GEO schützt den Regenwald e.V.

Ecuador Aufforstung im Wassereinzugsgebiet Irubí, Intag

In der Gemeinde Irubí engagiert sich "GEO schützt den Regenwald e.V." für den Aufbau einer Baumschule, eine Fruchtbaum-Modellpflanzung und die Sicherung des Trinkwassers

Über die Region

Die rund 200 Autokilometer nördlich der Landeshauptstadt Quito gelegene Intag-Region in der Provinz Imbabura zeichnet sich durch sehr vielfältige Lebensräume und entsprechend hohe Artenvielfalt aus. Das Intag-Tal – benannt nach dem gleichnamigen Fluss – liegt zwischen dem tropischen Tiefland und der hier bis zu 6000 Meter hohen Gebirgskette der Anden. Im Norden grenzt Intag an das Cotacachi-Cayapas-Naturreservat, wo zahlreiche vom Aussterben bedrohte Säugetier- und Vogelarten ein letztes Rückzugsgebiet haben.

Aufforstung im Wassereinzugsgebiet Irubí, Intag

Die kleine Intag-Gemeinde Irubí liegt nahe der Grenze (grün) zum Cotacachi-Cayapas-Naturreservat

In der abgelegenen Gemeinde Irubí, Bezirk Apuela, siedeln rund 60 Familien auf etwa 2.000 Metern ü.d.M.. Von der Ortschaft Apuela aus erreicht man Irubí mit einem geländegängigen Wagen oder Motorrad in etwa einer Stunde Fahrzeit. In dem idyllisch gelegenen Tal ist Milchwirtschaft die einzige Einkommensquelle. Ansonsten sind die Bewohner Kleinbauern, die als Selbstversorger Mais, Kartoffeln, Bohnen usw. anbauen. Die meisten jungen Leute sehen keine Zukunftschancen und verlassen den Ort nach Abschluss der Schule.

Hintergrund des Projekts

Ecuador weist die höchste Abholzungsrate in ganz Südamerika auf: Zwischen 2005 und 2010 schrumpften die Wälder landesweit um 198.000 Hektar pro Jahr – die Waldfläche verringerte sich jährlich um 1,89 Prozent (s. FAO Global Forest Resources 2010: Global Tables). Kahlschlag, Brandrodungen, Straßen- und Siedlungsbau sowie Bergbau bedrohen im Nordwesten Ecuadors die verbleibenden Reste des einst flächendeckenden Bergnebelwaldes. Kleinbauern brennen wertvollen Wald nieder, um neue Äcker oder Viehweiden zu gewinnen. Die Folgen: Niederschläge und Wind lassen die kahlen Berghänge erodieren, der Boden kann kein Wasser mehr speichern und trocknet aus. Ernten verdorren, es kommt zu Erdrutschen; gleichzeitig wird sauberes Trinkwasser knapp.

 

 

Aufforstung im Wassereinzugsgebiet Irubí, Intag

Im Tal von Irubí wird vorwiegend Milchwirtschaft betrieben, Wald gibt es noch an den Berghängen

Dieses Vorhaben profitiert aus den Erfahrungen des sehr erfolgreichen Wiederaufforstungsprojekts „El Paraíso“, das „GEO schützt den Regenwald“ ebenfalls gemeinsam mit der lokalen Umweltschutzorganisation DECOIN realisiert hat und das in der gesamten Region als Vorzeigeprojekt für ökologische Aufforstung gilt. Bereits drei Jahre nach Projektbeginn begannen die Baumpflanzungen in El Paraíso positive Wirkung auf den Zustand des Wassereinzugsgebietes zu zeigen.

Dauer

Juli 2011 bis Ende 2015 (nach Verlängerung)

Ziele

Gemischte Aufforstungen mit einheimischen und bedrohten Baumarten fördern die Artenvielfalt und stellen die Trinkwasser- versorgung sicher, Fruchtbäume tragen zur nachhaltigen Einkommensverbesserung der Projektbetreiber bei.

