GEO schützt den Regenwald e.V.

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NEUES AUS DER INTAG-REGION UND ECUADOR

August 2018 - Carlos Zorrilla, der Direktor unserer Partnerorganisation DECOIN, erzählt hier von einer erstaunlichen Entdeckung in seinem Zuhause im Nebelwald der Intag-Region:

In der Vergangenheit habe ich von der Vielfalt von Motten, Orchideen und Farnen berichtet, die im Nebelwald, wo mein Zuhause ist, leben. Obwohl die Vogel- und Säugetier-Vielfalt hier nicht so groß ist wie im ecuadorianischen Tieflandregenwald, ist auch sie beeindruckend. Im Wald rund um mein Haus haben meine Besucher und ich 222 Arten Vögel identifiziert. Es gibt nur wenige Untersuchungen zu Säugetieren, doch auch von ihnen gibt es dutzende Vertreter, beispielsweise Anden-Bären – eine gefährdete Art – Pumas, Ozelots, Weißrüssel-Nasenbären und Gürteltiere.

Eine Überraschung in meiner Toilette
Als ich vor ein paar Tagen zu meiner Kompost-Außentoilette ging, bemerkte ich eine plötzliche Bewegung an der Bambuswand des Toiletten-Häuschens. Bei näherem Hinsehen sah ich, dass es sich um eine wunderschöne Eidechse handelte, eine Art, die ich noch nie gesehen hatte. Meine angeborene Neugier ließ mich zum Haus laufen, um schnell meine Kamera zu holen. Glücklicherweise wartete die Eidechse noch an der gleichen Stelle. Ich machte mehrere Fotos.

Kurze Zeit später lud ich die Fotos herunter in der Hoffnung, das Reptil identifizieren zu können. Zum Glück kenne ich geeignete Quellen, die die Suche erleichtern, wie zum Beispiel Tropical Herping[1]. Dort finden sich gute Fotos von vielen Eidechsen-Arten aus diesem Teil von Ecuador. Schnell fand ich einen aussichtsreichen Kandidaten für das, was ich zunächst als “Kompost-Toiletten-Eidechse” bezeichnete Wie sich herausstellte, handelt es sich um den Nebel-Kielschwanz-Leguan (lateinischer Name: Stenocercus varius) , eine gefährdete Art! Der Name „Nebel-Kielschwanz-Leguan“ ist zugegebenermaßen viel schöner als der, mit dem ich die Eidechse ursprünglich getauft hatte. Wie sich herausstellte, lebt diese Leguan-Art ausschließlich in einem kleinen Areal in den westlichen Anden und wurde bislang nur extrem selten gesichtet.

Die Vielfalt von Reptilien
In einem megadiversen Land wie Ecuador erwartet man zurecht eine große Vielfalt von Arten. Und das gilt auch für die Reptilien. Die kleine Andennation (283.581 Quadratkilometer) nimmt nur 0,055 Prozent der Landfläche der Erde ein und ist dennoch Heimat von 473 Reptilienarten – etwas mehr als 5 Prozent der Gesamtzahl der Reptilien weltweit! Wie auch in anderen megadiversen Ländern, sind viele Arten vom Aussterben bedroht. In Ecuador gilt das für 273 der 473 Arten. Sie sind vom Aus-sterben bedroht, weil es den Menschen gibt, der Lebensräume bedroht oder durch Wilderei Arten (fast) auslöscht.

Was man von einer Eidechse lernen kann
Ich bin sehr neugierig und habe großes Interesses an Naturfotografie. Die Tatsache, dass es in meinem Fall vier Jahrzehnte gedauert hat bis ich den Nebel-Kielschwanz-Leguan zu Gesicht bekommen habe, sagt mir eine Menge über den Lebensraum, in dem ich zuhause bin. Und darüber, was dabei ist, verloren zu gehen. Vor allem zeigt es mir, wie dringend die weltweiten Rufe nach Schutz der Artenvielfalt auf unserem Planeten erhört werden müssen. Bedenkt man die Kurzsichtigkeit der ecuadorianischen Regierung, die großflächigen Bergbau fördert, koste es was es wolle, ist das umso dringender. Denn die “Kosten” sind unvorstellbar hoch in Regionen mit großer biologischer und kultureller Vielfalt wie Intag und die künftigen Generationen werden mit den negativen Auswirkungen leben müssen. In einem Land, dem es an Wasserressourcen und Artenvielfalt mangelt, könnte man vielleicht die Förderung von Bergbau entschuldigen. Doch im Fall von Ecuador ist es skrupellos.

Der Nebel-Kielschwanz-Leguan ist nur eine der vom Aussterben bedrohten Arten, Ecuador hat über Tausend davon. Es ist doch nur eine Eidechse, könnte man sagen. Doch unser Schutz sollte nicht nur den süßen, niedlichen Tieren gelten, sondern allen Lebewesen.

