Guatemala Seltenes Videomaterial: Jaguar tötet Ozelot am Wasserloch

Im Dschungel von Guatemala filmte eine Kamerafalle eine dramatische Szene: An einem Wasserloch überfällt ein Jaguar eine kleinere Raubkatze – und tötet sie. Forscher vermuten einen Zusammenhang mit der Klimakrise

Es sind nur zehn Sekunden, in denen sich das Schicksal dieses Ozelots entscheidet: Ein Video einer Kamerafalle zeigt, wie ein Jaguar in Richtung eines Wasserlochs schlendert. Vielleicht, um zu trinken? Nur einen Moment später trifft die Raubkatze auf einen kleineren Ozelot – und tötet ihn sofort. Die letzten Sekunden des Videos zeigen den Angreifer, der mit seiner Beute zurücktrabt.

Die schon im März 2019 aufgezeichnete Szene haben Wildtierbiologen der Washington State University und der Wildlife Conservation Society jetzt in einer Studie beschrieben und ausgewertet: ein Sensationsfund. Denn dass eine Raubkatze einen Verwandten angreift und tötet, wird nur äußerst selten beobachtet. Bilder vom Angriff eines Jaguars auf den deutlich kleineren Verwandten gab es bislang aber nicht.

Die dramatische Szene ereignete sich an einem Wasserloch in Guatemala, im Maya Biosphere Reserve. In dem ungewöhnlich trockenen Jahr kamen besonders viele Tiere des Regenwaldes hierher, um ihren Durst zu stillen.

Trockenheit verstärkt die Konkurrenz am Wasserloch

Die Forscher vermuten, dass auch die Klimakrise ihren Beitrag zu der ungewöhnlichen Begegnung geleistet haben könnte: „Die Tropen stellen wir uns meist nicht gerade als trocken vor“, sagt Daniel Thornton von der Wahington State University, „aber in vielen Gegenden der Welt sind tropische Regenfälle sehr saisonal.“ Im Klimawandel werden Regenfälle vielerorts noch seltener werden. Und je isolierter und seltener Trinkwasser werde, desto mehr tierische Aktivität lasse sich dort beobachten.

Und Konkurrenz um Wasser, wie dieses Video zeigt. Thorntons Kollege Rony García-Anleu von der Wildlife Conservation Society ergänzt: „Leider werden sich der Klimawandel und damit einhergehende Dürren verstärken. Wildtieren, die für ihr Überleben auf Wasserlöcher angewiesen sind, stehen also harte Zeiten bevor.“

Die Forscher hatten in den Jahren 2018 und 2019 insgesamt 42 Wasserlöcher mit Kameras überwacht – von denen allerdings im Jahr 2019 nur 21 Wasser hatten. Die Trinkstelle, an der das spektakuläre Bildmaterial entstand, ist im Umkreis von zehn Kilometern die einzige.

Jaguare sind extrem scheu und lassen sich tagsüber kaum beobachten. Und sie gehen sich aus dem Weg – normalerweise. An diesem Wasserloch allerdings zählten die Forscher insgesamt sieben verschiedene Tiere.