Invasive Art Röhrenwurm breitet sich in Ostsee aus - und wird zum Problem für Bootsbesitzer

Er sieht aus wie ein Staubwedel, befällt Boote und Stege: Der Australische Röhrenwurm könnte sich invasiv an der deutschen Ostseeküste ausbreiten
Federwurm

Kalkröhrenwürmer und Federwürmer - hier ein Exemplar vor den Salomonen - sind eng miteinander verwandt und ähneln mit ihren federartigen Tentakeln optisch einem Staubwedel

Warum Röhren- und Federwürmer im Englischen auch liebevoll als Feather Duster – also als Staubwedel – umschrieben werden, erklärt sich bei einem Blick auf ihr Äußeres: Die sessilen - also festsitzenden - Australischen Röhrenwürmer sind nur rund fünf Zentimeter klein und leben in knapp 10 Zentimeter langen Röhren, die sich die Tiere selbst bauen. Aus den Röhren ragen Tentakeln heraus, welche die Vielborster nutzen, um Kleinstlebewesen aus dem Wasser zu filtern. 

Die kleinen Würmer bauen ganze Strukturen an Kalkröhren und leben ­– wie Muschelbänke oder Riffe ­– dicht aneinander in entsprechend großen Matten an Steinen, Stegen und Häfen - und auch an Booten. Und genau darin liegen Ursprung und Problematik des an der deutschen Ostseeküste vermehrt aufgetretenen Australischen Röhrenwurms: Er muss über den Schiffsverkehr aus dem indo-pazifischen Raum eingeschleppt worden sein und macht genau da weiter, wo er aufgehört hat. Seit Ende 2020 entdecken Bootsbesitzer an der Ostsee die Kalkteppiche vermehrt am Schiffsrumpf oder der Ruderanlage ihrer Wasserfahrzeuge.

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Forscher bitten um Mithilfe

Michael Zettler, Meeresbiologe am Institut für Ostseeforschung Warnemünde, spricht gegenüber dem Deutschlandfunk von einer möglichen Besiedelung bis hin zur „Manövrierunfähigkeit“ und befürchtet, dass Bootsbesitzer nun vermehrt zu chemischen Lösungen, wie Antifouling, zum Schutz vor unerwünschtem Bewuchs greifen. Mittel, die ihre giftigen Spuren im Wasser hinterlassen könnten. 

Der Experte zur Erforschung benthischen Lebens zeigte sich nicht nur überrascht darüber, wie schnell diese Organismen eine so enorme Biomasse im Einzugsgebiet der Warnow und rund um Stralsund erreicht haben. Er rechnet auch zukünftig damit, dass die neu-angesiedelte Art in eine Raumkonkurrenz mit heimischen Arten treten könnte, wenn sie keine freie Nische findet: „Da werden Arten zurückgedrängt werden, und andere Arten werden wieder davon profitieren.“ Wer selbst betroffen ist, kann dem Aufruf des Warnemünder Meeresbiologen folgen und die Arbeit der Ostseeforscher mit Fotomaterial oder Proben unterstützen.