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Überraschende Erkenntnisse Wissenschaftler filmen erstmals Bärtierchen-Sex


Voyeure im Dienste der Wissenschaft: Forscher haben erstmals die Fortpflanzung von Bärtierchen auf Video dokumentiert. Die Aufnahmen zeigen, dass sich die Winzlinge bis zu einer Stunde lang paaren und dabei ein sehr komplexes Vorspiel vollziehen
Bärtierchen
Leben auf ganz kleinem Fuß: Zwischen 50 und 1500 Mikrometer klein sind die Bärtierchen. Zum Vergleich: Ein menschliches Haar hat einen Durchmesser von etwa 50 Mikrometern
© mauritius images / Science Picture Co.

Bärtierchen sind nicht nur wahre Überlebenskünstler – auch ihr Liebesleben kann sich sehen lassen. Im Rahmen einer Studie zum Lebenszyklus der Bärtierchen-Art Isohypsibius dastychi gelang es dem Görlitzer Wissenschaftlerteam in Kooperation mit der Universität Stuttgart das Sexualverhalten der winzigen Tiere auf Video festzuhalten. Durch die Aufnahmen von mehr als 30 Bärtierchenpaaren gewannen die Forscher erstaunliche Erkenntnisse über die Paarung der Kleinstlebewesen, deren Gestalt einem zerknautschten Staubsaugerbeutel ähnelt.

"Für uns überraschend war das Vorspiel, das zwischen den Bärtierchenpaaren stattfand", erklärt Jana Bingemer von der Universität Stuttgart. "Die Partner stimulieren sich wechselseitig: das Männchen legt sich um den Kopf des Weibchens und hält sich dort mit seinem ersten Beinpaar fest und das Weibchen stupst ihren Partner so lange leicht mit ihren stilettartigen Mundwerkzeugen an, bis dieser seinen Samen ejakuliert." Dieser Vorgang wiederholt sich mehrfach während der bis zu einer Stunde andauernden Paarung.

Bärtierchen bei der Paarung
Bärtierchen beim Vorspiel: Das Männchen (rechts) ist um das Kopfende des Weibchens geringelt
© Jana Bingemer / Senckenberg Museum Görlitz

Eine weitere Erkenntnis: Schon während der Paarung legt das Weibchen seine Eier in einem sogenanntem Häutungshemd ab und steigt zuletzt aus seiner alten Haut heraus. Die Befruchtung findet daraufhin außerhalb der Bärtierchenkörper im Häutungshemd statt. Taucht zum passenden Zeitpunkt kein Männchen auf, häutet sich das Weibchen ohne die Eier abzulegen. Die Eier verbleiben dann im Körper und werden binnen weniger Tage resorbiert. Nichtpaarungsbereite Weibchen werden von den männlichen Bärtierchen ignoriert.

Karin Hohberg vom Senckenberg Museum für Naturkunde in Görlitz folgert aus dieser Beobachtung, "dass sich die Bärtierchen auch in ihrem Fortpflanzungsverhalten extrem effektiv verhalten – Energie wird nur aufgewandt, wenn es sich auch lohnt."

Die ausführliche Studie ist kürzlich im Fachjournal "Zoological Journal of the Linnean Society" erschienen.


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