerwale" machen auch Jagd auf die wesentlich größeren Meeressäuger. Um welche Sorte Orca es sich handelt, erkennen Buckelwale schon von weitem

Dass Wale unter Wasser über weite Strecken kommunizieren, ist bekannt. Über mehrere Hundert Kilometer sind die Gesänge mancher Wal-Arten für Artgenossen hörbar. Doch offenbar hören sich die verschiedenen Spezies auch gegenseitig ab – und richten ihr Verhalten danach aus. Das hat jetzt ein internationales Forscherteam um den Meeresbiologen Benjamin Benti von der Universität im schottischen St. Andrews beobachtet.

Wie sie im Fachblatt „Marine Ecology Progress Series“ berichten, reagieren Buckelwale vor der Küste Norwegens und Spitzbergens auf die Unterhaltungen von Orcas, die sich in der Nähe aufhalten. Solche Gesprächsfetzen von Orcas aufzuschnappen, ist für Buckelwale doppelt wichtig - um nicht selbst zur Beute der gewieften Jäger zu werden, oder um sich von ihnen zu reichen Futtergründen leiten zu lassen.

Video: Buckelwal wehrt sich stundenlang gegen einen Orca-Angriff - und überlebt

Buckelwal wird von Schwertwalen attackiert

Die bis zu neun Meter langen Orcas vor der Nordwestküste Nordamerikas jagen Robben – und neugeborene, junge oder unerfahrene Wale, die sie ausschließlich im Team angreifen. Die Artgenossen an der Küste Norwegens dagegen haben sich auf kleine Fische wie Heringe spezialisiert: Sie treiben sie zusammen, kreisen den Schwarm mit Blasenschleiern ein, und betäuben die quirligen Fische schließlich mit dem kraftvollen Schlag der Schwanzflosse.

Ein Dialekt steht für "Lebensgefahr", ein anderer für "Futter"

Dass verschiedene Gruppen von Orcas Dialekte sprechen, wissen Meeresbiologen schon seit 1990. Spielten die Forscher um Benjamin Benti den Tieren nun die Gespräche der „Großwildjäger“ unter den Orcas vor, ergriffen die Buckelwale in sieben von acht Fällen die Flucht. Und nicht nur das: Die Bartenwale schwammen sogar auch dann noch weiter in die Gegenrichtung, wenn die Orca-Gespräche verstummt waren. Offenbar wissen sie, dass Orcas vor und nach der Jagd gerne schwätzen, aber still sind, wenn es zur Sache geht – um sich nicht zu verraten. Die Buckelwale mussten also damit rechnen, dass ein Angriff begonnen hatte.

Anders verhielt es sich, wenn die Meeresbiologen den bis zu 15 Meter langen Riesen die Unterhaltungen der ortsansässigen Fischjäger unter den Orcas vorspielten. Dann schwammen die Buckelwale in die Richtung der Schallquelle. Um sich von den vermeintlichen Futterkonkurrenten zu einer ergiebigen Futterquelle leiten zu lassen.

Das Fluchtverhalten scheint umso ausgeprägter zu sein, je verletzlicher die Buckelwale sich fühlen. Als die Forscher den gut genährten und ausgewachsenen Tiere im Winter in den nordnorwegischen Fjords die Orca-Unterhaltungen vorspielten, reagierten die Buckelwale seltener. Offenbar trauten sie sich schon zu, es auch mit mehreren Orcas aufzunehmen.


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