[1] http://www.tropicalherping.com/

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Der Nebel-Kielschwanz-Leguan ist nur eine der vom Aussterben bedrohten Arten in Ecuador

JULI 2018 - Eva Danulat, die Geschäftsführerin unserer Partnerorganisation "GEO schützt den Regenwald e.V.", berichtet von ihrem diesjährigen Besuch in der Projektregion Intag:

An der Bushaltestelle von Santa Rosa wartet schon Roberto, der Nachbar von DECOIN-Direktor Carlos Zorrilla auf mich. Er ist im Wagen da, so muss ich mein Gepäck nur die letzten ein, zwei Kilometer Fußweg durch den Wald tragen. Was gibt's Neues? Roberto braucht nicht zu überlegen: Vor ein paar Wochen traf er auf seinem Grundstück auf zwei Unbekannte, die sich sehr merkwürdig verhielten. Wie er schnell herausfand, waren sie Vertreter des Rohstoffriesens BHP[1], die herausfinden wollten, was die Bewohner von Santa Rosa von Bergbau halten. "Ich hab ihnen klar gemacht, dass sie bei uns nichts zu suchen haben und sie auf der Stelle zu ihrem Wagen zurückbegleitet!", schimpft Roberto. Wenn er sich an die unerwünschten Besucher erinnert, packt ihn noch immer die Wut. In Santa Rosa sind die Nachbarn einhellig gegen Bergbau. Und so prangt nun auf einem riesengroßen Schild an der Schule des Ortes in roten Lettern:
"NO A LA MINERÍA!"

Im Vergleich zu den Vorjahren ist die Angst der Intag-Bewohner vor Bergbauaktivitäten spürbar angewachsen. Gleich nach meiner Ankunft bei Carlos erfahre ich, warum. Seit einigen Monaten machen immer mehr Bewohner des Intag-Tals ähnliche Erfahrungen wie Roberto. Abgesandte von inzwischen drei Firmen mit Bergbaukonzessionen – BHP, Cornerstone und CODELCO – spionieren selbst in kleinsten Gemeinden wie Santa Rosa oder Cazarpamba die Bevölkerung aus, auf der Suche nach Gebieten, in denen mit dem geringsten Widerstand gegen Bergbau zu rechnen ist. Für große Teile des Intag-Tals gibt es seit vielen Jahren Kupfer-Konzessionen. Das ist gegen die Verfassung, denn keine der Gemeinden wurde vorab gefragt, ob sie mit Erzabbau auf ihrem Gebiet einverstanden ist. Dass die Möglichkeit von Bergbau-aktivitäten jetzt näher rückt und die Bedrohung damit realer wird, liegt auch an den hohen Staatsschulden. Obwohl ein Ende der Wirtschaftskrise nicht in Sicht ist, wächst der Widerstand gegen Bergbauvorhaben. Immer mehr Bewohner sind sich über die verheerenden Folgen im Klaren, die der geplante Kupfertagebau für Umwelt und das soziale Miteinander in Intag hätte. Denn ganz in ihrer Nähe, auf der anderen Seite der Berge, die ihr friedliches Tal umgeben, sind in diesem Jahr die schlimmsten Schreckens-visionen Realität geworden.

Ende 2017 sind Arbeiter nahe der Ortschaft La Merced de Buenos Aires[2], an der Grenze zum Cotacachi-Cayapas-Naturreservat, auf goldhaltiges Gestein gestoßen. Die Meldung löste in ganz Ecuador und selbst über dessen Grenzen hinaus einen Goldrausch aus. In der Hoffnung auf ihr Glück stürmten innerhalb weniger Wochen Tausende in die abgelegene Hochgebirgsregion. Seither ist dort nichts mehr wie es war, Ruhe und Frieden gibt es nicht mehr. Mit Piken und Schaufeln rissen die Goldsucher die Erde auf, durch-löcherten die ganze Landschaft mit Tunnel, um an das kostbare Gestein heranzukommen. Ihre Arbeit ist gefährlich und kräfte-zehrend; hinzu kommen der Regen und die Kälte. Auf fast 4.000 Meter Höhe haben die Schürfer, darunter wenige Frauen, ein notdürftiges Camp, eine Stadt aus Plastik, errichtet. Seit Jahresbeginn herrschen auf dem immer weiter wuchernden Schürfgelände und im Camp Gesetzlosigkeit und Chaos. Von täglichen gewalttätigen Auseinandersetzungen bis hin zu Mord und Totschlag berichten Aussteiger; von etlichen Männern, die in einstürzenden Tunnel lebendig begraben worden sind[3]; von Prostitution, Raub und Diebstahl; von lebensbedrohlichen Krankheiten bedingt durch Dreck, mangelnde Hygiene und Kälte im Camp. Staatliche Behörden, Polizei und Militär, waren bislang noch nicht vor Ort, um die illegalen Aktivitäten zu stoppen, sagt Carlos, zu hoch sei die Zahl der Männer, zu groß ihr Gewaltpotential, zu schwierig das Gelände.  

Dass angesichts dieser Berichte immer mehr Intag-Bewohner den großflächigen Tagebau, wie er in ihrer Region anvisiert ist, auf jeden Fall verhindern möchten, ist leicht nachzuvollziehen.

Carlos Zorrilla und seine Mitstreiter führen die Aufklärungsarbeit von DECOIN fort, veranstalten Meetings, verteilen Info-Material und Dokumentarfilme über Bergbauaktivitäten. Carlos‘ Söhne Martín und Joel haben über die Aktivitäten von BHP in Intag eine Webseite erstellt[4]. Sie, wie auch viele Bewohner der Intag-Region, kämpfen weiter dafür, dass ihre Heimat, in der auch der LichtBlick-Regenwald ist, bewahrt bleiben.