 

Aktivitäten

Aufbau einer Baumschule und einer Modellpflanzung

Das Projekt finanziert neben dem Kauf eines Geländes und den Materialien für den Aufbau einer Baumschule auch eine „Modellpflanzung“ von Fruchtbäumen, die den Großteil des Geländes bedeckt. Die Produktion der Baum- setzlinge in Irubí hat den Vorteil, dass die Pflanzen auf diese Weise an das lokale Klima und die Bodenverhältnisse angepasst sind. Die Nähe zur Baumschule erleichtert den Mitgliedern der Projektgruppe das Pflegen der Setzlinge und verkürzt die Transportwege zu den Pflanzorten.

Aufforstung im Wassereinzugsgebiet Irubí, Intag

An dieser Stelle ist der Rio Irubi noch unbeschattet – zu viel Wasser verdunstet

Produktion von Baumsetzlingen und deren Pflanzung

Die Projektgruppe produziert Wald und- Schattenbaumarten, wie den schönen rot-weiß blühenden „Tura“, um diese auf beiden Ufern des Río Irubí zu pflanzen. Ziel: Durch die Beschattung des Flusses verdunstet weniger Wasser und die ausreichende Versorgung der Gemeinde mit sauberem Trinkwasser wird sichergestellt. Weiterbildungsmaßnahmen mit einem Experten in Obstanbau vermitteln das spezifische Wissen, das die Projektbetreiber für die Produktion von Fruchtbäumen benötigen. Sie produzieren in der Folge veredelte Fruchtbäume, darunter diverse Zitrusfrucht-Arten, Avocado, „Chirimoya“ (auf Deutsch: Rahmapfel) und Aprikose. Neben 20.000 Schatten- und Fruchtbäumen für die Wiederaufforstung der Flussufer und Flächen in und um die Ortschaft Irubí, produziert die Gruppe auch 10.000 Setzlinge für andere Wiederaufforstungen in der Region.

 

Aufforstung im Wassereinzugsgebiet Irubí, Intag

Baumsetzlinge im Gewächshaus von Irubí

Umweltbildung

Das Arbeiten in der Baumschule unter gezielter Anleitung geht in den Familien der Projektbetreiber mit Bewusstseinsbildung einher – sie setzen sich auseinander mit der Bedeutung des Erhalts gefährdeter Baumarten, mit den Folgen von Waldverlust und dem Wert von Wiederaufforstung.

Maßnahmen zur Einkommensverbesserung

Nach Abschluss des Wiederaufforstungsvorhabens soll die Baumschule und insbesondere die Modellpflanzung den Projektbetreibern als Basis zur dauerhaften Verbesserung ihres Einkommens dienen – durch den Verkauf von Fruchtbaum-Setzlingen und von Früchten.

 

 

Fortschritte

Silvia Quilumbango und einige der Projektbetreiber im Jahr 2013 auf dem Gelände der Gruppe

Keines der elf Gruppenmitglieder von Irubí hatte bei Projektbeginn Erfahrung mit der Aufzucht von Baumsetzlingen und Aufforstungs- aktivitäten. Umso wichtiger war die intensive Begleitung des Vorhabens durch den erfahrenen DECOIN-Mitarbeiter und Projekt- betreuer Milton Arcos – drei Tage pro Woche arbeitete er vor Ort. Der Kauf des knapp ein Hektar großen Geländes erfolgte im Juli 2011; im weiteren Jahresverlauf entfernten die Betreiber auf der zuvor für den Maisanbau genutzten Fläche die zurück- gebliebenen trockenen Maisreste. Unter Anleitung des Projektbetreuers errichteten sie auf dem Gelände ein Gewächshaus, ebneten Flächen ein und bereiteten den Boden auf die Pflanzung von Setzlingen vor. Um von dem relativ großen Gelände zu profitieren bis die Kronen der Bäume den Boden beschatten, säte die Gruppe diverse Gemüsesorten aus. Diese dienten zur Ernährung der Projektfamilien, denn nur wenige von ihnen verfügen über eigene Anbauflächen. Nahrungsmittel wie Kartoffeln, Kohl, Bohnen, Salat, Zwiebeln aus eigener Ernte ergänzten so den Speiseplan –und motivierten die Gruppenmitglieder.

