GEO schützt den Regenwald e.V.

INTAG-Berichte

NEUES AUS DER INTAG-REGION UND ECUADOR

MAI 2019 - Carlos Zorrilla, der Direktor unserer Partnerorganisation DECOIN, schreibt heute über die Erfolge die dank des LichtBlick-Projekts erreicht worden sind:

Es tut gut, sich immer mal wieder die enorme Bedeutung der Kooperation zwischen DECOIN, GEO schützt den Regenwald und LichtBlick für den Naturschutz in Intag vor Augen zu führen. Die Initiative erscheint umso wichtiger seit die Vereinten Nationen ihren wegweisenden Bericht[1] über den Verlust an Artenvielfalt veröffentlicht haben, den die Autoren ebenso katastrophal wie den Klimawandel einstufen.

Die Schutzwaldgebiete in der Obhut der Gemeinden dienen tausenden von Intag-Bewohnern als Quelle für sauberes Trinkwasser. Darüber hinaus beschützen sie hunderte Pflanzen und Tiere vor der Ausrottung: Im vergangenen Jahr identifizierte eine Studie[2] 279 Arten, die in den Wäldern von Intag oder in ähnlichen Wäldern leben.

Basierend auf den oben erwähnten Studien stehen unter anderem die folgenden Arten auf der Liste der bedrohten Tierarten:

Bei den Säugetieren sind vier Arten von Katzen bedroht. Dazu gehören der Puma, die Langschwanzkatze, auch Margay genannt, und der Ozelot. Auf der Liste steht zudem der Anden- oder Brillenbär – die einzige Bärenart von Südamerika. Auch eine Schweineart: der Halsbandpekari, ist (lt. ecuad. Roten Liste) gefährdet. Zu den weiteren Säugetieren, die auf der Liste der bedrohten Arten stehen, gehören mindestens zwei Affenarten, darunter der vom Aussterben bedrohte Braunkopf-Klammeraffe,  der Pakarana, ein großes südamerikanisches Nagetier, die größte Fledermaus des amerikanischen Kontinents, die Große Spießblattnase, sowie zwei weitere Fledermausarten.

Unter den rund 30 Vogelarten auf der Roten Liste finden sich der Leistenschnabel-Tukan, auch Blattschnabel-Blautukan genannt, der Tukan-Bartvogel und der Langlappen-Schirmvogel. Der vom Aussterben bedrohte Schwarzbauch-Höschenkolibri wurde bislang nur an zwei Orten gesichtet – das Schutzgebiet von Cuellaje ist einer davon.

Amphibien stellen in Ecuador – wie auch weltweit – die am meist bedrohte Tiergruppe dar. Daher verwundert es nicht, dass gleich 45 Arten auf der Liste der bedrohten Arten auftauchen. Darunter sind zwei Arten, die nur in Intag vorkommen und vom Aussterben bedroht sind, der Langnasen-Harlekin-Frosch und der Prinz-Charles-Frosch.   

Auf der Liste finden sich auch 25 Reptilienarten und erschütternder Weise 108 Orchideenarten. Auch für die bislang nicht einmal entdeckten Arten ist es ungeheuer wichtig, diese Wälder zu schützen – so wie für die neue Glasfrosch-Art[3], die erst im März 2019 in einem privaten Schutzwald entdeckt wurde.

Eine ganz schwierige Frage

Immer wieder frage ich mich: Was wäre mit all den inzwischen geschützten Wäldern passiert, falls DECOIN 1998 nicht mit seiner Gemeindewald-Schutzinitiative begonnen hätte?  Die einfache Antwort lautet: Wenn sich der Trend in der Landnutzung von 1998 fortgesetzt hätte, wären die meisten Wälder – mal abgesehen von einigen, wenigen offiziellen Waldschutz-gebieten und denen, die besonders steil und unzugänglich sind – jetzt Viehweiden oder Agrarflächen. Das würde bedeuten, dass mindestens eine Froschart mittlerweile ausgestorben wäre und der Lebensraum einiger hundert bedrohter Arten jetzt drastisch geschrumpft wäre. Das Trinkwasser vieler Intag-Ortschaften, darunter Apuela, Peñaherrera und García Moreno, wäre noch immer durch Parasiten verseucht, wie bis 1998 als es Viehweiden und Agrarflächen durchfloss. Und einige Gemeinden würden inzwischen unter kritischem Wassermangel leiden.

