Pazifik Mysteriöser Raubfisch-Treffpunkt: Forscher lösen Rätsel um "Café" der Weißen Haie

Lange rätselten Meeresbiologen, warum sich Weiße Haie zwischen Kalifornien und Hawaii, Tausende Kilometer von der Küste entfernt, sammeln. Die Bewegungsmuster der Tiere verrieten den Grund
Weißer Hai

Man sieht sich im Hai-Café: ein Weißer Hai

Weiße Haie haben kein gutes Image. Aber für die Tiere ist die wichtigste Nahrungsquelle nicht der Mensch. Die Weißen Haie vor der Küste Kaliforniens etwa ernähren sich vor allem von Robben und anderen, im Meer lebenden Säugetieren.

Umso rätselhafter, dass die Räuber in den ersten Monaten des Jahres die kalifornischen Küsten verlassen, um sich auf eine monatelange, rund 2000 Kilometer weite Reise zu begeben. Ihr Ziel: eine Region auf halbem Weg zwischen Kalifornien und Hawaii. Dass sich Weiße Haie hier versammeln, ist schon länger bekannt.

Man sieht sich – im Hai-Café

Vor zehn Jahren entdeckte die Meeresbiologin Barbara Block die Versammlungsstätte, nachdem sie einzelne Tiere mit Sendern versehen hatte – und taufte das Gebiet "Weißer Hai-Café". Doch bis heute blieb rätselhaft, was die Tiere dort eigentlich treiben.

Zwei mögliche Erklärungsansätze boten sich an: Entweder die Haie treffen sich hier zur Paarung – oder sie finden hier eine besondere Nahrung. Die letztere Theorie fand bislang nur wenige Unterstützer, galt der Pazifik an dieser Stelle doch bislang als nährstoffarme Wüste.

Jetzt konnte ein Wissenschaftlerteam zeigen: Die Wüste ist eine Oase. Die Haie setzen sich hier quasi an einen gedeckten Tisch.

Reich gedeckter Tisch im Dunkeln

Dazu nutzten die Forscher Daten von speziell konstruierten Sendern, die sich nach einer Zeit von selbst vom Tier lösen, auftreiben und von der Meeresoberfläche gefischt werden können. Bei zehn von zwanzig eingesetzten Sendern klappte das.

Die ausgewerteten Daten zeigten: Die Haie machen mehrmals täglich, bis zu 140 Mal, Tauchgänge in unterschiedliche Tiefen. Nachts jagten die Knorpelfische in Tiefen bis zu 200 Meter, tagsüber in Tiefen bis zu 450 Meter. Aufnahmen von Tauchrobotern zeigen, warum:

In dem Meeresgebiet wimmelt es von Plankton, das im Schutz der Nacht an die Oberfläche aufsteigt, um bei Tagesanbruch wieder in die schützende Finsternis der Tiefe abzusinken. Der täglichen Wanderung der mikroskopischen Lebewesen folgen größere Räuber, die wiederum die Beute für noch größere Tiere bilden – etwa Tintenfische und Thunfische: perfekte Snacks für den Weißen Hai.

"Der Weiße Hai", sagte der an der Studie beteiligte Salvador Jorgensen vom Monterey Bay Aquarium dem San Francisco Chronicle, "lehrt uns, dass diese Region meeresbiologisch auf eine Weise von zentraler Bedeutung ist, die wir nie für möglich gehalten hätten".

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