Kuriose Forschung Das Ei des Weiß

Gregory Weiss, Professor für Biochemie an der University of California in Irvine, hat eine Möglichkeit gefunden, ein Ei zu "entkochen"
Das Ei des Weiß

Chemikern ist es gelungen, gekochtes Eiweiß wieder zu verflüssigen. Warum bloß?

GEO: Herr Professor Weiss, wenn Sie Eier entkochen können, können Sie auch Kuchen entbacken?

Weiss: Oder Toast enttoasten? Nein, solch komplexe chemische Prozesse können wir nicht umkehren. Und darum ging es auch gar nicht bei unseren Versuchen. Unser Problem: Manchmal verheddern sich Proteine ungewollt. Ein Entwirren war bisher zwar möglich, aber sehr zeitaufwendig. Ich wollte eine einfachere Lösung finden, deshalb habe ich mit Hühnereiweiß experimentiert, weil sich beim Kochen auch dort Eiweiße miteinander verwirren.

Und wofür ist das wichtig?

Besonders in der Krebsforschung spielen Proteine eine entscheidende Rolle. Krebszellen, „Piratenzellen“, entern andere Zellen und geben den Befehl zur Tumorbildung. Antikörper können das verhindern, aber ihre künstliche Herstellung ist kompliziert, weil sich die Proteinketten häufig ineinander verhaken.

Wie lief denn Ihr Experiment ab?

Wir haben im Supermarkt Hühnereier gekauft und Eiweiß und Eigelb getrennt. Das Protein Lysozym, das wir untersucht haben, kommt nämlich auch in Hühnereiweiß vor. Dieses Eiweiß wurde 20 Minuten lang hart gekocht und dann in einer Harnstofflösung wieder verflüssigt. Damit wurden die Eiweißketten zwar entwirrt, die Anordnung der Proteine war allerdings immer noch durcheinander. Deshalb kam das Eiweiß dann in ein Gerät, in dem es geschleudert und gedehnt wurde. Und die Proteine sind in ihre ursprüngliche Ordnung zurückgekehrt! So können wir Eiweiße auch bei der Antikörperproduktion „entfalten“.

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