Ein weiteres wahrscheinliches Szenario ist auch, dass Tausende Hektar kostbarer Bergnebelwald für mindestens eine gigantische Kupferabbaustätte abgeholzt worden wären, und Tausende mehr unter den Folgen der Exploration für Erze leiden würden. Die einzige positive Alternative hierfür wäre gewesen, dass ein erleuchteter Politiker stattdessen die Entwicklung des Naturtourismus als Einkommensquelle für die Intag-Bewohner vorangetrieben hätte.

Umweltbewusstsein ist der Schlüssel

Naturschutz funktioniert nicht ohne Umweltbildung. In den vergangenen zehn Jahren haben wir tausende Schüler und Schülerinnen über folgende Themen unterrichtet: Wasser, Artenvielfalt, Klimawandel und die Bedrohungen für die Artenvielfalt in der Intag-Region.  Darüber hinaus versuchen wir auch Themen zu behandeln, die sich einige Schulen von uns wünschen – so zum Beispiel Abfalltrennung und -vermeidung. Doch der beliebteste und unverzichtbare Teil unseres Umweltbildungsprogramms sind die Besuche in den Regenwald-Schutzgebieten der Gemeinden, denn ohne die würde der Unterricht abstrakt bleiben. Indem wir die Eltern der Schüler auffordern, die Exkursionen ebenfalls zu begleiten, vergrößern wir die Reichweite und Wirkung des Programms. Wir stehen kurz davor, den diesjährigen Unterrichtszyklus zu Umweltthemen zu beginnen, der helfen soll, das Bewusstsein für den wirklichen Reichtum von Intag zu schaffen.

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Exemplar eines Langnasen-Harlekin-Frosches

APRIL 2019 - Carlos Zorrilla, der Direktor unserer Partnerorganisation DECOIN, berichtet hier über neue Entwicklungen in der Intag-Region

Tag der Erde
Am 22. April wurde der “Earth Day”, der “Tag der Erde”, gefeiert. Vor allem soll an diesem Tag das Bewusstsein der Menschen für unseren Planeten gestärkt werden – damit wir endlich aufhören, Luft, Land und Wasser zu kontaminieren. Falls uns das gelingt, hätte der Mensch eine gute Chance, noch ein bisschen länger auf dieser Erde zu leben! Man könnte meinen, das sei einfach zu begreifen und zu erfüllen. Ich hoffe, dass immer mehr Menschen verstehen, was wir tun müssen, um unserer Erde zu helfen. Ein gutes Beispiel ist der Regenwald-Schutz von LichtBlick, GEO schützt den Regenwald e.V. und unserer Organisation DECOIN. Gemeinsam konnten wir schon viel erreichen.

Waldkäufe
Die DECOIN-Mitarbeiter treiben derzeit den Kauf zweier Waldflächen voran. Es handelt es sich um 106 Hektar. Wie immer werden die Flächen privaten Verkäufern abgekauft und als Schutzwälder auf die Gemeinden überschrieben. Doch es kommt auch immer wieder zu Verzögerungen beim Kauf – entweder auf Seiten des Verkäufers oder auch durch die Behörden. In den vergangenen Wochen haben beispielsweise Regionalwahlen stattgefunden und das bedeutet: Verzögerungen durch den Wechsel von Ansprechpartnern in der Verwaltung und neue Abläufe. Aber nichts wird uns davon abhalten, neue Gemeindewälder zu schaffen!

