Tierversuche Niederländer wollen aus der Forschung mit Tieren aussteigen

Als erstes EU-Land haben die Niederlande angekündigt, Tierversuche abschaffen zu wollen. Und intensiv nach Alternativen zu forschen
Wistar Ratte

Mehr als elf Millionen Tiere werden jedes Jahr in der EU in Tierversuchen getötet - hauptsächlich Nagetiere wie Ratten und Mäuse

Die Niederlande wollen Tierversuche abschaffen. Das erklärte vor einigen Monaten der Landwirtschaftsminister Martijn van Dam. Eine Sensation. Tierschützer in aller Welt jubelten. Van Dam kündigte an, die Niederlande im Gegenzug zum Weltführer bei tierfreier Laborinnovation bis 2025 machen zu wollen.

Dazu berief van Dam ein "Nationales Komitee zum Schutz von für wissenschaftliche Zwecke genutzten Tieren" ins Leben – das nun eine Art Ausstiegsplan vorlegte. Bis 2025, so der Vorsitzende Herman Koëter, können gesetzlich vorgeschriebene Versuche für Sicherheitsforschung an chemischen Substanzen, Lebensmittelzutaten, Pestiziden und Medizin beendet werden.

Für andere Bereiche, etwa die Grundlagenforschung, ist ein stufenweiser Ausstieg geplant. Soll heißen, nicht alle Tierversuche werden gestoppt und schon gar nicht sofort. Dennoch: Notwendig, so die Kommission, sei in allen Bereichen ein „Paradigmenwechsel weg von existierenden Überzeugungen und Praktiken“.

Die Niederlande in der Tierschutz-Offensive

Das Vorgehen der Niederländer ist nicht nur EU- sondern weltweit einzigartig. Zwar fordert eine EU-Richtlinie schon seit 2010 von allen Mitgliedsstaaten den Ausstieg aus dem Tierversuch. Und Tierversuche für Kosmetika sind in der EU immerhin schon seit 2013 verboten. Doch zu  konkreten weiteren Maßnahmen oder einem Zeitplan konnte sich bislang kein Staat durchringen.

Allerdings könnte die Offensive auch eine Reaktion auf eine Klage der EU-Kommission sein. Die verklagte die Niederlande vor zwei Jahren, weil sie die EU-Richtlinie zum Schutz von Versuchstieren nicht fristgerecht in nationales Recht umgesetzt hatte. Die Kommission bemängelte intransparente Angaben zum Genehmigungsverfahren, zum Zweck der Versuche, zum Schweregrad und zur Verwendung gefährdeter Arten.

In der EU werden jedes Jahr mehr als elf Millionen Tiere verbraucht. Mit 80 Prozent bilden Nager wie Mäuse, Ratten, Meerschweinchen und Kaninchen die größte Gruppe. Neben ethischen Bedenken mehren sich auch Hinweise, dass Ergebnisse aus Tierversuchen nicht ohne Weiteres auf Menschen übertragbar sind.

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