Mich macht das unverfrorene Vorgehen der "Bergbau-Spione" in Intag eher wütend als ängstlich. Trotzdem bin ich froh, dass die Gegner von Kupferbergbau in der Region mit DECOIN einen sehr starken Partner an ihrer Seite haben - einen Partner, der in den vergangenen zwei Jahrzehnten bereits drei internationale Unternehmen zur Aufgabe ihrer Pläne gezwungen hat.

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JUNI 2018 - Carlos Zorrilla, der Direktor unserer Partnerorganisation denkt zurück an eine Auszeichnung, die DECOIN 2017 verliehen wurde:

Bald ist es ein Jahr her, dass die "Äquator-Initiative", die Teil des Entwicklungsprogramms der Vereinten Nationen ist, uns per E-Mail informiert hat, dass DECOIN unter mehr als 800 Organisationen aus 120 Ländern für die Verleihung des Äquator-Preises auserwählt worden war. Als eine von nur 15 Organisationen, die den Preis im vergangenen Jahr erhielten. Der Preis wird alle zwei Jahre verliehen und ist mit 10.000 US-Dollar dotiert.

Ich kann mich sehr genau daran erinnern, dass ich beim Lesen dieser Mail so überrascht war, dass ich nur "Wow!" zurückschreiben konnte. Zum Glück fragten sie nach, ob ich den Inhalt der Nachricht verstanden hatte, und erst dann konnte ich es wirklich glauben.

Der Preis ist von großer Bedeutung für uns. Weniger des Geldes wegen – das ist schön, aber nicht ausschlaggebend. Was aber wirklich zählt, ist die Anerkennung für unsere Arbeit, die mit dem prestigeträchtigen Preis verbunden ist.

Naturschutz und Armutsbekämpfung

Der Preis, wird so auf der Webseite beschrieben:

“…wird alle zwei Jahre verliehen, um herausragende Bemühungen von Gemeinschaftsinitiativen zu würdigen, die Armut mittels Erhalt und nachhaltiger Nutzung der biologischen Vielfalt bekämpfen".

Vermutlich ist DECOIN besser dafür bekannt, Wälder, Wassereinzugsgebiete und Artenvielfalt zu schützen, und dafür, Bergbauunternehmen zu bekämpfen. Seit 23 Jahren (die sich eher wie 50 Jahre anfühlen!) sind wir damit Vollzeit beschäftigt. Doch ein anderer, weniger bekannter Aspekt unserer Arbeit ist die Förderung der nachhaltigen Nutzung von natürlichen Ressourcen.

Beispielsweise haben wir den ersten ökologischen Gemeindetourismus in Intag initiiert und 1998 die "Río Intag- Kaffeekooperative“ gegründet. Beides entstand als Reaktion auf die Bedrohung durch ein groß angelegtes Bergbauprojekt. Leider wurde dieses Vorhaben vor kurzem durch die ecuadorianische Regierung wiederbelebt und bedroht die Intag-Region mehr als je zuvor. In Otavalo haben wir einen Fair Trade-Laden geschaffen, um die Produzenten aus Intag bei der Vermarktung ihrer Produkte zu unterstützen. Ich bin froh, dass all diese Initiativen noch immer funktionieren.

Der Big Apple

Zurück zum Preis. Zur Auszeichnung gehörte eine Reise für zwei Personen zur Verleihung in New York. So kam es, dass die Präsidentin von DECOIN Silvia Quilumbango, und ich uns vergangenen September in einem wunderschönen Theater im Big Apple zur offiziellen Preisverleihung wiederfanden. Gemeinsam war wir mit den übrigen Vertreterinnen und Vertretern von 14 Gruppen aus Afrika, Asien, sowie Zentral- und Südamerika dort.

Vor der Zeremonie verbrachten wir den größten Teil der Woche mit den Preisträgern, bereiteten uns auf das Ereignis vor, teilten die Geschichten von unserer Arbeit und unsere Träume. Während dieser viel zu kurzen Tage haben wir uns untereinander ausgetauscht und halten die entstandene Verbindung bis heute mittels einer Whatsapp-Gruppe aufrecht. War das klasse? Und ob! Der inspirierendste und wichtigste Aspekt der Preisverleihung war, diese Helden aus allen Ecken der Erde kennenzulernen, die alles dafür tun, dass unser Lebensstil nachhaltig ist und unsere Erde geschützt wird. Die spezielle Verbindung zwischen uns konnten die Organisatoren nicht dokumentieren, doch wenigstens gibt es ein kurzes Video über den Preis.

Einer der Hauptgründe für die Nominierung von DECOIN für den Preis ist unsere Schaffung von über 40 Wassereinzugsgebieten und Schutzwäldern, die jetzt in Besitz von Gemeinden und Lokalregierungen sind. Eine Naturschutzinitiative, die seit den vergangenen 13 Jahren durch LichtBlick finanziert wird. Ein anderer Grund ist der 23 Jahre andauernde Kampf gegen großflächige Bergbauvorhaben in Intag. Der Bergbau würde einen großen Teil der im Intag verbleibenden Wälder bedrohen, auch die Wassereinzugsgebiete, die diese schützen, und hunderte von bedrohten Tier- und Pflanzenarten, die dort ihr Zuhause haben.