Bergbau
Ich bin froh, berichten zu können, dass es zurzeit in der Intag-Region bezüglich Bergbauvorhaben relativ ruhig ist. Das chilenische Bergbauunternehmen CODELCO hat seine Bohrgeräte aus den artenreichen Wäldern um Junin abgezogen. CODELCO hatte den Plan, seine Probebohrungen für Kupfer auf ein weiteres schützenswertes Waldgebiet bei Junin auszuweiten, doch das konnten wir verhindern oder zumindest hinauszögern. Außerdem haben Gemeinden in anderen Teilen von Ecuador Gerichtsverfahren gegen Bergbauvorhaben gewonnen. Die Regierung hat jedoch angekündigt, dass sie demnächst mit CODELCO eine Vereinbarung unterzeichnen wird, um in den kommenden zwei, drei Jahren eine Machbarkeitsstudie durchzuführen. Die Studie soll zeigen, ob der Kupferabbau in einem 700-Hektar-Waldgebiet aus ökonomischer Sicht sinnvoll wäre. Zudem hat der Präsident des ecuadorianischen Rechnungshofes nach einem Jahr endlich seinen Bericht veröffentlicht, in dem er die Bergbauaktivitäten in den Wäldern von Junin entschieden verurteilt. Der Bericht weist auf das völlige Fehlen von Überwachung bei den Bohraktivitäten hin. Das führte dazu, dass Flüsse und Bäche kontaminiert, Bäume illegal gefällt und Millionen Liter Wasser ohne Genehmigung genutzt wurden. In der Woche vor dem „Earth Day“ hat die ecuadorianische Bürger-Schiedsstelle einen noch drastischeren Bericht herausgegeben. Dieser betrifft die Menschenrechte und die Rechte der Natur, die CODELCO in den Wäldern von Junin verletzt hat. Die Rechte der Natur sind als solche in der ecuadorianischen Verfassung verankert: Die Natur und alle Arten, die sie ausmachen, haben unter anderem das Recht auf Schutz, natürliche Vermehrung und Wiederherstellung. Fazit: Der Bericht macht uns optimistisch, dass wir die Entwicklung von Bergbau in Intag verhindern können. Was uns Sorge bereitet, sind allenfalls einige informelle Goldsucher, die nach Intag gekommen sind. Bislang gibt es jedoch keine Abbaustelle und die Gemeinden sind fest entschlossen, illegales Schürfen nach Gold zu verhindern.

UNESCO Geopark
Im April hat die UNESCO unsere Provinz, Imbabura, zum ersten Welt-Geopark[1] in Ecuador erklärt – auch das ist ein Grund den Earth Day zu feiern. Um diese Auszeichnung zu verdienen, muss eine Region außergewöhnliche geologische Vielfalt aufweisen. Imbabura hat einzigartige Naturlandschaften, Kraterseen, Wasserfälle, die Anden(!) und eine beeindruckende Vielfalt an Ökosystemen. Schutz, Bildung und Nachhaltigkeit sollen die Entwicklung in Geoparks prägen. Und wer unsere Arbeit kennt, der weiß, dass wir seit 24 Jahren –15 davon mit Hilfe von LichtBlick und „GEO schützt den Regenwald“ – genau diese Ziele verfolgen!

[1] https://www.elcomercio.com/tendencias/imbabura-declaracion-oficial-geopa...

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Apuela, valle de Intag

MÄRZ 2019 - Carlos Zorrilla, der Direktor unserer Partnerorganisation DECOIN, berichtet hier von der Beziehung zwischen einer Orchidee und einer Biene

Was mir beim Schreiben der Berichte für LichtBlick am meisten Freude bereitet ist, dass ich Dinge entdecke, die mir unbekannt waren und andere Dinge verstehen lerne, von denen ich dachte, dass ich sie kenne. Das gilt auch für die kuriose, wundersame Beziehung zwischen einer Orchidee und wilden Bienen, die ich bei mir im Wald angetroffen und fotografiert habe.

Wie Sie wahrscheinlich wissen, lebe ich im Bergnebelwald der Intag-Region im Nordwesten von Ecuador. Am meisten begeistert mich die immense Artenvielfalt um mich herum. Einen großen Anteil an dieser Vielfalt haben die Orchideen. Die Fläche von Ecuador ist rund 20 Prozent kleiner als die Deutschlands, doch hier finden sich 4.000 Orchideenarten – mehr als in dem 32 Mal größeren Brasilien. Etwa 1.000 dieser Arten sind vom Aussterben bedroht. Neben dem illegalem Baumeinschlag, Landwirtschaft und Rinderzucht bedrohen auch das illegale Sammeln diese Vielfalt. In Intag stellt ohne Frage der geplante großflächige Tagebergbau für Kupfererze die größte Bedrohung dar.

Hier die faszinierende Geschichte wie eine der Orchideen in meinem Wald, die atemberaubend schöne Lycomormium ecuadorense, befruchten wird.

Aus der Trickkiste der Pflanzen
Orchideen gelten als hoch entwickelte Pflanzen. Das beruht darauf, dass es bei ihnen zahlreiche Mittel und Wege gibt wie sie Insekten dazu bringen, ihre Vermehrung zu unterstützen. Manche Orchideen ahmen selbst Insekten nach, um echte Insekten dazu zu bewegen, mit den Blüten zu kopulieren. Bei diesem Vorgang bleiben Pollen an ihnen hängen, und sie fliegen davon, um mit einer weiteren Orchidee zu kopulieren – und dabei verbreiten sie die Gene der Pflanze. Andere verströmen den Geruch von verwesendem Fleisch, der bestimmte Aasfliegen dazu bringt, ihren Pollen zu anderen Blüten der gleichen Art zu transportieren.

