Seltener Fang Forschern geht ein Urzeit-Hai ins Netz

Ausgerechnet bei einem EU-Projekt zur Erforschung des Beifangs fingen Wissenschaftler einen seltenen Tiefseebewohner
Kragenhai

Wegen seines schlangenartigen Aussehens wird der Kragenhai auch Schlangenhai genannt

Einen seltsamen Tiefseebewohner zogen Forscher aus 700 Metern Tiefe an der Algarve an die Wasseroberfläche. Das 1,5 Meter schlangenartige Tier ist ein Kragenhai, sein Maul mit rund 300 Zähnen bewaffnet.

Die Art wurde zwar schon im 19. Jahrhundert erstmals beschrieben. Doch viel ist noch nicht über sie bekannt. In seinem natürlichen Lebensraum wurde der Kragenhai nur selten beobachtet; die meisten Exemplare zogen Fischer als Beifang an Langleinen aus der Tiefsee.

Die Art gilt laut IUCN zwar nicht als bedroht. Aber Experten warnen, dass die Kragenhaie weltweit stark dezimiert werden könnten, wenn immer mehr Meeresgebiete befischt werden - und dazu in immer größerer Tiefe.

Der Kragenhai ist eine uralte Art - und gelegentlicher Beifang

Denn da Netze nicht zwischen Fischarten unterscheiden können, sterben viele Meeresbewohner in den Netzen der Fischtrawler - nur um tot über Bord geworfen zu werden. Der WWF schätzt, dass weltweit 38 Millionen Tonnen Meerestiere als Beifang sterben. Das entspricht 40 Prozent des jährlichen Weltfischfangs.

Besondere Ironie in diesem Fall: Die Wissenschaftler an Bord des Trawlers forschen gerade mit Mitteln der EU, wie sich unerwünschter Beifang vermeiden lässt.

Was man bislang über den Kragenhai weiß: Die Art ernährt sich vorzugsweise von Tintenfischen – und ist extrem alt. Fossilienfunde deuten darauf hin, dass Vorfahren der heutigen Kragenhaie sich schon vor 95 Millionen Jahren durch die Ozeane schlängelten. Man spricht darum auch von "lebenden Fossilien", ähnlich den Quastenflossern. Sie vermehren sich nur sehr bedächtig - die Schwangerschaft der Weibchen dauert zwei, möglicherweise sogar länger als drei Jahre. Diese langsame Reproduktion macht die Art verletzlich, warnen Experten.

Der Kragenhai lebt vorwiegend im Atlantik und um Australien, Neuseeland und Japan herum. In Japan wurde 2007 auch zuletzt ein lebender Kragenhai gefangen. Das Tier starb nach wenigen Stunden in einem Meerwasseraquarium.