Qualzucht Tierärzte warnen: Bei diesen Hunderassen sollten Sie genau hinsehen

Stupsnase und Kulleraugen: Viele Menschen reagieren entzückt auf extreme Züchtungen bei Hunden und anderen Tierarten. Qualzucht nennen das Tierärzte. Und starten eine Aufklärungskampagne
Hunderassen

Hochgezüchtet: Bulldoggen leiden oft unter Atemnot, Dalmatiner unter Taubheit

Wie süß ist der denn? – Bei vielen Menschen lösen Hunde mit großen Kulleraugen, platten Schnauzen und tapsigen Beinen Begeisterungstürme aus. Und gefühlt jeder zweite Hund, der mit Herrchen oder Frauchen unterwegs ist, gehört einer dieser Mode-Rassen an: Mops, Französische oder Englische Bulldogge. Facebook oder Instagram sind voll von niedlichen Fotos solcher Lieblinge.

Eine Begeisterung, die Tierärzte nicht teilen. Im Gegenteil. Mit einer Plakatkampagne weist nun die Berliner Tierärztekammer auf etwas hin, was viele Tierhalter offenbar nicht wissen: Dass Tiere, die durch Züchtung extrem deformiert sind, leiden. Klassisches Beispiel ist der Mops, der schon im Liegen leise vor sich hinröchelt. Grund dafür ist die züchtungsbedingte Verengung der oberen Atemwege. Brachyzephalie nennen Experten diese züchtungsbedingte Deformation des Schädels. Auch andere kurzköpfige Rassen leiden an Atemnot – die bei großer körperlicher Belastung oder Hitze auch lebensbedrohlich werden kann. Mehr als die Hälfte dieser Hunde, so schätzt die Tierärztekammer, sind davon betroffen.

Die Liste der züchtungsbedingten Deformationen ist lang

Weitere Deformationen machen vielen Tieren das Leben zusätzlich schwer, etwa hervorstehende Augen, eingerollte Augenlider, ein verkürzter Rücken, die steile Stellung der Hinterläufe oder Hautfalten. Oft werden die Beschwerden im Alter erst sichtbar – oder verschlimmern sich. Nach Angaben der Tierärztekammer erleidet jeder vierte Dackel einen Bandscheibenvorfall – und muss bei einer Querschnittslähmung eingeschläfert werden. Jeder fünfte Dalmatiner sei völlig taub.

Tierärzte behandeln solche Fälle immer wieder in ihrer Praxis. Und prangern immer wieder die Gedankenlosigkeit der Käufer und Besitzer an.

Jetzt ist ihnen offenbar der Kragen geplatzt. Mit ihrer Kampagne wollen die Veterinäre Menschen aufklären, die extrem gezüchtete Tiere einfach nur niedlich finden. "Ihr findet uns süß – aber ihr wisst nicht, wie wir leiden" ist das Motto, mit der die Tierärztekammer für vitale, gesunde, schmerz- und leidensfreie Tiere wirbt.

Auch Nutztiere sind von Qualzucht betroffen

Auch bei Katzen führt Kurzköpfigkeit oder Haarlosigkeit regelmäßig zu Gesundheitsproblemen. Und auch bei Kaninchen, Zierfischen oder landwirtschaftlichen Nutztieren, die vor allem auf Leistung gezüchtete werden, gehen viele Züchter zu weit, meinen die Tierärzte. Auch, weil der Markt danach verlangt. Die Züchter seien nicht allein die Bösen, sagte Achim Gruber, Tierpathologe der Freien Universität Berlin dem Tagesspiegel. Sie lieferten nur, was sich die Käufer wünschen.

Erstaunlich, dass die Kampagne der Berliner Tierärztekammer überhaupt notwendig ist. Denn Qualzuchten sind laut Paragraf 11b des Tierschutzgesetzes verboten. Es werde allerdings nur "unzureichend umgesetzt", heißt es von der Tierärztekammer – unter anderem wegen der hohen Nachfrage.

Kriterien für vitale, gesunde Hunde ohne Leiden

Aber welche Rassen sind nun in Ordnung? Die Bundestierärztekammer rät zum Beispiel nicht prinzipiell vom Kauf eines Mopses ab. Allerdings sollten Käufer besonders niedlich und puppenhaft aussehende Tiere meiden. Möpse oder Bulldoggen mit einer ausgeprägten Nase, die gut Luft bekommen, seien dagegen in Ordnung. Die folgende Checkliste bietet eine Orientierung. Wenn nur eines dieser Kriterien zutreffe, so die Bundestierärztekammer, sollten Käufer von einem Kauf absehen. Und sich schon gar nicht aus Mitleid für ein Tier entscheiden.

Der Hund ...

  • ist bei einem kurzen Sprint mehr aus der Puste als sein Besitzer.
  • schnauft, röchelt oder schnarcht im Ruhezustand.
  • atmet sehr schnell.
  • hechelt schon bei mäßigen Temperaturen stark.
  • hat extrem hervorstehende Augen.
  • schielt.
  • hat starke Falten auf dem Nasenrücken.