Es ermutigt mich, dass ein Programm der Vereinten Nationen es wagt, eine Organisation zu ehren, die direkt und aktiv eine der großen und mächtigen Industrien bekämpft. Der Bergbauindustrie kann das nicht recht gewesen sein. Doch ich glaube es zeigt, wie ernst der Zustand unseres Planeten ist und, dass die Zeichen endlich auf Veränderung stehen. Und deshalb bin ich froh, dass wir den Rest der Welt auf unsere Arbeit aufmerksam machen konnten.

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Die Gruppe der Preisträger 2017 in New York

MAI 2018 - Carlos Zorrilla, der Direktor unserer Partnerorganisation DECOIN, schreibt hier zum Tag der Artenvielfalt:

Seien Sie ehrlich: Wie viele von Ihnen wussten, dass die Welt am 22. Mai den Internationalen Tag der Artenvielfalt feiert? Mich würde es überraschen, wenn mehr als zehn Prozent der Leser dieses Newsletters davon gewusst hätten.

Dabei steckt die Artenvielfalt auf der Erde wahrhaftig in einer Krise. Laut einer aktuellen Studie ist beispielsweise jede achte Vogelart vom Aussterben bedroht. Bei den Amphibien und Säugtieren sieht es noch schlechter aus: Schätzungsweise ein Drittel der Amphibien und ein Viertel der Säugetiere sind gefährdet. Unter den zahlreichen Ursachen finden sich Klimawandel und unkontrollierte Abholzung, Ausweitung der Landwirtschaft und Verschmutzung, Verbreitung invasiver Arten und Überfischung der Meere. An Orten wie Intag stellt der Bergbau eine große Bedrohung dar. Das fehlende Bewusstsein für die Krise der Artenvielfalt ist schlimm. Es liegt daran, dass der Mensch davon ausgeht, das einzige Lebewesen zu sein, das ein unbegrenztes Recht auf die Nutzung der Ressourcen der Erde besitzt und, dass es keine Konsequenzen hat, wenn wir die Ressourcen gnadenlos ausbeuten.

Eine Frage des Gleichgewichts
Was bedeutet das für Sie und mich? Nun, wer möchte schon in einer biologisch verarmten Welt leben? Die biologische Vielfalt ist essentiell für das Leben schlechthin. Um mein Haus in der Intag-Region herum leben 22 Arten von Kolibris. Die Vielfalt an Arten bringt aber mehr als nur Freude und Schönheit in unser Leben: Sie ist die Grundlage für das Leben. Denn je vielfältiger Systeme sind, desto stabiler sind sie, und desto besser können sie Bedrohungen wie den Klimawandel überwinden.

Ein biologischer Segen
Ich bin ein vom Glück verwöhnter Mensch. Und das beruht zum größten Teil auf der Tatsache, dass ich in einem der biologisch vielfältigsten Gebiete der Erde lebe. Vor ein paar Tagen ging ich zu einem nahegelegenen Wasserfall; er ist nur 15 Gehminuten von meinem Haus entfernt, zehn Minuten davon führen über einen öffentlichen Weg. Mir fielen die zahlreichen Farne entlang der Wegstrecke ins Auge. Und ich begann, Proben der Farnblätter einzusammeln, um eine bessere Vorstellung von der Zahl der Arten zu bekommen. Ich bin wirklich kein Farn-Spezialist, doch das Ergebnis war erstaunlich: Auf dem Foto sehen Sie die etwa 30 verschiedenen Arten, die ich gefunden habe!  Und diese Zahl berücksichtigt noch keinen der Farne, die als Aufsitzerpflanzen auf Baumstämmen wachsen, auch nicht die in unserer Region verbreiteten Baumfarne. Selbst in den Tropen gibt es nur wenige Regionen, die eine solch große Vielfalt an Farnen aufweisen wie die Nebelwaldregion im Westen von Ecuador, in der ich lebe und arbeite. Ähnliches gilt auch für die Orchideen: In Ecuador wachsen über 4.000 Orchideen- Arten – mehr sogar als in dem 30 Mal größeren Brasilien!

Diese Umgebung ist der Grund, weshalb ich glücklich bin, die Arbeit zu tun, die ich tue. Meine Aufgabe ist die Bewahrung der phantastischen Wälder der Intag-Region. Und ich möchte jedem einzelnen LichtBlick-Kunden danken. Denn Sie haben es uns, den Gemeinden und lokalen Regierungen ermöglicht, mehr als 8.000 Hektar Wald in Intag zu bewahren - mit all seiner Artenvielfalt und hunderten von bedrohten Arten.

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APRIL 2018 - Unser Projektpartner Carlos Zorrilla schreibt hier seine Gedanken anlässlich des "Tags der Erde" nieder:

Am 22. April wurde weltweit der „Tag der Erde“ gefeiert. Eine Gelegenheit, über den gegenwärtigen Zustand unserer Erde nachzudenken - und die der Welt, in der unsere Kinder leben sollen. In der Intag-Region stehen wir vor den gleichen Herausforderungen, denen die Menschen überall auf dem Planeten gegenüberstehen: den Auswirkungen unserer Lebensweise auf der Erde. Seit Jahrzehnten bemühen sich die Gemeinden und Organisationen in unserer Region darum, eine Lebensweise zu entwickeln, die uns spirituell, sozial, ökologisch und auch wirtschaftlich zufrieden macht. Voraussetzung dafür ist ein funktionierendes System, in dem alle diese Aspekte im Gleichgewicht stehen. Ein anderer Ausdruck dafür ist: Nachhaltigkeit - ein häufig missbrauchter Begriff.