Kleine Bienen bestäuben 700 Orchideenarten
Die für die Befruchtung meiner Lycomormium zuständige Bienenart gehört der Gruppe der Prachtbienen (Euglossine) an. Sie sind in Zentral- und Südamerika beheimatet und befruchten mehr als 700 Orchideenarten! Die Prachtbienen sind leuchtend metallisch grün, blau oder bronze gefärbt und meist nicht mehr als 2,5 Zentimeter lang.

Lycomormium ecuadorense ist eine der Orchideenarten, deren Befruchtung vollständig von Prachtbienen abhängt.  Die in Ecuador heimische Orchidee lockt die männlichen Prachtbienen durch einen Duft an. Die Bienen fliegen die Blüten also nicht wegen des Nektars an, wie es andere Bienen üblicherweise tun. Es ist der Geruch, auf den es das Prachtbienen-Männchen abgesehen hat.

Ein zarter Duft überwindet lange Strecken
Die Biene sammelt die Duftsubstanz mit den Vorderbeinen, überträgt sie dann auf ihre spezialisierten Hinterbeine. Beim Einsammeln der Duftsubstanz überträgt die Orchidee ein gelbes, längliches Pollenpaket fest auf die Biene. Und die Encyclopedia Britannica weiß auch, wozu:  

“Die Duft-Chemikalien sind wichtig für die männlichen Prachtbienen, um sich erfolgreich zu vermehren. Denn sie signalisieren den weiblichen Bienen, dass sie gute Ernährer sind und lange genug leben, um viele chemische Substanzen zu sammeln, die von verschiedenen Blüten stammen“.

Sie können sich vorstellen wie begeistert ich war, als ich die blühende Lycomormium vor ein paar Wochen entdeckt habe und den ganzen Befruchtungsprozess beobachten und fotografieren konnte. Geduldig habe ich zwei Wochen lang jeden Tag über mehrere Stunden das Kommen und Gehen der Prachtbienen verfolgt. Erst bei dem Öffnen der allerletzten Blüte, gelang es mir zu beobachten, wie eine Biene das Pollenpaket übernommen hat. Vor meinen Augen verschwand die Biene im Innern der Blüte und kam bepackt mit einem Pollenpaket auf ihrem Rücken wieder heraus – was für ein glücklicher Moment!

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Biene mit Pollenpaket

JANUAR/FEBRUAR 2019 - Carlos Zorrilla, der Direktor unserer Partnerorganisation DECOIN, fragt sich, ob der Autobauer BMW womöglich zur Zerstörung des Waldes in der Intag-Region beitragen wird:

Diese Frage geht zurück auf eine Vereinbarung, die der chilenische Bergbauriese CODELCO und der deutsche Autohersteller BMW 2018 unterzeichnet haben. Diese Abmachung nennt sich „Kooperation für nachhaltigen Kupfer-Abbau“ (auf Englisch: “Responsible Copper Initiative[1]). Laut Information auf der BMW-Webseite[2] setzen sich beide Unternehmen zum Ziel, die Kupferindustrie zu ökologischer und sozialer Verantwortung zu verpflichten. Für mich klingt es eher nach Greenwashing der umweltschädlichen Kupfergewinnung, die selbst vor den unberührten Bergnebelwäldern Ecuadors nicht Halt macht.

Eines steht für mich außer Frage: Die Ziele der BMW-CODELCO-Vereinbarung können niemals erreicht werden, wenn CODELCO in den Wäldern von Intag eine Kupfermine betreiben darf.  Der Bergbau-Konzern treibt hier bereits seit 2014 sein Unwesen. 

Intags lange Naturschutz-Historie
In der Intag-Region setzen sich sowohl Gemeinden als auch diverse Organisationen bereits seit 24 Jahren für den Schutz der lokalen Wälder, der Artenvielfalt und der Wassereinzugsgebiete ein.

