Haustiere Hund, Katze und Co. als Weihnachtsgeschenke - so reagieren jetzt die Tierheime

Ein lebendiges Weihnachtsgeschenk mag entzückend sein. Doch zu selten wird dabei an die Konsequenzen gedacht. Tierheime versuchen nun dem Problem Herr zu werden
Jack Russell Terrier unter dem Weihnachtsbaum

Wer sich einen Hund anschaffen möchte, sollte diese Entscheidung in Ruhe treffen und nicht auf die Schnelle zu Weihnachten

Auch wenn es ein romantischer Gedanke sein mag, die Liebsten zu Weihnachten mit einem Hund oder einer Katze zu überraschen, bedeutet es für die Tiere selbst Stress und führt oftmals zu einem bösen Erwachen nach den Feiertagen. Dann wenn der Hund nicht den ganzen Tag allein sein kann, die Katze an die Wände geht oder das Kind nicht wie ausgemacht den Kanninchen-Stall säubert, werden die lebendigen Geschenke schnell zur Last und zurückgebracht oder gar ausgesetzt. Viele Tierheime in Deutschland reagieren auf diese Problematik inzwischen mit einem Vermittlungsstopp kurz vor Weihnachten.

Eine groß angelegte Kampagne hat das Tierheim Berlin unter dem Motto „Tiere gehören nicht unter den Weihnachtsbaum“ gestartet. Die größte Auffangstation Europas mit über 1400 Tieren möchte so versuchen die Zahl an unüberlegten Geschenken zu minimieren. „Tiere zu haben, bedeutet Freude und Lebensqualität, aber auch eine große Verantwortung. Der Entschluss, ein Tier zu halten, darf nicht leichtfertig getroffen werden – in den Entscheidungsprozess muss die ganze Familie einbezogen werden“, erklärt Claudia Hämmerling vom Tierschutzverein für Berlin. „Tiere sind Lebewesen mit Bedürfnissen und Gefühlen. Sie eignen sich nicht als Überraschungspakete.“ Da das Tierheim in Berlin natürlich dennoch daran interessiert ist, möglichst vielen Tieren ein neues Zuhause zu vermitteln, gibt es statt dem lebendigen Geschenk die Möglichkeit einen symbolischen Gutschein zu erwerben. Nach den Feiertagen kann dann die ganze Familie in Ruhe nach einem passenden Tier Ausschau halten.

Tierheime bundesweit reagieren

Doch nicht nur in Berlin reagieren Tierheime mit dem Vermittlungsstopp auf die hohe Anzahl an zurückgebrachten und ausgesetzten Tieren in vorangegangenen Jahren. In Niedersachsen haben sich 2018 nahezu alle Tierheime für einen Vermittlungsstopp ausgesprochen, in anderen Regionen sind es bisher vereinzelte Auffangstationen, darunter Siegen, München und Nordhausen. Die Maßnahme zeigte an anderen Stellen bereits in Vorjahren Erfolge: In Bremen landeten beispielsweise nach den Feiertagen deutlich weniger ungewollte Katzen, Kaninchen oder Wellensittiche im Heim.

Andere Häuser würden einen Vermittlungsstopp als nicht unbedingt notwendig ansehen, erläutert Lea Schmitz, Pressesprecherin des Deutschen Tierschutzbundes. „Die meisten Tierheime prüfen gründlich, an wen sie die Tiere vermitteln - unabhängig von der Jahreszeit.

Weihnachten ist kein guter Zeitpunkt für ein Tier

„Die Weihnachtstage sind nicht unbedingt der ideale Zeitpunkt, um ein Tier aufzunehmen. Denn in vielen Familien herrscht durch Gäste oder Abwesenheiten kaum Ruhe“, erklärt Schmitz. Es sei elemtar, die Anschaffung eines Tieres mit allen beteiligten Personen durchzusprechen und sie in Ruhe zu treffen. Dazu gehöre auch darüber nachzudenken, wer auf das Tier im Urlaub aufpasse oder welches Familienmitglied welche Pflichten übernehmen könnte. „Einige Tierheime berichten uns, dass sie einen klaren Zusammenhang zwischen der hohen Anzahl an zurückgegebenen und ausgesetzten Tieren in den Sommermonaten und Weihnachten herstellen können“, sagt Schmitz. Die Sommerurlaube seien meist die erste Herausforderung bei jenen, die ein Tier geschenkt bekämen und sich nicht aktiv dafür entschieden hätten.

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