Der Anfang dieses Bemühens um eine „vernünftigere“ Lebensweise in der Intag-Region lässt sich auf 1995 zurückdatieren - das Jahr in dem groß angelegte Bergbauprojekte bekannt wurden, gegen die DECOIN protestierte. Obwohl die Zentralregierung kürzlich 22 Prozent der Bergbaukonzessionen des Landes annulliert hat, ist der Bergbau für Intag immer noch die größte Herausforderung. Das einzig Gute an der Bergbaubedrohung war, dass sie uns dazu motivierte, unsere Naturschutz- und nachhaltigen Wirtschaftsinitiativen zu entwickeln. Dazu gehört die Schaffung von Dutzenden von Wassereinzugsgebieten und Waldreservaten, großflächige Wiederaufforstung in Gemeinden, ein Schatten-Kaffee-Projekt und der gemeindebasierte Ökotourismus. Insofern ist für uns das ganze Jahr lang „Tag der Erde“.

Unser Engagement für einen gesunden Planeten zeigt sich am besten in unserer Initiative für Wald- und Wassereinzugsgebiete. Mit Unterstützung mehrerer Organisationen konnten wir über 13.000 Hektar gefährdeten Lebensraum schützen – knapp 7.600 Hektar (60 Prozent) davon alleine dank der Kooperation mit LichtBlick und "GEO schützt den Regenwald", die das Vorhaben auch weiterhin unterstützen.

Doch der Kauf von Wäldern für Gemeinden ist nicht das einzige, was DECOIN tut. Ohne Bildung ist es unmöglich, die Umwelt zu schützen. So konnten wir gerade dank der Weihnachtsspende von LichtbBlick 400 Kinderbücher kaufen, um den Schulkindern der ersten Grundschulklassen eine verständliche und emotional packende Einführung in den Naturschutz zu geben. Sobald Mitte April das Schuljahr beginnt, werden wir  mit lokalen Lehrern zusammenarbeiten, um die Bücher im Rahmen unseres Umweltbildungsprogramms an den Schulen zu verteilen.

An die Zukunft denken
Es ist großartig, zurückzuschauen auf das, was wir erreicht haben. Aber es bleibt noch viel zu tun. Umso mehr, für den Fall, dass die neue Landesregierung für Intag genauso auf die Entwicklung von Großbergbau setzen sollte wie die letzte Regierung. Um dieser Herausforderung zu begegnen, sind in den vergangenen Jahren aus anderen Organisationen der Region einige neue Initiativen hervorgegangen. Eine davon betrifft die Planung eines Wasserkraftprojekts. Das Vorhaben umfasst die Finanzierung des Baus von neun kleinen und mittleren Wasserkraftwerken. Diese werden von den Gemeinden und lokalen Regierungen kontrolliert. Ein erheblicher Teil der Einnahmen dient dazu, die Wassereinzugsgebiete zu erhalten und eine nachhaltige Landwirtschaft und Viehzucht sowie andere wirtschaftliche Aktivitäten zu finanzieren. Letztes Jahr wurde ein Vertrag zur Lieferung von erneuerbarer Energie an UNACEM - eine große Zementfabrik am Rand unseres Bezirks – unterzeichnet. Künftig wird bei UNACEM Elektrizität aus Wasserkraft die bisherige Verwendung von Schweröl ersetzen.

Neue Strategien für den Umweltschutz
Ein noch ehrgeizigerer Plan für den Naturschutz in  Intag besteht darin, die gesamte Provinz Imbabura, zu der auch Intag gehört, zu einem UNESCO Geopark zu machen.  Geoparks sind Gebiete von geologischem Interesse, die laut UNESCO die „Förderung einer nachhaltigen lokalen Wirtschaftsentwicklung, hauptsächlich durch Geotourismus“ suchen. Intag hat eine Fülle von Gebieten, die von geologischem Interesse sind. Im Falle des Erfolgs wird diese Initiative einen wichtigen Beitrag zur Unterstützung des ökologischen Tourismus und des Umweltschutzes leisten. Neben dem Geopark arbeitet die Regierung von Cotacachi weiterhin an der Schaffung eines Naturschutzgebiets mit nachhaltiger Nutzung; dies tut sie in enger Zusammenarbeit mit den Gemeinden, um den Schutz der Wälder und Wildtiere von Intag durch eine nachhaltige Landnutzung zu stärken. Die Schaffung des ACUS (Área de Conservación y  Uso Sustentable), wie das Projekt in Ecuador genannt wird, ist in vollem Gange, und wenn alles nach Plan läuft, sollte es bis Mitte 2018 rechtlich verankert sein. Wir sind sehr stolz darauf, dass unsere Gemeindewälder und Wassereinzugsgebiete überzeugende Argumente waren, um die Einrichtung des ACUS zu unterstützen.

