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Tierschutz Hoffnung für den „traurigsten Eisbär der Welt“

Er dient in einem chinesischen Einkaufszentrum als Selfie-Kulisse. Doch nach öffentlichkeitswirksamen Protesten von Tierschutzorganisationen könnte Eisbär "Pizza" schon bald ein besseres Leben haben

Wochenlang sorgte der Eisbär "Pizza" in einem chinesischen Einkaufszentrum im chinesischen Guangzhou für Schlagzeilen – als „traurigster Eisbär der Welt“. Tierschützer beklagen, dass das gewaltige Tier in einer vollkommen künstlichen Umgebung lebt - ohne die Möglichkeit, natürliche Verhaltensweisen auszuleben, ohne soziale Kontakte zu Artgenossen und ohne die Möglichkeit, sich den Blicken der neugierigen Besucher zu entziehen. Der Eisbär dient hier schlicht als Attraktion und als Kulisse für Selfies.

Bilder von dem traurigen Bären gingen um die Welt, die Tierschutzorganisation Animals Asia startete eine Unterschriftenkampagne - und sammelte mehr als eine halbe Million Unterschriften für seine Freilassung.

Eisbären im Gehege
Mehr Auslauf, Artgenossen zum Spielen: Der Yorkshire Wildlife Park beitet keine Bedingungen wie in Freiheit - aber wesentlich bessere als im einkaufszentrum in Guangzhou
© Yorkshire Wildlife Park

Davon erfuhr auch ein englischer Tierpark – und machte dem chinesischen Aquariumsbetreiber ein öffentliches Angebot, dem Eisbären ein besseres Leben zu ermöglichen. Der Yorkshire Wildlife Park im englischen Doncaster plant ein internationales Zentrum zum Schutz und der Rehabilitation von Eisbären sowohl in Gefangenschaft als auch in Freiheit. Den Eisbären stehen hier zehn Hektar Auslauffläche – das entspricht zehn Fußballfeldern – und zwei Seen zum Schwimmen und Tauchen zur Verfügung. Das Angebot des Parks gilt allerdings nur unter der Bedingung, dass der Besitzer von "Pizza" keinen neuen Eisbären anschafft und zur Schau stellt.

Der öffentliche Druck auf den Aquariumsbetreiber, das Angebot anzunehmen, ist groß. Eine offizielle Reaktion steht allerdings noch aus. "Aus unseren bisherigen Gesprächen mit ihnen kann ich sagen, dass die Verantwortlichen selbst gemerkt haben, dass gravierende Fehler in der Haltung und Versorgung ihrer Tiere gemacht wurden", sagt Dave Neale, Tierschutzdirektor von Animals Asia.

In dem Einkaufszentrum dienen zahlreiche weitere Tiere als Schauobjekte, darunter ein Polar-Braunbär, sechs junge Beluga-Wale und fünf Walross-Kälber.

Aktualisierung (20.9.16, 18 Uhr):

Wie die Nachrichtenagentur AFP berichtet, hat der Betreiber des Aquariums das Angebot inzwischen abgelehnt. Ein Sprecher habe gesagt, es bestehe "kein Bedarf, dass sich ausländische Organisationen einmischen". Das Aquarium halte sich an die chinesischen Standards und Tierschutzbestimmungen. Animals Asia kann diese Meldung allerdings nicht bestätigen.

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