Sibirien 40.000 Jahre alte Würmer zum Leben erweckt

Vier Jahrzehntausende haben winzige Fadenwürmer im sibirischen Permafrostboden überdauert. Jetzt haben Forscher sie aus ihrem Tiefschlaf geweckt
Fadenwurm

Fadenwürmer können Frostperioden im Tiefschlaf überstehen. Wenn es sein muss, auch jahrtausendelang

Aus Höhlen fördern Wissenschaftler immer wieder Sensationen zutage - auch und gerade, wenn die unterirdischen Hohlräume sehr alt sind. So brachten Archäologen aus den eiszeitlichen Höhlen Süddeutschlands die ersten Kunstwerke der Menschheit ans Licht. In einer anderen, ebenfalls vor rund 40.000 Jahren verschütteten Höhle, stießen Wissenschaftler nun auf eine biologische Sensation: lebensfähige Fadenwürmer.

Die Höhle war allerdings vergleichsweise klein: Sie bot einem eiszeitlichen, bodenbewohnenden Eichhörnchen Schutz, das sich im heutigen Sibirien, nahe des Flusses Kolyma tummelte. Der Bau wurde in der Folgezeit von den Schutt- und Geröllmassen der eiszeitlichen Gletscher verschüttet, und um an seinen Inhalt zu gelangen, mussten Forscher 30 Meter tief in den Permafrostboden graben. In den Sedimenten fanden sie nicht nur Nahrungsreste der prähistorischen Bewohner - sondern auch die rund einen halben Millimeter langen Bodenlebenwesen.

Bodenprobe aus 30 Meter Tiefe

In zwei von 300 entnommenen Bodenproben entdeckten die russischen Forscher zwei verschiedene Arten von Fadenwürmern, die auch heute noch auf der Erde vorkommen. Das Erstaunliche: Die gefundenen Exemplare waren nicht einfach nur gut erhalten – sondern quicklebendig. Allerdings hatten ihnen die Forscher mit einem wochenlangen Bad in einer wohltemperierten, 20 Grad warmen Nährlösung auf die Sprünge geholfen.

Den Forschern zufolge handelt es sich um den ersten Nachweis, dass mehrzellige Organismen wie Nematoden im Permafrostboden vier Jahrzehntausende überleben können.

40.000 Jahre im eisigen Tiefschlaf

Möglich macht das ein biologischer Ausnahmezustand, die so genannte Kryptobiose. In diesem Zustand sind die Stoffwechselprozesse eines Lebewesens fast auf null heruntergefahren. Erst beim Erwachen nimmt der Stoffwechsel seine Arbeit wieder auf.

Bestimmten Tieren ermöglicht dieser Zustand zum Beispiel Phasen extremer Trockenheit, geringer Sauerstoffkonzentration oder eben extremer Kälte zu überstehen.

Für diese Fähigkeit sind neben den Fadenwürmern auch die putzigen Bärtierchen berühmt. In einem ESA-Experiment überstanden einige von ihnen zehn Tage im All. Und das bedeutet: Vakuum, extreme UV-Strahlung – und Temperaturen von minus 273 Grad Celsius.

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