 

Aufforstung im Wassereinzugsgebiet Irubí, Intag

Erste Schattenbaumsetzlinge fanden im Januar 2012 ihren Weg in die Natur

Die Projektbetreiber produzierten und pflanzten 13 Waldbaumarten, darunter bedrohte Arten wie Cedro und Olivo. Im Rahmen mehrerer Besuche bei den seit vielen Jahren aktiven Baumschulen- gruppen von "El Paraíso" und "San Roque de Atuntaqui" gewannen die Gruppenmit- glieder viel Know-How dazu, speziell hinsichtlich Behandlung, optimalem Standort sowie Pflege der verschiedenen Baumarten.

Aufforstung im Wassereinzugsgebiet Irubí, Intag

Die wieder aufgeforstete ehemalige Weide am Rand des Schutzwaldes der Gemeinde auf 2700 Meter ü.d.M. im Jahr 2015

Im Januar 2012 war es so weit: An den Ufern des Flusses Irubí hoben die Betreiber Pflanzlöcher aus und pflanzten die ersten 2.000 Schattenbäume aus eigener Produktion. Im gleichen Jahr wurden zudem in der Umgebung von Irubí 580 Setzlinge und in zwei Schutzgebieten („El Cristal“, „El Paraíso“) gar 6.500 Setzlinge aus der Projektbaumschule gepflanzt. An den meisten Standorten entwickelten sich die jungen Bäume sehr gut und die Verluste waren sehr gering. Nur an einem der Pflanzorte am steinigen Ufer des Río Irubí vertrockneten ungewöhnlich viele der Setzlinge; dort hat rund ein Drittel der Bäume nicht überlebt. Grund: Von Juni bis November 2012 gab es kaum Niederschläge, der Fluss verwandelte sich in ein Rinnsal. Dies zeigt eindringlich, wie wichtig die Bepflanzung der Flussufer ist, um einerseits den Wasserverlust durch Verdunstung zu mindern und anderer- seits die Bodenqualität zu verbessern. In den Regenperioden um die Jahreswenden 2013 sowie 2014 bepflanzte die Projektgruppe zahlreiche weitere Standorte. Besonders aufwändig war die Wiederaufforstung einer ehemaligen Viehweide auf 2.600 bis 2.700 Meter ü.d.M. an der Grenze zum Gemeindeschutzwald „Remigio“: In kleinen Chargen transportierten die Betreiber rund 3.000 Setzlinge auf Maultieren zu diesem Pflanzort. Zudem musste die Gruppe alle paar Monate zu diesem Pflanzort zurückkehren, um das schnell nachwachsende Gras in unmittelbarer Umgebung der zarten Bäumchen per Hand zu entfernen und ihnen so eine Überlebenschance zu geben.

Die Produktion der Fruchtbaum-Setzlinge war für die Gruppe eine besondere Herausforderung, denn diese sollten durch „Pfropfen“ veredelt werden. Die kniffligen Pfropfprozesse für die verschiedenen Fruchtbaumarten erlernten die Betreiber von Experten. Die Details variieren je nach Baumart, das Prinzip jedoch ist immer gleich: Ein kleines Teilstück eines Baumes mit den gewünschten Eigenschaften, der so genannte Edelreis, wird jeweils mit einem kräftigen Setzling der Projektgruppe zusammen gefügt. Hierzu wird ein angespitztes Zweigende in den ab- und eingeschnittenen Stamm eines Setzlings gesteckt und durch ein Band fest mit ihm verbunden. Der Veredlungsprozess verlangt viel Fingerspitzengefühl; noch dazu verlängert er die Setzlingsproduktion um mindestens ein halbes Jahr. Doch das Pfropfen zahlt sich später aus: Es steigert die Fruchtproduktion und verbessert die Qualität der Früchte; zudem können so auch bei nicht optimalen Boden- verhältnissen Fruchtbaumarten wachsen, die ohne Pfropfung kaum überleben würden.

