Tauchrekord Fast vier Stunden: Forscher dokumentieren den längsten Tauchgang eines Säugetiers

Cuvier-Schnabelwale sind bekannt für ihre extrem langen Tauchgänge. Doch dass sie fast vier Stunden ohne Sauerstoff auskommen, verblüfft selbst Forscher
Cuvier-Schnabelwal

Rekordhalter unter den Tauchern: der Cuvier-Schnabelwal

Den Tauchrekord im Reich der Säugetiere hielt lange der Südliche See-Elefant. Das klobige Tier schaffte es immerhin, zwei Stunden unter Wasser zu verbringen - und das in einer Tiefe von weit über zwei Kilometern. 2014 dann die Entzauberung: Meeresbiologen dokumentierten den Tauchgang eines Cuvier-Schnabelwals, der es auf zwei Stunden, siebzehn Minuten und 2992 Tiefenmeter brachte. Dass die Wal-Spezies den Platz eins für sich beansprucht, machte nun ein weiterer Rekord deutlich: Die Biologin Nicola Quick von der Duke University konnte mit ihrem Team nachweisen, dass ein Schnabelwal drei Stunden und 42 Minuten unter Wasser blieb.

Schnabelwale sind bekannt dafür, bei der Jagd nach ihrer Lieblingsspeise, den Tintenfischen, in absolut finstere Meerestiefen vorzudringen. Wie die bis zu sieben Meter langen und drei Tonnen schweren Säugetiere derart lange ohne einen einzigen Atemzug auskommen, ist bislang nicht restlos geklärt. Aus früheren Studien ist zumindest bekannt, dass Wale beim Abtauchen und während der Jagd ihren Herzschlag verlangsamen.

Zudem schützen Anpassungen sie vor der so genannten Taucherkrankheit beim schnellen Auftauchen: Ein Teil der Lunge kollabiert beim Abtauchen, der andere wird nur schwach durchblutet. Auf diese Weise reduziert sich die Stickstoffaufnahme, es bilden sich weniger Bläschen im Blut. Nicola Quick geht außerdem davon aus, dass bei tauchenden Schnabelwalen die Stoffwechselrate stark herabgesetzt ist.

Grund für extrem lange Tauchgänge unklar

Für ihre Messungen versahen Quick und ihr Team zwischen den Jahren 2014 und 2018 insgesamt 23 Tiere vor der Küste von North Carolina mit Sensoren. Die schickten ihre Daten während der meist nur wenige Minuten dauernden Erholungszeiten der Tiere an der Wasseroberfläche via Satellit an die Computer der Wissenschaftler. Auf diese Weise konnten die Forscher Daten von 3600 Tauchgängen sichern.

Die meisten von ihnen dauerten zwischen 33 Minuten und zwei Stunden, 13 Minuten. Zwei Tauchgänge aus dem Jahr 2017 allerdings überraschten die Forscher – darunter der jetzt veröffentlichte Rekord-Tauchgang.

Die Wissenschaftler wollten zudem wissen, wie lange die Tiere sich nach unterschiedlich langen Tauchgängen an der Oberfläche erholen. Ihre Vermutung: Je länger die Tauchgänge, desto länger die Erholungszeit dazwischen. Das Ergebnis: Es gibt kein klares Muster. In einem Fall nahm einer der Wale nach einem Zwei-Stunden-Tauchgang die Futtersuche schon nach 20 Minuten wieder auf.

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Warum die beiden Rekord-Wale so extrem lange unter Wasser blieben, darüber können die Forscher nur mutmaßen. „Es könnte sein, dass dort unten besonders viel Beute war, oder dass sie sich bedroht fühlten, vielleicht hat sie auch Lärm gestört“, sagte Quick laut einer Pressemitteilung.

Frühere Studien hatten gezeigt, dass Tiere – zum Beispiel, wenn sie durch Schiffssonar und anderen Unterwasserlärm gestört werden, länger als gewöhnlich tauchen. Auch die beiden Rekord-Tauchgänge hätten, so Quick, nur wenige Wochen stattgefunden, nachdem die Tiere dem Lärm von Marine-Sonar ausgesetzt gewesen seien.