Ab und zu ist es gut, einen Termin oder eine Veranstaltung zu haben, die uns dazu bringt, über unsere Arbeit nachzudenken. An diesem „Tag der Erde“ sind wir glücklich über die geleistete Arbeit und die Unterstützung, die wir erhalten haben. Und wir freuen uns auf mehr in den kommenden Jahren.

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Der Río Intag in Apuela, Ecuador

MÄRZ 2018 - Carlos Zorrilla, der Direktor unserer Partnerorganisation DECOIN, berichtet hier über den alljährlichen Weltwassertag und dessen Bedeutung:

In diesem Jahr wird der Weltwassertag der Vereinten Nationen am 22. März wegen der Wasserknappheitskrise, die die vier Millionen Einwohner Kapstadts so schwer getroffen hat, vermutlich mehr Aufmerksamkeit auf sich ziehen als in früheren Jahren.

Anstatt jedoch die notwendigen Lehren über die Zerbrechlichkeit dieses unverzichtbaren Guts zu ziehen, werden die meisten Einwohner von Kapstadt in einigen Monaten wahr-scheinlich die Krise vergessen und ihre verschwenderischen Konsumgewohnheiten wieder aufnehmen. Und das gilt nicht nur für die Stadtbewohner, sondern auch für die Bauern, Viehzüchter, Brauereien, Bergbauunternehmen und alle anderen Unternehmen.

Falsche Reaktionen
Die wahrscheinlichste Reaktion auf die Krise wird sein, größere Staudämme zu bauen oder Hunderte Kilometer entfernte Flüsse anzuzapfen. Der Bau teurer Entsalzungs-anlagen wird ebenfalls ernsthaft in Betracht gezogen. Die Regierung wird vermutlich auch Hausbesitzer und Unternehmen zwingen, wassersparende Geräte zu installieren, sofern sie es nicht bereits getan haben. Landwirte und Viehzüchter, die weltweit für 70 Prozent des Wasserverbrauchs verantwortlich sind, werden vermutlich gezwungen sein, neue Technologien einzusetzen, um ihren Verbrauch deutlich zu reduzieren. All diese Maßnahmen, wie gut sie auch gemeint sein mögen, sind aber unzureichend.

Blick auf die Natur
Das Motto des diesjährigen Weltwassertags lautet: "Natur für Wasser" - naturbasierte Lösungen für die Wasserprobleme finden, denen wir im 21. Jahrhundert gegenüber-stehen.

Um es mit den Worten der UNO zu sagen: “Umweltschäden, zusammen mit dem Klimawandel, treiben die Wasserkrisen, die wir auf der ganzen Welt sehen, voran. Überschwemmungen, Dürre und Wasserverschmutzung werden durch degradierte Vegetation, Böden, Flüsse und Seen verschlimmert.“

Die UNO hat es in diesem Jahr richtig gemacht. Denn degradierte Ökosysteme tragen die Hauptschuld an der Wasserknappheit, neben Überbevölkerung und verschwenderischem Konsum. Kaputte Ökosysteme können keine Überschwemmungen oder Dürren ver-hindern oder Gewässer sauber halten. Was die UNO jedoch nicht vertieft hat ist die Rolle, die wir alle spielen, um diese Systeme mit unseren unhaltbaren Lebensstilen zu brechen. Es ist auch das Problem, das die Regierungen nicht angehen wollen.

Intag und Wasser
Zweifellos ist die Entwaldung eine der wichtigsten menschlichen Aktivitäten, die den Zusammenbruch der Ökosysteme verursacht. Im Intag arbeitet DECOIN mit LichtBlick und „GEO schützt den Regenwald“ zusammen, um die einzigartigen Nebelwälder der Region zu erhalten. Durch den Erhalt von Wassereinzugsgebieten und den Schutz der Artenvielfalt leisten wir unseren Beitrag zur Bewältigung der Wasserkrise. Wir haben selbst degradierte Flächen in produktive Ökosysteme umgewandelt, die jetzt das Trink-wasser der Intag-Bewohner sichern. Dabei ist es uns sogar gelungen, die Verbindung zwischen gesundem Wald und sauberem Wasser in den Köpfen der Menschen zu ver-ankern.

Nebelwald und Elektrizität
Es stellt sich heraus, dass der Erhalt des Nebelwaldes auch bei der Versorgung der welt-weiten Wasserkraftwerke mit sauberem Wasser eine wichtige Rolle spielt. Wie der Forschungsleiter von Conservation International vor kurzem sagte: "…Nebelwälder filtern rund 50 Prozent des verfügbaren Oberflächenwassers, das zu den Staudämmen fließt”. Projekte wie unseres sind also auch der Schlüssel zur Produktion von Wasserenergie!

Konzentrieren wir uns daher mehr darauf, Wasserknappheit und andere Umweltprobleme zu vermeiden, indem wir die Ökosysteme gesund erhalten!

Es ist trotzdem viel einfacher für eine Regierung, ihren Bürgern zu sagen, dass sie beim Zähneputzen den Wasserhahn abdrehen sollen, als sie zu bitten, damit aufzuhören, Dinge zu kaufen, die sie nicht brauchen. Die Wurzel des Wasserproblems liegt in der welt-weiten kriminellen Entwaldung, die perfekt funktionierende Ökosysteme in Ölpalmen-Wüsten verwandelt; Weiden für mehr CO2-ausstoßende Rinder schafft und für immer mehr Tagebau, um den verrückten und nicht nachhaltigen Lebensstil der Reichen und Bequemen auf der ganzen Welt zu füttern.