Dank erheblicher Unterstützung von Organisationen wie „GEO schützt den Regenwald" und LichtBlick ist es uns während dieser Zeit gelungen, 41 Schutzwälder zu schaffen. Diese sind jetzt in Besitz von Gemeinden und lokalen Regierungen. Die Gemeindewälder umfassen rund 13.000 Hektar (davon mehr als 8.000 Hektar alleine durch die LichtBlick-Kooperation). Sie dienen dem Schutz von Wassereinzugsgebieten, sie schützen Wald höchster Artenvielfalt und sind Rückzugsgebiet von hunderten von bedrohten Tierarten. Während der vergangenen 24 Jahre kamen zwei transnationale Bergbauunternehmen in unsere Region – und mussten sie wieder verlassen. Zu groß war der Widerstand der Intag-Bewohner.

Kein Mangel an Rechtswidrigkeiten
Im Mai 2014 begann eine Tochtergesellschaft von CODELCO, in den Wäldern von Intag nach Kupfer zu suchen.  Das gelang ihnen nur dank der Begleitung durch hunderte Polizisten. Die Suche erfolgte in Waldgebieten, die zwei Gemeinden seit 1999 als Teil einer Ökotourismus-Initiative nutzten.

Kaum hatte die Suche nach dem Kupfer begonnen, zeigten die betroffenen Gemeinden – mit Unterstützung von DECOIN und der Kreisregierung von Cotacachi – Verstöße hinsichtlich fehlender Genehmigungen, Lizenzen und Umweltverträglichkeitsstudien sowie Menschenrechtsverletzungen an. Zur Anzeige gebracht wurde etwa die unrechtmäßige Verhaftung und Inhaftierung eines Gemeindeführers für ein Jahr, die Kontaminierung des Flusses Junín und seiner Nebenflüsse. Weitere angezeigte Verstöße waren illegaler Baumeinschlag, nicht genehmigte Landnutzung und die Beeinträchtigung des Gemeinde-Tourismusgeschäfts. Doch wann immer Gemeinden Gesetzesverstöße anzeigten, lehnten die staatlichen Autoritäten die Klagen ab. Für mich war klar: Das Interesse der Bergbau-Unternehmen war dem Staat wichtiger als die Interessen der Bürger. Doch das änderte sich am 25. Januar 2019.

Ein sehr ungelegener Bericht
An diesem Tag veröffentlichte der Nationale Rechnungshof von Ecuador einen Berichtsentwurf zur Untersuchung in der Llurimagua Minenkonzession. Der Bericht bestätigt, was die Gemeinden seit vielen Jahren angeprangert haben. Doch er bringt noch viel mehr zu Tage. Der Bericht führt unter anderem  Verstöße dutzender staatlicher Institutionen und das totale Fehlen der Reglementierung von Bergbauaktivitäten auf. Fehlende Kontrollen, so der Bericht, ermöglichten der CODELCO-finanzierten Kupfer-Suche unter anderem die Verschmutzung des Flusses Junín, den illegalen Einschlag von Bäumen und die Nutzung von 258 Millionen Litern Wasser ohne Genehmigung. Im Kern verdeutlicht der Bericht, wie unmöglich es für CODELCO sein wird, sich an die Richtlinien des nachhaltigen Kupferabbaus zu halten. Und sollten die Bergbauaktivitäten in Intag weitergeführt werden, so dürfte auch BMW mit groben Verstößen gegen Umweltgesetze und Verletzungen der Menschenrechte in Verbindung gebracht werden.

Eine der wichtigsten Erkenntnisse des Berichts war, dass die fehlende Kontrolle zum Abbruch der Aktivitäten hätte führen müssen. Am gleichen Tag als der Rechnungshof seinen Bericht veröffentlichte, geschah die entsetzliche Bergbaukatastrophe in Brumadinho, Brasilien, bei der hunderte Arbeiter und Siedler starben - wohlmöglich auch aufgrund mangelnder Überwachung seitens der Regierung. BMW sollte ernsthaft darüber nachdenken, die Vereinbarung mit CODELCO aufzukündigen.

[1] https://www.bimmertoday.de/2018/01/12/bmw-und-codelco-kooperation-fur-nachhaltigen-kupfer-abbau/

https://www.deutschlandfunk.de/chiles-rohstoffkonzern-codelco-kupfer-mit-gruenem-anstrich.1197.de.html?dram:article_id=420134

[2] https://www.press.bmwgroup.com/global/article/detail/T0277850EN/bmw-group-and-codelco-agree-on-cooperation-to-establish-the-responsible-copper-initiative?language=en

 
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Bergnebelwald in Intag, Ecuador