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Indien 40 wilde Leoparden jagen mitten in Mumbai - und retten dadurch Menschenleben

Sie kommen im Dunkeln, streifen durch die Straßen: Mitten in Mumbai leben rund 40 Leoparden. Nun fanden Forscher heraus: Diese Nähe nützt den Menschen – weil die Großkatzen Straßenhunde erlegen
Leopard streift durch Mumbai

Nachts verlassen die Leoparden ihren Rückzugsort, den im Norden Mumbais gelegenen Nationalpark: Sie jagen in der Stadt

Jede Nacht verlassen die Raubkatzen den Dschungel. Sie springen über die Mauer, die ihren Wald umgibt, und machen sich auf in die Straßen Mumbais. Hier, inmitten der Menschen, liegt ihr Jagdrevier: Rund 40 Leoparden durchstreifen Indiens Millionen-Metropole. Tagsüber ziehen sich die Leoparden in den Sanjay-Gandhi-Nationalpark im Norden Mumbais zurück.

Während der Nacht aber schleichen sie sich in Garagen, Villen und Kleingärten, auch in Schulen wurden sie bereits gefilmt. Immer wieder greifen sie auch Menschen an. Doch die Häufigkeit derartiger Attacken sinkt. Denn mittlerweile wissen die Anwohner, wie sie sich schützen und die Tiere verjagen können. Normalerweise greifen Leoparden Menschen ungern an.

Stattdessen sind die Großkatzen auf der Suche nach leichter Beute: beispiels­weise Straßenhunden. Sie stellen in Mumbai rund 40 Prozent der Nahrung der Stadtleoparden, haben Forscher von der University of Queensland in Brisbane, Austra­lien, herausgefunden.

Die Rolle der Raubkatzen sei deshalb zwiespältig: Einerseits gefährden sie die Bewohner Mumbais – andererseits aber retten sie dort auch Menschenleben.

Leoparden verhindern Tollwutinfektionen

Denn von den etwa 95000 Streu­nern, die in der Stadt leben, sind manche mit Tollwut infiziert. An dieser tödlichen Krankheit sterben in Indien jedes Jahr 20000 Menschen, die meisten nach einem Hundebiss.

Rund um den Nationalpark aber halten die Leoparden das Problem in Grenzen: Während im Rest der Stadt bis zu 680 Straßenhunde pro Quadratkilometer leben, liegt die Zahl dort nur bei 17. Insgesamt würden die Leoparden jedes Jahr etwa 1500 Streuner fressen, so die australische Studie. Auf diese Weise würden die Großkatzen 1000 Hundebisse verhindern – und bis zu 90 mögliche Tollwutinfektionen.