Clickertraining So lassen sich auch Katzen einiges beibringen

Sie mögen weniger lernwillig sein als Hunde, doch auch Katzen lassen sich mit dem speziellem Clickertraining einiges beibringen
Clickertraining

Mithilfe eines Klickgeräusches kann die Katze gewünschtes Verhalten lernen – etwa bei Intelligenzspielen

Um 1900 fand der russische Arzt Iwan Petrowitsch Pawlow heraus, dass Hunden bereits der Speichel im Maul zusammenlief, wenn sie nur Schritte hörten, und nicht erst beim Fressen. Sie hatten gelernt, dass es gleich Futter geben ­würde. Zahlreiche weitere Experimente bewiesen in den folgenden Jahrzehnten: Das Verhalten vieler Tiere lässt sich gezielt durch die Erwartung von Belohnungen beeinflussen.

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Auch das Clickertraining, das sich bei Katzen als erfolgreich erwiesen hat, beruht auf diesem Prinzip. Dabei kann die Katze weitgehend selbstständig durch Versuch, Irrtum und Belohnung ein gewünschtes Verhalten erlernen.

Clickertraining braucht ein Ziel

Verwendet wird dafür ein kleines Gerät, ein „Clicker“, bei dem auf Knopfdruck ein Klickgeräusch ertönt. Es klingt immer gleich und kommt in der Umwelt nicht vor, es ist unverwechselbar und außerdem schnell erzeugt. Aber auch ein Kugelschreiber eignet sich – und ist für empfindliche Katzenohren oft angenehmer.

Neben dem Clicker braucht man nur noch mehrere mundgerechte Leckereien (die die Katze besonders mag und eher selten erhält). Und ein Ziel: Welches Verhalten soll bestärkt werden?

Zunächst muss die Katze lernen, was der Klick bedeutet: eine leckere Belohnung. Dafür nimmt man mehrere Leckerchen in die Hand, setzt sich vor das Tier und versteckt die Hand hinter dem Rücken. Nun wird der Clicker gedrückt und sofort ein Leckerchen gegeben. Beim etwa zehnten Mal hat die Katze begriffen, was der Klick bedeutet.

Geklickt wird nur noch, wenn die Katze tut, was der Mensch will

Im zweiten Schritt lernt das Tier, dass es den Klick – und damit die Belohnung – selbst hervorrufen kann, indem sie ein gewünschtes Verhalten zeigt. Nun wird also nur noch geklickt, wenn die Katze tut, was der Mensch will. ­Unerwünschtes Verhalten wird ignoriert.

Auf diese Weise lässt sich gewünschtes Verhalten (etwa Kratzen am Kratzbaum) verstärken und unerwünschtes Verhalten (Kratzen am Sofa) verringern. Geklickt und belohnt wird, sobald die Katze den Kratzbaum nutzt; das Kratzen am Sofa sollte – auch wenn es schwerfällt – ignoriert werden. Allmählich wird sich die Katze damit an das gewünschte Verhalten gewöhnen.

Aber auch komplexere Verhaltensweisen lassen sich bei Katzen auf diese Weise einüben. Soll sie beispielsweise lernen, auf ein Kommando hin in die Transportbox zu gehen, wird der Weg zum Ziel (Sitzen in der Box) in möglichst viele kleine Schritte unterteilt. Zunächst klickt und belohnt der Halter, wenn die Katze nur an der Transportbox schnuppert. Hat sie den ersten Lernschritt verinnerlicht, steigen die Anforderung.

Training mit viel Geduld und ohne Bestrafung

Geklickt wird dann erst, wenn sich die Katze dem Eingang zur Box nähert. Hat sie das gelernt, bekommt sie das Leckerchen, danach, wenn sie den Kopf durch die Tür der Transportbox steckt – und schließlich, wenn sie erst mit den Vorderbeinen und letztend- lich komplett in die Kiste steigt. Sobald die Katze das gewünschte Verhalten mit der ­Belohnung in Verbindung gebracht hat, wird im letzten Schritt ein Kommando eingeführt, etwa „Komm“ oder „Hier rein“. Im besten Fall geht die Katze dann allein auf das Kommando in die Box, in der Erwartung eines Leckerchens.

Wichtig ist, dass die Trainings­einheiten in einer ruhigen Umgebung mit viel Geduld und ohne Bestrafung stattfinden, und zwar dann, wenn die Katze guter Stimmung ist und freiwillig auf das Übungsangebot eingeht. Die Einheiten sollten nur ein paar Minuten dauern, aber häufig wiederholt werden.

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