Federn ohne Tierqual? Das taugen die Daunen-Siegel für Bettwäsche und Winterkleidung

Für wärmende Textilien müssen Gänse weltweit Federn lassen. Doch es gibt mittlerweile Siegel, die Wohlfühlen ohne Tierquälerei versprechen. Was taugen sie?
Daunenjacken, Tierleid

Die Temperaturen befinden sich auf Talfahrt, der erste Schnee lässt grüßen. Wer jetzt viel draußen ist, für den wird warme Winterkleidung immer wichtiger. Wie wäre es mit einer daunengefütterte Jacke?

Tatsächlich schützen Daunen, also die kleinen Federn des Unterkleids, nicht nur Vögel wirksam vor Kälte. Auch in Kleidungsstücken und Bettwäsche ist das Naturmaterial seit Jahrhunderten bewährt. Doch immer mehr Käufer interessieren sich auch für seine Herstellung. Und die ist mit viel Tierleid verbunden.

Denn Gänse, die wichtigsten Lieferanten von Daunen, werden oft nicht nur nach der Schlachtung, sondern auch davor mehrfach „abgeerntet“, also bei lebendigem Leib gerupft. Sobald die Daunen nachgewachsen sind, wird wieder gerupft. Bis zu sechs Mal. Dieser sogenannte Lebendrupf ist für die Tiere nicht nur äußerst schmerzhaft - es kann es auch zu schweren Verletzungen der Haut und zu Knochenbrüchen kommen. Darauf weisen Tierschutzverbände hin.

In der EU ist diese Tierquälerei verboten – eigentlich. Praktiziert wird sie dennoch, nach Angaben der Tierschutzorganisation PETA etwa in Polen, Ungarn und Frankreich. Zudem lässt das EU-Recht ein Schlupfloch. Denn verboten ist zwar das Rupfen lebender Tiere, nicht aber das sogenannte Raufen zur Zeit der Mauser. Also in einem kleinen Zeitfenster, in dem die Vögel natürlicherweise ihr Gefieder wechseln. PETA bezweifelt, dass sich Daunen-Hersteller im Einzelfall ansehen, welches Tier sich gerade in welchem Stadium der Mauser befindet.

Doch das Bewusstsein der Konsumenten für solche Missstände wächst. Und darum gibt es inzwischen Label, die tierleidfreie, wärmende Textilien versprechen. Wir stellen die wichtigsten vor:

Der Global Traceable Down Standard (Global TDS) bietet nach Angaben des Deutsches Tierschutzbundes die höchsten Standards in der produzierenden und weiterverarbeitenden Industrie. „Der Standard garantiert, dass die verwendeten Daunen weder durch Lebendrupf gewonnen wurden, noch aus der Stopfmast stammen, auch Rauf ist ausgeschlossen“, sagt Anna Szczepanek, Fachreferentin beim Deutschen Tierschutzbund. Zudem garantiere das Siegel auch, dass auch die Eltern der Tiere, von denen die Daunen stammen, nicht lebend gerupft wurden.

Der Responsible Down Standard (RDS), 2013 von der Outdoor-Marke The North Face ins Leben gerufen, verspricht ebenso, dass entlang der gesamten Lieferkette keine Tiere lebendig gerupft oder zwangsgefüttert werden. Oft sind nämlich die Daunenlieferanten auch noch Opfer der tierquälerischen Stopfmast. Das Verbot betrifft auch die Elterntiere. Denn gerade die sind besonders häufig vom Lebendrupf betroffen, Kontrollen in diesen Farmen besonders wichtig. Darauf weist Anna Szczepanek vom Tierschutzbund hin.

Wer sich überlegt, daunengefüllte Bettwäsche zuzulegen, sollte zumindest auf den Traumpass oder sein internationales Pendant Downpass achten. Allerdings sei das Siegel unter Tierschutzaspekten schwächer als TDS und RDS, sagt Szczepanek. „Während Lebendrupf und Stopfmast generell verboten sind, ist die Rückverfolgbarkeit bis zu den Elterntieren lediglich optionaler Bestandteil der Überprüfung.“

PETA: Kein Daunen-Siegel vertrauenswürdig

Nicht alle Tierschutzorganisationen teilen die Einschätzung des Deutschen Tierschutzbundes. Während Vier Pfoten sogar alle drei Label uneingeschränkt empfiehlt, rät PETA zur Vorsicht: „Da die Federn gerupfter Tiere innerhalb von sechs Wochen nachwachsen, kann Lebendrupf niemals komplett ausgeschlossen werden“, sagt Johanna Fuoß, Fachreferentin Bekleidung und Textil bei PETA.

Zudem lasse sich die Herkunft leicht verschleiern: „Wenn die Federn einmal gewaschen wurden, können auch Experten nicht mehr feststellen, ob sie dem lebenden oder dem getöteten Tier entrissen wurden. Dadurch können Händler die Federn völlig unerkannt miteinander vermischen. Selbst Federn aus der grausamen Stopfleber-Produktion finden so ihren Weg in Bettdecken, Kissen und Daunenjacken“, sagt Fuoß.

In einem aber sind sich alle drei Organisationen einig: „Der beste Weg, um Tierleid zu vermeiden, ist es natürlich, komplett auf tierische Produkte zu verzichten“, sagt stellvertretend Denise Schmidt, Kampagnenleiterin von Vier Pfoten. Und nennt als pflanzliche Alternativen vor allem die „Pflanzendaune“ Kapok, die vor allem in Bettwaren zum Einsatz kommt, oder Kunstfasern wie Primaloft und Lyocell.

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