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Ornithologie Darum fallen Vögel auch im Schlaf nicht vom Himmel

Bindenfregattvogel
Tausende Kilometer ohne Zwischenlandung: Bindenfregattvögel schlafen während ihrer Beutezüge extrem wenig
© mauritius images / Reiner Harscher
Wenn ein Vogel während des Fliegens einschläft, fällt er dann vom Himmel? Nein, sagt Niels Rattenborg vom Max-Planck-Institut für Ornithologie

Gemeinsam mit Kollegen der Universität Zürich hat der Ornithologe Niels Rattenborg auf den Galápagosinseln Bindenfregattvögel untersucht. Die bis zu einen Meter langen und mit einer Spannweite von bis zu 2,3 Metern ausgestatteten Vögel sind auf der Jagd oft zehn Tage und Tausende Kilometer über dem Meer unterwegs, ohne Zwischenlandung.

Rattenborg und seine Kollegen haben mit einem extra entwickelten „Datenlogger“ die Gehirnaktivitäten und die Kopfhaltung der Fregattvögel im Flug gemessen und konnten so Schlaf- und Wachphasen unterscheiden. Bei der Beutesuche am Tage arbeiteten beide Hirnhälften. Mit der Dämmerung traten dagegen neuronale Muster auf, bei denen während Gleitflügen sogar beide Hirnhälften mehrere Minuten abgeschaltet wurden.

Trotzdem ist beim Fliegen meist eine Hirnhälfte aktiv, diejenige, die mit dem Auge verbunden ist, das in Flugrichtung blickt – so behalten die Vögel noch so weit Kontrolle über den Flug, dass sie nicht an Hindernisse stoßen.

Eine dritte Strategie während des Fluges ist schlicht der Schlafverzicht. Die längste Tiefschlafphase wurde mit sechs Minuten am Stück dokumentiert – insgesamt kamen die Tiere auf 42 Minuten am Tag. Zurück an Land schlafen die Vögel dann tiefer und länger – bis zu 12 Stunden täglich.

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