 

 

In der „Modellpflanzung“ auf dem Gelände der Projektgruppe wachsen etwa Tausend Fruchtbäume wie Avocado und diverse Zitrusfrüchte heran. Die ersten Zitronen aus eigener Produktion konnten die Gruppenmitglieder schon Anfang 2013 ernten. Auch die Avocado-Bäume entwickelten sich sehr gut; bereits zwei Jahre nach der Pflanzung blühten etliche von ihnen. Die ersten Avocados konnten im Juni 2015 geerntet werden; gleiches gilt auch für Aprikosen, die sich zur Überraschung aller auf dem 2.000 Meter hoch gelegenen Gelände prächtig entwickelten. In der Regenzeit Ende 2014 pflanzten die Betreiber die letzten Bäume: Mehrere tausend Avocado- und, Zitrusfrucht-Bäume, daneben Waldbaumarten wie Turas, Zypressen, Gummibäume, Cedro und Wachspalmen. Das Projekt wurde mehrfach verlängert, um auch die Versorgung und Pflege der zuletzt gepflanzten Bäume zu ermöglichen; es wurde 2015 erfolgreich abgeschlossen.

Aufforstung im Wassereinzugsgebiet Irubí, Intag

Zur Überraschung aller tragen im Juni 2015 selbst die im Projekt gepflanzten Aprikosenbäume bereits Früchte

Unsere Partner

Schon seit 2004 arbeitet „GEO schützt den Regenwald e.V.“ erfolgreich mit der ecuadorianischen Umweltschutzorganisation Defensa y Conservación Ecológica de Intag, kurz: DECOIN, zusammen. Die 1995 gegründete Organisation (www.decoin.org) setzt sich insbesondere für den Schutz der stark bedrohten Bergnebelwälder in der Intag-Region ein. Dabei stehen der Widerstand gegen Kupfer-Tagebau sowie die Förderung einer nachhaltigen Entwicklung durch Einkommensalternativen und „best practices“ in der Landwirtschaft im Vordergrund.

Aufforstung im Wassereinzugsgebiet Irubí, Intag

Planungstreffen des DECOIN-Teams mit Eva Danulat im Mai 2013

DECOIN treibt auch die Einrichtung von Gemeindeschutzwäldern und Maßnahmen zur Sicherstellung der Trinkwasserversorgung voran. Die Gemeinden beteiligen sich aktiv an jeder Projektphase. So entscheiden die Bewohner über alle Aktivitäten selbst und profitieren am wirtschaftlichen Erfolg der Maßnahmen in Landwirtschaft, Gewerbe und Tourismus.

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Milton Arcos mit zweijährigem Drachenblutbaum

Der DECOIN-Mitarbeiter und Projektbetreuer Milton Arcos ist sehr gut qualifiziert für den Wissenstransfer und die sonstigen Aufgaben im Projekt. Er verfügt über langjährige Erfahrung hinsichtlich der Aufzucht von Baumsetzlingen der verschiedensten Arten und Wiederaufforstung, unterrichtet und koordiniert darüber hinaus Kurse im Bereich Umweltbildung.

Diese Projektaktivitäten haben Baumspenden der Zeitschrift GEO und des Hamburger Unternehmens Eppendorf AG ermöglicht.

Letzte Aktualisierung: August 2015

Bildergalerie zum Projekt

Aufforstung und Wasserschutz in Irubí
Aufforstung und Wasserschutz in Irubí
In Irubí haben die Gemeindemitglieder unter Anleitung des Projektbetreuers Milton Arcos eine Baumschule für die eigene Produktion von Setzlingen geschaffen. Ergebnisse dieser Arbeit sehen Sie hier.

"Wasser im Bergnebelwald"

 

Ein Film des Ithaca-College, New York, gibt Einblick in die Faszination des Bergnebelwaldes und dessen Bedeutung für das Leben in der Intag-Region. Zehn Minuten auf Spanisch mit englischen Untertitel.

http://www.youtube.com/watch?v=rgm3nqBxbKM

 

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