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FEBRUAR 2018 - Carlos Zorrilla, der Direktor unserer Partnerorganisation DECOIN, berichtet hier über die Auswirkungen der jüngsten Volksabstimmung in Ecuador:

Diese Verfassung sollte 300 Jahre ihre Gültigkeit behalten, die 20. Verfassung des Landes, die 2008 bewilligt wurde. Und sie wurde auf der ganzen Welt gefeiert für ihre Fortschrittlichkeit. Beispielsweise war es die erste Verfassung, die der Natur Rechte garantierte und den Ecuadorianern das Recht auf ein „gutes Leben“. Doch statt 300 dauerte es nur drei Jahre bis die damalige Regierung es für notwendig erachtete, die Verfassung zu reformieren.

So geschehen 2011, als Präsident Rafael Correa die Mitbürger des Landes im Rahmen einer Volksabstimmung aufforderte, fünf Änderungen an der Verfassung vorzunehmen. Eine davon betraf die Aufhebung der maximalen Amtsdauer von Regierungsvertretern. Ironischerweise hatten sich gerade Correa und seine Parteigenossen während der Entstehungsphase der Verfassung für maximale Amtszeiten eingesetzt. Ein weiterer Aspekt über den abgestimmt wurde, betraf einen Vorschlag, welcher der Regierung mehr direkte Kontrolle über die Rechtsprechung geben sollte. Die damalige Zustimmung zu den Änderungsvorschlägen bedeutete das Ende der Gewaltenteilung in Ecuador. Es begann eine Zeit der staatlichen Unterdrückung von jedem, die die Machthaber, oder deren Vorgehensweise, in Frage stellte. Insgesamt wurden damals zehn Fragen zur Abstimmung gestellt.

Sprung ins Jahr 2018

Der neue Regierungschef, Lenín Moreno, der unter der Regierung Correa einige Zeit als Vizepräsident agierte, begann seine Amtszeit Anfang 2017 und verließ die Alianza País-Partei seines Vorgängers. Und mitten in einem riesigen Korruptionsskandal, der Correas letzten Vizepräsident ins Gefängnis brachte, stellte er im Volk Verfassungsänderungen zur Abstimmung. Einige davon hatten zum Ziel, Änderungen von 2011 wieder rückgängig zu machen – darunter die Amtszeiten, die aufs Neue begrenzt werden sollten.  Die Volksabstimmung 2018 wurde vielfach als Test für Correas Popularität gesehen, die gegen Ende seiner Amtszeit sehr unter Korruptionsskandalen gelitten hatte. Vor allem wegen dieser Skandale löste die Lobbytätigkeit von Correa im Land eine große Ablehnungswelle aus.

Und so wurden die begrenzten Amtszeiten der gewählten Volksvertreter wiedereingeführt.

Erfolg für Umweltschutz

Darüber hinaus ging es um wichtige Themen, wie den „ökologischen Fußabdruck“ der Erdölgewinnung im Yasuní Nationalpark und die Erweiterung der „Sperrzone“, in denen Indigene, also Indianervölker, in freiwilliger Isolation leben. Eine andere Schlüsselfrage, besonders wichtig für uns in der Intag-Region, bezog sich darauf, ob der Metall-Bergbau begrenzt werden sollte. Von den sieben zur Abstimmung gestellten Reformen war es ausgerechnet diese, die die größte Unterstützung erhielt – mehr sogar als Yasuní! Und in Intag war die Zustimmung zu dieser Reform noch höher als im nationalen Durchschnitt.

Während sich die Begrenzung des Bergbaus eigentlich nur auf Nationalparks und städtische Gebiete bezog, interpretierten viele Menschen im Land dies als wichtigen Schritt dahingehend, Ecuador eines Tages frei von großen Bergbauprojekten zu machen. Vor allem hat das Referendum den Bergbau ins Rampenlicht gerückt, mehr als jemals zuvor. Und obwohl uns klar ist, dass das Licht am Ende des Tunnels kein starkes ist, ist es dennoch ein Licht. 

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JANUAR 2018 - Carlos Zorrilla, der Direktor unserer Partnerorganisation, berichtet hier über einen Studenten aus Deutschland, der bei DECOIN ein Auslandspraktikum macht

An einem Sonntagmorgen – der einzige Wochentag, an dem das Büro von DECOIN in Apuela geöffnet hat – kommt ein blonder junger Mann auf mich zu, schüttelt meine Hand und stellt sich in ziemlich gutem Spanisch vor: “Hola, soy Frederik”. Monate zuvor hatte ich von Frederiks Wunsch gehört, sein Auslandspraktikum bei DECOIN zu absolvieren, und dann auch von seiner bevorstehenden Ankunft. Da jedoch sehr viele Dinge in Intag gleichzeitig passieren, hatte ich dies abgelegt in dem „nachher-darum-kümmern-Ordner“. Es war mir eine große Freude tatsächlich die Bekanntschaft von Frederik Buchholz zu machen.

