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Unterwasserwelt Erstaunliche Selbstheilungskräfte: Wie Walhaie Verletzungen überstehen

Walhai
Walhaie erreichen eine Körperlänge von bis zu 18 Metern und sind damit nicht nur die größten Haie, sondern auch die größten Fische der Erde
© Chainarong Phrammanee / shutterstock
Walhaie schwimmen gerne an der Oberfläche der Gewässer, was sie zu einem beliebten Ziel von Walbeobachtungstouren macht - und anfällig für Zusammenstöße mit Schiffen. Zumindest die sichtbaren Verletzungen heilen schnell

Walhaie verfügen über ausgesprochen gute Selbstheilungskräfte: Verletzungen wie Schnitte oder Abschürfungen heilen innerhalb weniger Wochen, berichten Wissenschaftler im Fachmagazin «Conservation Physiology». Bei einem der von ihnen beobachteten Tiere wuchs sogar eine amputierte Flosse zum Teil wieder nach. Walhaie können sich unter anderem bei der Paarung oder aggressiven Auseinandersetzungen verletzten, nehmen immer häufiger aber auch bei Kollisionen mit Booten Schaden.

Walhaie erreichen eine Körperlänge von bis zu 18 Metern und sind damit nicht nur die größten Haie, sondern auch die größten Fische der Erde. Ihr Lebensraum sind die tropischen und subtropischen Meere, wo sie sowohl in der Nähe der Küste als auch im offenen Meer oft nahe der Oberfläche schwimmen. Das macht sie zu einem beliebten Ziel von touristischen Walbeobachtungstouren - und besonders anfällig für Zusammenstöße mit Schiffen.

Auch Müll im Meer, Fischereipraktiken oder Forschungseinsätze könnten Verletzungen bei den Tieren hinterlassen, schreiben die Wissenschaftler um Freya Womersley von der britischen Marine Biological Association in ihrem Artikel.

Die Forscher stellten verschiedene Arten von Verletzungen fest

Im Allgemeinen seien durch menschliche Einflüsse hervorgerufene Verletzungen schwerer und komplexer als natürliche, über den Heilungsverlauf sei bisher wenig bekannt. Die Forscher untersuchten nun mit Hilfe von Fotografien, in welchem Zeitraum welche Wunden bei einzelnen Walhaien verheilten. Die Fotos wurden während mehrerer Forschungseinsätze im Golf von Tadjoura am Horn von Afrika und vor dem südlichen Ari Atoll der Malediven gemacht. Die individuellen Fleckenmuster an den Flanken der Walhaie ermöglichten es, einzelne Tiere auseinanderzuhalten und den Heilungsverlauf zu verfolgen.

Die Forscher stellten verschiedene Arten von Verletzungen fest, darunter Abschürfungen, Schnittwunden, Amputationen von Teilen einer Flosse oder einer gesamten Flosse, Bisswunden oder auch stumpfe Verletzungen. Die Auswertung ergab, dass selbst schwere Wunden innerhalb von kurzer Zeit verheilten.

So schrumpfte die Wundfläche bei schweren Verletzungen innerhalb von drei Wochen um mehr als die Hälfte, bei leichteren Verletzungen waren im gleichen Zeitraum mehr als 80 Prozent der Wunde geschlossen. In einem Fall war die Wundfläche bereits nach vier Tagen um die Hälfte geschrumpft.

Schürfwunden heilten den Wissenschaftlern zufolge im Allgemeinen schneller als Schnittwunden, die häufig bei Bootskollisionen auftreten. Bei einem Walhai wuchs eine abgetrennte Rückenflosse teilweise nach - eine derartige Regeneration von Gewebe sei erstmals bei einem Walhai nachgewiesen worden, schreiben die Forscher.

Da die Beobachtung ein Einzelfall sei, sei aber nicht anzunehmen, dass die Tiere über eine ähnliche Regenerationsfähigkeit verfügen wie manche Amphibien, die etwa ganze Gliedmaßen nachwachsen lassen können.

«Mit unserer neuen Methode konnten wir feststellen, dass diese Haie in Zeiträumen von Wochen und Monaten von sehr schweren Verletzungen geheilt werden können», sagt Womersley in einer Mitteilung der University of Southampton. «Dies bedeutet, dass wir jetzt ein besseres Verständnis der Verletzungs- und Heilungsdynamik haben, was für das Naturschutzmanagement sehr wichtig sein kann.»

Forscher appellieren, Auswirkungen des Menschen auf Walhaie zu minimieren

Auf den ersten Blick wirke es, als seien Walhaie sehr widerstandsfähig und könnten die durch menschliche Einflüsse verursachten Verletzungen gut überstehen. Es gebe jedoch auch andere Verletzungsfolgen, die nicht so gut sichtbar seien. Innere Verletzungen oder Entzündungen könnten etwa das Schwimm- und Fressverhalten der Tiere beeinträchtigen und die allgemeine Fitness einschränken.

Vor allem nahe der Küste, wo es zunehmend zu Zusammenstößen mit Booten kommen, müssten die Tiere besser vor Verletzungen geschützt werden. «Die Populationen von Walhaien gehen weltweit infolge der vielfältigen Bedrohungen durch menschliche Aktivitäten zurück», sagt Womersley. «Daher ist es unerlässlich, dass wir die Auswirkungen des Menschen auf Walhaie minimieren und die Art dort schützen, wo sie am gefährdetsten ist, insbesondere dort, wo die Wechselwirkungen zwischen Mensch und Hai hoch sind.»

Anja Garms, dpa


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