Es war der Moment, als sie dieses Bild zum ersten Mal in voller Gänze auf ihrem Computer-Bildschirm sah, in dem Sabrina Boem beschloss streunende Katzen durch ihre Bilder aus dem Verborgenen zu holen und ihnen ein Gesicht zu verleihen. Das Bild entstand bei einem ihrer ersten Besuche in einem offenen Katzenheim in Venedig

Sie ist selbst Besitzerin von zwei Tierheim-Katzen. Seitdem habe sich ihre Wahrnehmung gegenüber den Tieren komplett gewandelt und der Griff zur Kamera, um das gemeinsame Leben festzuhalten, sei fast alltäglich geworden, schreibt sie auf dem Foto-Blog Grryo. Eines Tages erzählte ihr eine Freundin von einer verlassenen Armee-Basis nicht weit von ihrem Wohnort in Venedig. Dort soll eine ganze Kolonie von Katzen zu Hause sein. Sabrina Boem fuhr hin und fotografierte stundenlang

ENPA Venezia nennt sich diese Auffangstation für streunende Katzen am Forte Marghera. Hier werden sie von freiwilligen Helfern gefüttert und medizinisch versorgt. Das Gelände ist offen, sodass die Katzen kommen und gehen können, wie es ihnen passt. Stück für Stück näherte sich Sabrina den Tieren und fing ihren Alltag auf dem weitläufigen Gelände mit ihrer Kamera ein

Den meisten Tieren war anzusehen, dass sie sich in einer guten gesundheitlichen Verfassung befanden, da die freiwilligen Helfer nicht nur Essen, sondern auch Decken und wetterfeste Unterschlupfe auf dem Gelände verstreut haben. "Nach einer Weile bin ich mindestens einmal in der Woche an diesen Ort gefahren, nicht mit einem Fotomotiv im Kopf, mir hat es einfach gut getan dort unter den Katzen zu sein," sagt Sabrina Boem

Die Bilder seien dann bei ihren Besuchen eher nebenbei entstanden oder unterwegs in den Gassen Venedigs, wie dieses. Wer die neuesten Fotografien von Sabrina sehen möchte, folgt ihr auf Instagram.

Nach vielen Unterhaltungen mit den Freiwilligen vor Ort, lernte Sabrina die einzelnen Katzen und ihre Gewohnheiten besser kennen. Sie weiß nun, welche Katzen miteinander verwand sind, wie alt sie sind und an welchen Orten sie sich besonders gern aufhalten

"Mir ist es wichtig, mit meinen Bildern das stolze Leben dieser streunenden Katzen zu zeigen. Ich möchte ihre Geschichte erzählen," sagt Sabrina.

Am liebsten besucht Sabrina die Anlage in den frühen Morgenstunden, wenn der Park noch menschenleer und die umliegenden Cafés und Restaurant geschlossen sind. "Dann sind dort nur die Katzen und ich."

Einige der Katzen sind das gesamte Jahr über auf dem Gelände unterwegs, andere sind über Wochen und Monate nicht zu sehen.

Sabrina Boem hat ihre besten Bilder in einem Bildband zusammengefasst, der in Englisch und Italienisch verfügbar ist. "The Invisibles: The secret world of colony cats", 38 Seiten, 30 Euro, bestellbar direkt über ihre Webseite. Wer die Arbeit der Freiwilligen unterstützen möchte, kann das mit einer Geldspende an ENPA Venezia tun.

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