Eva Danulat von GEO schützt den Regenwald hatte uns von “einem jungen Mann” berichtet, den nicht nur interessierte wie wir arbeiten, sondern der sich in “konkreter Naturschutzarbeit engagieren” wollte. Frederik fand an jenem Sonntag nur deshalb den Weg zu unserem Büro, weil er auf einem Vortrag von Eva im Rahmen eines Kurs an seiner Heimat-Universität über das Kooperationsprojekt erfahren hatte, in dem GEO und LichtBlick mit DECOIN zusammenarbeiten.

Vom Abstrakten zum schockierend Realen

Frederik ist 25 Jahre alt und hat sein Studium an der Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde fast abgeschlossen. Wie der Name der Hochschule vermuten lässt, vermitteln die Kurse Wissen zum Thema Bewahrung der biologischen Vielfalt; das ist auch der Hauptfokus der Arbeit von DECOIN. Frederik hatte vorab etliche Texte über Artenvielfalt gelesen. Doch einer der denkwürdigsten Momente während seines Intag-Aufenthalts war der, als er zum ersten Mal einen intakten Primär-Bergnebelwald betrat, erzählt er mir: „Erst als ich die überbordende Natur des Waldes hautnah erlebt habe, habe ich begonnen zu verstehen, was Artenvielfalt wirklich bedeutet”.

Beim Wandern die Schönheit des Waldes zu genießen ist wunderbar, doch Frederik hatte mehr Beweggründe nach Intag zu kommen. DECOIN ist mit vielen Themen beschäftigt. Zum Beispiel damit, eine Karte sämtlicher Schutzgebiete zu erstellen, deren Entstehung wir vorangetrieben haben. Und diesbezüglich hatten wir auf Frederiks Unterstützung gehofft. Doch manchmal passen die Fähigkeiten einfach nicht exakt zu den Bedürfnissen: Er ist nicht vertraut mit der Software, die in Ecuador für die Kartenerstellung benutzt wird. Stattdessen hat Frederik am Ende unserem Waldvermesser Armando geholfen, die Daten der letzten, noch nicht per GPS vermessenen Flächen aufzunehmen. Wichtiger aber ist, dass er Schwächen auf anderen unserer Arbeitsgebiete entdeckt hat – und gleich damit begonnen hat, diese zu beheben.

“Ich möchte einen Beitrag leisten, mich nützlich fühlen”

Wir kaufen nicht nur Waldgebiete für Gemeinden. Wir besuchen auch Schulen, um dort Kindern und Jugendlichen die Grundlagen des Naturschutzes zu vermitteln. Wir sind davon überzeugt, dass Naturschutzarbeit ohne engagierte Bildungsarbeit keinen Erfolg haben kann, verschwendetes Geld ist. Also hat Frederik mit unseren beiden “Umweltlehrern” geholfen, die Lehrinhalte für die Kinder zu verbessern und auch neue Unterrichtsmaterialien zu entwickeln. Außerdem erarbeitet Frederik gerade Wege, die Gemeinden sensibler für Naturschutzangelegenheiten zu machen. Seine Initiative und seine Engagement bezeugen, dass er es ernst meint, wenn er sagt, dass Praktikanten nicht nur neue Erfahrungen sammeln, sondern auch etwas von Wert hinterlassen sollten.

Der Schock des Extraktivismus

Während des Interviews frage ich Frederik, was ihn bei seinem Intag-Aufenthalt am meisten beeindruckt hat. Auf der Stelle antwortet er: „Wie schwer es ist, den Extraktivismus zu bekämpfen!“ Dieses Thema ist uns sehr vertraut, schließlich haben wir in den vergangenen 23 Jahren aktiv Widerstand gegen ein großes Kupferbergbauprojekt geleistet. Bei meiner Frage nach einer speziellen Begebenheit, erzählt er von einem Workshop, an dem er in Quito als Vertreter von DECOIN teilgenommen hat. Dort nahm auch ein Kolumbianer vom Volk der Awá teil. Während des Treffens sollte jeder etwas dazu sagen, wie der Extraktivismus sein Leben oder seine Kultur beeinflusst hatte. Frederik wird nie vergessen, was der junge Mann sagte: “Der Extraktivismus zerstört unsere Identität”. Wirklich zu verstehen, was Artenvielfalt bedeutet und die Lehrstunde mit dem Kolumbianer sind zwei starke Erfahrungen, die man wohl nur in Ländern wie Ecuador machen kann.

Freiwilligenarbeit, wenn sie gut organisiert wird, kann eine starke Kraft sein, die unsere Welt ein bisschen besser macht. Die goldene Regel, damit es funktioniert: Die Arbeit muss gleichermaßen dem ehrenamtlichen Unterstützer und der Organisation nützen. In vielen Fällen profitiert allerdings der Freiwillige deutlich mehr von seiner/ihrer Erfahrung – davon, eine neue Sprache zu lernen, in eine völlig andere Kultur einzutauchen, neue Techniken zu lernen und Kenntnisse auf dem Studiengebiet zu vertiefen… Im Fall von Frederik, der Intag nach sechs Monaten Aufenthalt verlassen wird, glauben wir, dass beide Seiten gleichermaßen profitieren, und hoffen künftig weitere ehrenamtliche Unterstützer begrüßen zu können, die genauso engagiert und integer sind wie er. Wir werden ihn vermissen!

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Carlos Zorrilla (re.) im Gespräch mit Frederik

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